Manipulierte Zinsen
Rabobank-Chef tritt nach Libor-Strafzahlung zurück

Rund 30 Angestellte der Rabobank waren in den Libor-Skandal verwickelt. Nun zieht das Unternehmen einen Schlussstrich unter seine Verwicklung – und zahlt 774 Millionen Euro. Auch Firmenchef Moerland zieht Konsequenzen.
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AmsterdamDer Chef der niederländischen Rabobank, Piet Moerland, räumt wegen des Libor-Skandals um manipulierte Zinssätze seinen Posten. Moerland sei mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, teilte die Bank am Dienstag in Utrecht mit. „Im Namen der Bank und des Vorstandes will ich ein glasklares Signal abgeben: das aufrechte Bedauern und die scharfe Missbilligung des unangebrachten Verhaltens“, erklärte Moerland. Er war seit 2009 Chef der Bank. Seine Aufgaben nimmt vorläufig Rinus Minderhoud aus dem Aufsichtsrat wahr.

Die Bank gab bekannt, dass sie im Zusammenhang mit dem Skandal 774 Millionen Euro Buße bezahlen werde. Das Institut traf mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC. Das Institut mit mehr als 60.000 Mitarbeitern in 42 Ländern hatte dafür bereits Geld zurückgelegt.

Für die 1898 gegründete Genossenschaftsbank ist es die höchste Strafe ihrer Geschichte. Nach Mitteilung der Bank war die Führung des Geldhauses „nicht an unlässigem Verhalten beteiligt“ und wusste auch nicht davon.

Der Bank zufolge waren 30 Mitarbeiter direkt oder indirekt an den Manipulationen beteiligt. Die Hauptverantwortlichen seien entlassen worden, andere hätten Abmahnungen erhalten oder wurden von Leitungsaufgaben abgezogen. Insgesamt forderte die Bank 4,4 Millionen Euro an Boni aus der Periode 2009 bis 2012 zurück.

Infografik

Das Libor -System

Wie die Händler den Zinsensatz manipuliert haben sollen
( mit der Maus über die Grafik fahren)

Libor-System
Externe Broker-Firmen

Auch externe Broker Firmen lieferten dem Banken-Panel Informationen.
Laut UBS hat Hayes auch mit Mitarbeitern dieser Firmen zusammen gearbeitet.

Thomas Hayes

  • 2006-2009 bei der UBS
  • 2009-2010 bei der Citigroup

Banken

Die UBS hat den Regulierungsbehörden mitgeteilt, dass Hayes eng mit Händlern mehrerer Banken zusammengearbeitet hat, um den Libor zu beeinflussen.

Dollar-Libor-Panel

Der Dollar-Libor wird von einem Panel von 16 Banken ermittelt. Händler von 6 dieser Banken sollen bei den Libor-Manipulationen mitgewirkt haben.


Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem sprach von „schamlosem Betrug von Geldhändlern“. Die Libor-Affäre schade erneut dem Vertrauen in den finanziellen Sektor, sagte Dijsselbloem, der auch Euro-Gruppenchef ist. Die hohe Geldbuße sei gerechtfertigt.

Es ist die zweithöchste Vergleichszahlung, die bislang gegen eine Bank im Zusammenhang mit der Manipulation der Referenzzinssätze verhängt wurde. Weltweit gehen Aufsichtsbehörden dem Verdacht nach, dass Händler von gut einem Dutzend Banken Referenzzinsen wie den Libor oder den Euribor manipuliert haben. Bislang verhängten die Aufseher gegen die Banken Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS hohe Bußgelder. Die bisherige Rekordstrafe bekam die Schweizer Großbank UBS mit 1,5 Milliarden US-Dollar aufgebrummt. Bei Barclays räumte der damalige Chef Bob Diamond seinen Platz.

Gegen zahlreiche weitere Institute laufen noch Ermittlungen, darunter auch gegen die Deutsche Bank. Dass einzelne Deutsche-Bank-Mitarbeiter an den Tricksereien beteiligt waren, bestreitet die Bank nicht. Sie betont aber, dass das Top-Management nicht in die Vorgänge verwickelt war.

Der täglich in London festgestellte Libor-Satz gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er wird bislang aus den wenig kontrollierten Eingaben von einigen Kreditinstituten gebildet. Schon winzige Veränderungen können dabei große Wirkungen haben, denn der Libor wird als Grundlage für eine große Zahl an Finanzgeschäften herangezogen. Sie reichen von Krediten für Häuslebauer bis hin zu komplexen Derivategeschäften.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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