Marode Geldhäuser
Vier Wege zur griechischen Banken-Rettung

Bis zum Start des dritten Hilfspakets hängen die griechischen Banken an den Notkrediten der EZB. Damit weiter Geld fließt, sollen die Banken ihr Eigenkapitalpolster stärken. Ein Think Tank überlegt, wie das gehen könnte.
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DüsseldorfDie internationalen Gläubiger können fürs erste aufatmen: Sofern das griechische Parlament schnell Reformen umsetzt, könnte innerhalb der nächsten vier Wochen erstes Geld aus dem 85-Milliarden-Euro starken dritten Hilfsprogramm nach Griechenland fließen, ein „Grexit“ wäre abgewendet. Allein: Den Banken des Landes nützt diese Aussicht auf finanzielle Hilfen erst in einem Monat kaum.

Denn ihnen mangelt es bereits jetzt akut an Geld. Seit Wochen sind die Banken geschlossen und – abweichend von Aussagen des griechischen Wirtschaftsministers Giorgos Stathakis – gehen Notenbanker davon aus, dass sie auch noch weit über die laufende Woche hinaus geschlossen bleiben.

Derzeit halten sich die Institute nur mit Ela-Hilfskrediten der griechischen Notenbank über Wasser. Doch diese hat die EZB eingefroren. Der Rahmen dürfte erst dann erhöht werden, wenn sich die griechischen Banken einem „finanziellen Gesundheitscheck“ unterziehen – und eine Rekapitalisierung vorantreiben, erfuhr das Handelsblatt aus Bankenkreisen. Der Mindestkapitalbedarf der Banken wird auf gut 15 Milliarden Euro veranschlagt.

Doch wie genau sollte eine solche Rekapitalisierung funktionieren? Der Brüsseler Think Tank Bruegel hat jetzt vier Szenarien durchgespielt, wie griechische Banken ihre Eigenkapitalquoten nach oben schrauben könnten. Es gibt vier große Banken im Land: National Bank of Greece, Alpha Bank, Piraeus Bank und Eurobank.

Die erste Möglichkeit (ohne Finanzmittel von außen): Private Gläubiger verzichten auf sehr viel Geld. Bruegel rechnet vor, dass die Rekapitalisierung dann glücken könnte, wenn Gläubiger auf die Rückzahlung sämtlicher von den größten Banken des Landes ausgegebenen Anleihen verzichten würde, die nicht staatlich garantiert sind.

Darüber hinaus müssten die Banken gleichzeitig zwischen sieben und 38 Prozent der ungesicherten Spareinlagen einbehalten und dieses Geld dem Eigenkapital zuschlagen. Bis einer Höhe von 100.000 Euro sind Einlagen gesetzlich gesichert, darüber hinaus könnten Sparer relativ leicht mit zur Kasse gebeten werden.

Sollten den Banken künftig anfallende Steuerlasten erlassen werden – darüber wird auch diskutiert – müssten etwa die Geldhäuser Piraeus Bank und Eurobank immer noch elf Prozent der ungesicherten Einlagen abgreifen.

Kommentare zu " Marode Geldhäuser: Vier Wege zur griechischen Banken-Rettung"

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  • Natürlich hat der IWF durchaus recht mit der Notwendigkeit einer wie auch immer gearteten Schuldenreduzierung. Dies setzt aber voraus, dass enrtweder ein bedingungsloser Grexit stattfindet und die Griechen dann ihre Probleme wie auch immer autonom regeln, ohne weitere Subventionen aus dem Euroraum, oder die EZ bekommt das Recht entsprechende Verwaltungsstrukturen aufzubauen und zu kontrollieren, die wirksam Korruption bekämpfen, für eine funktionierende soziale Marktwirtschaft und ein regelhaftes Steueraufkommen sorgen, was aber sicherlich als Kolonialverwaltung empfunden werden könnte. Allen Gutmenschen zum trotz, die Menschen der Eurozone außerhalb Griechenland haben weder die griechischen Resierungen gewählt, noch sich mit der Korruptionsgesellschaft arrangiert, insoweit ist nicht erkennbar, weshalb Linke und Grüne den moralischen Anspruch erheben, sie zur Kasse zu bitten. Es ist nämlich nichts anderes als eine Übertragung der moralisch suspekten Bankenrettung auf ein ganzes Land. daher sind Linke und Grüne de facto Helfer und Unterstützer der internationalen Spekulanten. Aufgrund dieser Haltung müsste man sie eigentlich zwingen, nachzuweisen, von welchen großen Stiftungen sie oder ihnen nahestehende Organisationen Geld bekommen. Aus dem gleichen Grund wären auch NGOs kritischer zu betrachten.

  • Jeder zusätzliche Euro den GR an Kredit bekommt ist auch "weg" wie die vielen Milliarden davor!

    Die Banken haben schlichtweg Pech! Sie haben der Regierung Kredite geben müssen (!!!) und dafür Staatsanleihen erhalten. Diese Staatsanleihen sind nun wertlos und die Banken damit pleite! Somit verlieren auch die kleinen Sparer ihr Geld. Letztendlich bezahlen also auch die kleinen Sparer dafür, dass die Regierung Ihre Schulden nicht mehr bezahlen kann.

    Hätten die Banken der Regierung keine Kredite mehr gegeben bzw. keine Staatsanleihen gekauft, wäre GR früher pleite gewesen, dafür die kleinen Sparer auf der sicheren Seite. Doch welche Bank hätte dem politischen Druck widerstehen können und keine Anleihen des eigenen Staats gekauft? Das wäre der berufliche Selbstmord eines jeden Bankers gewesen.

  • Ein Anfang für die Bankenrettung wäre sicher, wenn die Griechen die 100+ Milliarden, die sie von den Banken abgezogen haben, dort wieder einzahlen.

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