Marktmanipulationen
Italiens Behörden ermitteln gegen Deutsche Bank

Die Deutsche Bank soll beim Verkauf italienischer Staatsanleihen die Märkte manipuliert haben. Nun ermittelt der umtriebige Staatsanwalt Michele Ruggiero gegen die Frankfurter. Mit mächtigen Gegnern hat er Erfahrung.

FrankfurtAngst vor großen Namen hat Michele Ruggiero ganz sicher nicht. Der süditalienische Staatsanwalt aus dem eher verschlafenen Hafenstädtchen Trani hat sich einen Namen mit spektakulären Ermittlungen und Anklagen gegen ebenso prominente wie große Spieler der Finanzwelt gemacht. Gerade läuft in Trani ein Prozess gegen sieben Manager der Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch. Die Angeklagten sollen in den Krisenjahren 2011 und 2012 versucht haben, Italiens Ansehen, Prestige und Kreditwürdigkeit zu destabilisieren, so der Vorwurf der Staatsanwälte. Aber auch vor den heimischen Banken macht Ruggiero nicht halt: 2014 leitete er Ermittlungen gegen 62 Manager wegen Zinswucher ein.

Jetzt hat sich Ruggiero die Deutsche Bank vorgeknöpft. Der Staatsanwalt ermittelt wegen Marktmanipulation gegen das Frankfurter Geldhaus und fünf aktuelle und ehemalige Top-Manager. Dabei geht es um den Verkauf von Staatspapieren im Wert von sieben Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2011, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Freitag. Ruggiero wirft der Deutschen Bank vor, dass sie öffentlich versichert hat, dass die italienischen Staatsschulden stabil seien, gleichzeitig aber den Märkten und dem Finanzministerium in Rom verschwiegen habe, dass sie ihre eigenen Bestände an Staatsanleihen innerhalb kürzester Zeit drastisch abbauen werde.
Die Ermittlungen richten sich gegen Co-Bankchef Jürgen Fitschen, den früheren Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann, den Ex-Risikochef Hugo Bänziger, den ehemaligen Co-Chef Anshu Jain und den ehemaligen Deutsche-Bank-Finanzchef Stefan Krause. Die Ermittler in Trani ließen am Mailänder Sitz der Deutschen Bank Dokumente beschlagnahmen. Zeugen wurden befragt, darunter auch Verwaltungsratspräsident der Deutsche Bank Italia, Flavio Valeri, gegen den keine Ermittlungen laufen. Das Frankfurter Geldhaus teilte mit, dass es mit den Behörden kooperiere. Bereits 2011 habe die Bank der italienischen Wertpapieraufsicht Consob auf eine ähnliche Anfrage Auskünfte und entsprechende Unterlagen zur Verfügung gestellt.

Das Krisenjahr 2011 ist für Italien ein Trauma, das Politik, Medien und Öffentlichkeit noch immer verarbeiten. An Verschwörungstheorien herrscht kein Mangel, eine der beliebtesten: Die deutsche Regierung soll zusammen mit der Europäischen Zentralbank die Finanzkrise bewusst forciert haben, um den damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zu stürzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%