Manipulationsverdacht
Devisenhändler klagt gegen Entlassung bei der Commerzbank

Die Commerzbank hat einen ihrer Händler wegen angeblicher Wechselkurs-Manipulationen entlassen, doch der wehrt sich vor Gericht. Sein Argument: Die Praktiken seien weit verbreitet. Der Betriebsrat steht auf seiner Seite.
  • 1

FrankfurtEin wegen angeblicher Manipulationen entlassener Devisenhändler der Commerzbank wehrt sich vor dem Arbeitsgericht Frankfurt gegen seine Kündigung. Die Praktiken, die die Bank zum Anlass für die Entlassung genommen hatte, seien weit verbreitet, sagte der Anwalt des Händlers in der Verhandlung am Mittwoch. Der Mann arbeitet seit 20 Jahren bei der Commerzbank und klagt auf Wiedereinstellung. Auch der Betriebsrat stellte sich hinter den ehemaligen Mitarbeiter. Die Arbeitnehmervertretung habe der Kündigung unter anderem deshalb widersprochen, weil ein Geschäft wie das inkriminierte gang und gäbe sei, sagte der Richter. Ein Manipulationsversuch sei nach Einschätzung des Betriebsrats nicht ersichtlich.

Die Bank hatte den Frankfurter Händler und später auch einen Kollegen in London entlassen und ihnen vorgeworfen, sie hätten versucht, den Wechselkurs des polnischen Zloty zu manipulieren. Ermittlungsbehörden in aller Welt gehen derzeit Vorwürfen nach, wonach Händler jahrelang versucht haben, Wechselkurse zu Lasten ihrer Kunden zu manipulieren. Viele Banken sind deshalb besonders alarmiert.

Die Händler sollten im Januar im Auftrag des schwedischen Möbelriesen Ikea Zloty im Wert von 500 Millionen Euro kaufen. Normalerweise geschieht das in kleinen Tranchen, um hohe Preisausschläge zu verhindern. Folgerichtig stückelten sie die Summe auch. Für einen kleinen Teil davon verabredeten sie sich aber, "eine Menge Lärm" zu machen, um den Preis nach oben zu treiben, wie aus einem aufgezeichneten Telefongespräch und E-Mails hervorgeht, die als Beweismittel vor Gericht eingebracht wurden. Daraufhin stoppte die interne Handelsüberwachung der Bank den Handel. Für Ikea wäre die Transaktion auf diese Weise teurer geworden, sagte der Anwalt der Commerzbank. Die Händler und der zuständige Mitarbeiter von Ikea hätten damit aber ihre Fähigkeiten zur Ausführung eines großen Handels zeigen können.

"Die Ausführungen solcher Trades waren bis heute normal und wurden hundertfach durchgeführt", bestätigte ein Vertreter des Betriebsrats im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gibt keine Anweisungen vom Management, solche Trades nicht zu tätigen." Der Händler habe nichts Unrechtes getan. Die Commerzbank verwies dagegen auf ihre internen Vorschriften, bei denen sie eine "Null-Toleranz-Politik" verfolge. "Daher hat die Commerzbank sofort gehandelt und eine Kündigung eingeleitet, sobald Vorbereitungen zu einem Verstoß gegen Regelungen erkannt wurden", sagte ein Sprecherin.

Der Anwalt des Händlers sagte, die Transaktion sei ein Jahr zuvor auf die gleiche Weise abgewickelt worden - nach Angaben der Commerzbank allerdings über eine andere Bank. Auch der Vorsitzende Richter sagte, es habe sich wohl nicht nur um einen "einmaligen Ausrutscher" gehandelt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Manipulationsverdacht: Devisenhändler klagt gegen Entlassung bei der Commerzbank"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • M.E. Ein klares Yorganisationsverschulden, wenn der Vorstand zwar Regeln erlässt sich aber von deren Durchsetzung nicht überzeugt.

    Ein klarer Fall für den Rausschmiss des Vorstands.

    Was sagt denn die BaFin dazu? Das muss sie über die lange Zeit doch auch mitbekommen haben. Oder hat sie wieder einmal von nichts gewusst?

    Es kann nicht nur um die "Kleinen" gehen, es müssen auch einmal "die Großen" zur Verantwortung gezogen werden. Es kann nicht angehen, dass die "Großen" für die ständig steigenden Budgetvorgaben zuständig sind und die "Kleinen" für deren Erfüllung - wie auch immer verantwortlich sind.

    Es ist gut, dass dies endlich einmal vor einen Richter kommt.

    Ein Frankfurter Richter hat hoffentlich mehr in der Hose als hanseatische Richter. Es muss einfach mal geklärt werden, ob der der verantwortlich ist auch zuständig ist und der der zuständig ist auch verantwortlich. Daraus sollte auch eine gerechte Bezahlung abgeleitet werden.

    Damit meine ich, dass der, der nicht verantwortlich ist auch keinen Anspruch auf Bonus haben kann!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%