Manipulationsskandal

Barclays-Chef Bob Diamond tritt zurück

Bob Diamond zieht die Reißleine: Der Chef der Barclays-Bank tritt mit sofortiger Wirkung ab. Erst am Montag hatte der Skandal Verwaltungsrats-Chef Agius den Kopf gekostet, der jetzt aber Diamonds Nachfolger suchen soll.
Update: 03.07.2012 - 15:01 Uhr 9 Kommentare

Barclays-Chef Diamond tritt ab

LondonWegen eines Manipulationsskandals ist Barclays-Chef Bob Diamond mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Dies teilte die britische Bank am Dienstagmorgen mit. Am Montag hatte bereits der Chef des Verwaltungsrates, Marcus Agius, seinen Rückzug angekündigt. Er soll den Angaben nach die Geschäfte aber vorerst weiterführen, bis ein Nachfolger für Diamond feststeht.

Der Druck auf Barclays habe ein Niveau erreicht, das die Zukunft des Unternehmens bedrohe, sagte Diamond in einer Mitteilung am Dienstag. „Das durfte ich nicht geschehen lassen.“ Die britische Regierung begrüßte die Entwicklung. Finanzminister George Osborne sagte, dies sei eine richtige Entscheidung für Barclays. Finanzkreisen zufolge steht mit Jerry del Missier ein weiterer Vorstand vor dem Rücktritt - er ist ein enger Gefolgsmann Diamonds.

Am Montag hatte Verwaltungsrats-Chef Agius erklärt, die Angelegenheit habe dem Ansehen des Instituts enorm geschadet: „Ich werde hier nicht den Schwarzen Peter weiterreichen, sondern die Verantwortung übernehmen.“ Premierminister David Cameron sicherte die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu.

Barclays war vergangene Woche zu einer Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar verdonnert worden, weil es die ermittelnden Behörden in Großbritannien und den USA als erwiesen ansahen, dass das Institut Marktzinsen manipuliert hat. Die Bank hat als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. Die Aktie gewann nach anfänglichen Verlusten rund drei Prozent.


In den seit Monaten laufenden Untersuchungen gegen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank und die UBS, geht es um den Vorwurf der Manipulationen des weltweit gültigen Interbanken-Zinssatzes Libor. Dieser täglich in London fixierte Satz dient als Referenz für Kredite von Privatleuten und Unternehmen, Derivate sowie andere Finanzprodukte im Gesamtvolumen von 360 Billionen Dollar. Er basiert auf den Daten mehrerer Großbanken, die diese täglich abliefern.

Den Instituten wird vorgeworfen, dass sie von 2005 bis 2009 absichtlich falsche Angaben gemacht haben, um die eigenen Handelsgewinne in die Höhe zu treiben und die wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern. Die britische Finanzaufsicht FSA machte am Montag deutlich, dass es sich bei Barclays nicht um einen Einzelfall handele. Außerdem forderte sie die Geldhäuser nach dem Vorfall auf, das öffentliche Vertrauen in die Branche wieder herzustellen.

Rolle der Bank of England unklar
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9 Kommentare zu "Manipulationsskandal: Barclays-Chef Bob Diamond tritt zurück"

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  • Wann ... soll die Politik denn endlich mal "schnell" Massnahmen ergreifen? Reeden wir nicht schon seit Jahr und Tag davon? Langsam gereicht das Bankerwesen zur teuren Lachnummer ...

  • Man stelle sich vor, JP MOrgan, RBS, DB, alle Spitzenleute treten zurueck, USB nicht zu vergessen, wegen der kriminellen Energie einiger ganz weniger Subalterner, die arme Bankenindustrie wuerde ihre faehigsten Koepfe verlieren, die Wirtschaft insgesamt wuerde kollabieren. Die Politik muss jetzt schnell Massnahmen ergreifen, um diese vernatwortungsvollen Banker zu schuetzen. Verbot von Bankerruecktritten, Verdopplung der Boni, Freistellung von jeglicher Haftung und Verantwortung. Diese Massnahmen sind natuerlich Alternativlos.

  • Dem ist nichts mehr hinzuzufügen ... 100% agree.

  • Banküberfall lohnt nicht mehr.
    Macht es wie die Bankster, gründet eigene Banken, privatisiert eure Gewinne und sozialisiert die Verluste.
    Verkauft faule Papiere an die EZB für gutes Geld.
    Korrumpiert euch in der Politik ein und sagt der Kanzlerin bei der eigenen Geburtstagsparty im Kanzleramt, wie der Hase hier läuft. Solltet ihr dann wegen mafiöser krimineller Verfehlungen von eurem Posten entbunden werden, verabschiedet euch mit dem „Goldenen Handschlag“.
    Danach gehts mit den abgezockten Millionen in die Schweiz, nach Monaco, St. Tropez, Marbella zur Dolce Vita und zum Golfspielen.
    Was kann schöner sein auf Erden, als ein korrupter Bankster zu werden.


  • Immer wieder ähnliche Betrugsgeschichten.

    Man kann nur dazu aufrufen keine Geschäfte mehr mit diesen Investmentbanken zu machen!!!

  • Buhuuhuuuuu... ein Rücktritt, welch Bestrafung!!!

  • @donc
    sehe ich auch so, kurzer Aufschrei, ein paar Tage in der Presse und danach Ruhe! Wie immer!

    Wer regelt dieses ungleiche Spiel? Keiner, denn die Politik hat sich schon lange verabschiedet.

    Ja und wenn man die Politiker so betrachtet, dann kann man ja nur feststellen, dass sie ja ihr "Schäfchen" im Trockenen haben! Keine Haftung für Fehler, ausser Rücktritt und der wird teuer bezahlt vom Steuerzahler!!!!!!

    GIER FRISST HIRN

  • Betrüger gehören in den Knast, nicht in den Ruhestand !

    Einsperren, Sofort !

  • Ich fürchte nur, dass es mit seinem Rücktritt wieder einmal getan ist und es keine weiteren Konsequenzen für ihn geben wird. Also auf in die Karibik und mit den auf Kosten der Allgemeinheit ergaunerten Millionen den Lebensabend genießen.

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