Manipulationsskandale
Deutsche Bank verbietet Händlern den Chat

Händler großer Banken manipulierten offenbar wichtige Leitzinssätze und Wechselkurse. Die Deutsche Bank hat Konsequenzen gezogen. Deutschlands größtes Geldhaus verbietet seinen Devisenhändlern die Nutzung von Chaträumen.
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FrankfurtDie Deutsche Bank verbietet ihren Devisenhändlern den Zugang zu Chaträumen. „Im Bereich Fremdwährungen ist seit dem ersten Quartal die Nutzung von Multi-Party-Chaträumen nicht mehr erlaubt“, bestätigte ein Sprecher auf Nachfrage von Handelsblatt Online. Das Verbot sei mittlerweile auf den gesamten Bereich des Anleihe- und Devisenhandels ausgeweitet worden.

Aufsichtsbehörden und Regulierer hatten zuletzt die elektronische Kommunikation von Händlern ins Visier genommen. Mitarbeiter großer Finanzhäuser hatten über die Chat-Funktionen ihrer Handelsterminals die Manipulation von Referenzzinssätzen und am Devisenmarkt abgesprochen. Die Chaträume dienen eigentlich dazu, dass Händler Wertpapier-Geschäfte einfacher und schneller anbahnen und abschließen können.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor berichtet, dass Deutschlands größtes Geldhaus als Vorsichtsmaßnahme noch vor den jüngsten Ermittlungen wegen Manipulationen im Handel mit Fremdwährungen interne Chats für Devisenhändler verboten habe. Den Angaben der Deutschen Bank zufolge umfasst das Verbot aber die externe Kommunikation, etwa mit Kunden oder Händlern anderer Banken.

Neben der Deutschen Bank erwägen auch andere Großbanken, ihren Händlern die Nutzung von Chaträumen zu verbieten oder haben dies bereits getan. Die Investmentbankensparte der UBS hatte ihren Mitarbeitern Ende November mitgeteilt, dass die Benutzung von Multi-Bank-Chaträumen und von sozialen Chaträumen verboten wird. Die Großbanken JP Morgan Chase und Royal Bank of Scotland Group (RBS) erwägen Medienberichten zufolge ähnliche Schritte.

Im Laufe des heutigen Tages will die EU-Kommission die Höhe der Strafen im Libor-Skandal veröffentlichen, darunter auch die Buße der Deutschen Bank.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

Kommentare zu " Manipulationsskandale: Deutsche Bank verbietet Händlern den Chat"

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  • Das Bankenoligopol ist organisierte Kriminalität und genauso muss es bekämpft werden. Auch sollten die die Vorstände (oder Paten) für die schmutzigen Machenschaften haftbar gemacht werden. Das deligieren von Verantwortung sollte nicht möglich sein.

  • Ist es nicht auch so, dass auf Grund der Zeitverschiebungen viele Absprachen bereits ausserhalb der Geschäftsräume erfolgen ? Der Arbeitgeber stellt die Kommunikationsmittel zur Verfügung. Arbeitgeber erwartet Home-Office. Absolut nicht zu kontrollieren.

  • Der DB geht's doch gar nicht darum, solche Absprachen zu unterbinden. Sie will vielmehr verhindern, dass diese Absprachen irgendwo dokumentiert werden. Und (Bloomber-?) Chatrooms werden aufgezeichnet (genauso wie Händlertelefone). Aus genau diesem Grund dürfte die DB en Löwenanteil der Strafe zu tragen haben - und genau das soll zukünftig nicht mehr passieren. Also, Ihr schlauen Händler-Jungs, nutzt Eure Mobiltelefone. Die überwacht nur die NSA, nicht aber die BaFin oder eine europäische Bankenaufsicht.

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