Medienbericht
Deutsche Bank streicht Stellen in Deutschland

Nicht nur im Ausland soll gespart werden: Über 500 Stellen sollen laut einem Medienbericht in Deutschland dem Rotstift zum Opfer fallen, nachgelagerte Dienstleistungen zusammengelegt werden - doch die Bank dementiert.
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Frankfurt/MainBei der Deutschen Bank könnten einem Zeitungsbericht zufolge tausende Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Entgegen den Erwartungen setzten die beiden neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen den Rotstift beim Personal nicht vorrangig im Ausland, sondern auch am Heimatmarkt an, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" vorab unter Berufung auf bankinterne Unterlagen.

Das Geldhaus dementiert jedoch und weist den Medienbericht am Freitag zurück. "Es gibt keine Abbaupläne, die über die Größenordnung hinausgehen, über die schon länger mit dem Betriebsrat verhandelt wird", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Freitag. Dabei geht es nach früheren Informationen um gut 500 Mitarbeiter.

Der Sprecher wies damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zurück. Dem Zeitungsbericht zufolge wollen die neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen tausende Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. So sollten in einem ersten Schritt in den Zentralen der Tochter Postbank in Bonn und der Deutschen Bank in Frankfurt 543 Stellen wegfallen.

In Kürze sollen Verhandlungen mit dem Betriebsrat über den Abbau der Stellen in den Zentralen der beiden Institute starten, wie mehrere Insider sagten. Dabei gehe es um die Zusammenlegung gleicher Funktionen. Daneben gebe es mehrere ähnliche Service-Gesellschaften bei beiden Häusern, in die in der Vergangenheit kundenferne Abwicklungstätigkeiten ausgelagert worden sind. "Wenn es hier zu einer Zusammenlegung kommt, drohen empfindliche Kürzungen", sagt ein Bankinsider.

Betroffen seien unter anderem die Abteilungen Finanzen, Risiko, Controlling, Personalabteilung, Treasury, Volkswirtschaftliche Analyse und die Rechtsabteilung. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Teilinteressensausgleich seien bereits aufgenommen worden. Zudem sei unter anderem ein Umbau im Privatkundenbereich geplant, bei dem mittelfristig alle nachgelagerten Dienstleistungen der verschiedenen Marken Postbank, Norisbank und Deutsche Bank zusammengelegt würden.

Insgesamt könnten durch die Maßnahmen mehrere tausend Stellen eingespart werden, berichtete die Zeitung. Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte der Zeitung nach deren Angaben, dass die nachgelagerten Dienstleistungen in einer neuen Einheit gebündelt werden sollen. "Ein Stellenabbau über das hinaus, was mit Arbeitnehmervertretern bereits vereinbart wurde, ist derzeit nicht geplant", zitiert die SZ den Sprecher.

Die neuen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen haben zuletzt signalisiert, dass die konzernweiten Stellenstreichungen wohl über die angekündigten 1900 hinausgehen werden. 1500 davon sollen allein im Investmentbanking wegfallen, sprich vor allem im Ausland. In den nächsten Monaten müssen aber alle Ressorts angesichts trüber Ertragsaussichten im Zuge der Staatsschuldenkrise und stärkerer Regulierung Einsparpotenzial identifizieren. "Die Chefs haben das Sparziel vorgegeben, die konkreten Programme folgen jetzt erst", sagt ein Banker. Daher gebe es jetzt noch keine genauen Zahlen.

Neben der Deutschen Bank müssen sich wohl auch die Mitarbeiter der Commerzbank in Deutschland auf Kürzungen einstellen. Vorstandschef Martin Blessing hat das Privatkundengeschäft als größte Baustelle ausgemacht. Ein Stellenabbau unter den 16.500 Mitarbeitern dieses Bereichs und die Schließung von Filialen gelten als sehr wahrscheinlich. Konkretes ist hier aber auch noch nichts bekannt. Am 8. November will Blessing seine neue Strategie vorstellen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Sie freuen sich auf die Vernichtung ihres Vermögens??? Darauf freut man sich nur als (diesmal nicht sexuell motivierter) Masochist. Finden sie es gut, dass Menschen ein Leben lang arbeiten, nur um dann um die Früchte ihrer Arbeit betrogen zu werden? Ich freue mich nicht darauf.

    Zur Bad Bank: Ja, "man" macht da eine Bad Bank, damit "man" die Geschäfte, die in die Grütze gingen, nicht mehr ausweisen muss. Gelernt habe ich da mal was Anderes: Wer unternehmerisch tätig ist, muss ausweisen welche Gewinne und Verluste er macht und steht dann für seine Taten auch ein. Er trägt Verantwortung! Eine Bad Bank ist genau das Gegenteil.

    Sie reden einer organisierten Verantwortungslosigkeit das Wort. Den Mist soll nicht die Deutsche Bank ausbaden, sondern irgendwann der Steuerzahler, der nicht merkt wie ihm geschieht. Auch hier geht mir jeglicher Masochismus ab. Ich ticke anders! Wer etwas verursacht, soll dafür gerade stehen.

    Andernfalls kann ich gleich die gesamte Justiz in Urlaub schicken, denn jeder gewöhnliche Verbrecher hat dann einen Anspruch auf einen "Bad Container" (gleiches Recht für alle). Wird er dann angeklagt sagt er nur: Herr Richter, über diesen Vorwurf können wir nun nicht verhandeln. Der Bad Container hat die Verantwortung dafür übernommen.

    Ich hoffe, lieber melitaz, sie wachen eines Tages auf! Beste Grüße von Vir Cotto.

  • @ vir_cotto: Auch ohne die Prognose der Deutschen Bank wird die Inflation irgendwann kommen! Eigentlich sollten wir uns darauf freuen, denn die Vermögensvernichtung hat doch bereits begonnen! 2% Inflation, bei 2% Zinsen abzüglich der Abgeltungssteuer auf diese "Scheingewinne" sind der Beginn der Enteignung. Zu Ihren weiteren Ausführungen. Lt. Finanzvorstand ist die Bad Bank lediglich die Auslagerung von Werten die nicht mehr zum fortzuführenden Geschäftsbereich gehören, u.a. auch die BHF-Bank. Man kann der DB kaum einen Vorwurf daraus machen, dass sie versucht ihre Interessen zu wahren.
    Jedes verantwortungsvolle Unternehmen ist darauf bedacht, dass Regulierung und Unternehmensziele möglichst konfliktlos realisiert werden. Da aber die Deutsche Bank z.Zt. von allen Seiten unter Dauerfeuer steht, versucht sie zu retten, was zu retten ist. In einem Punkt bin ich mir allerdings sicher, die Deutsche Bank wird sicher alles tun, um nicht unter staatlichen Einfluss zu geraten.
    Dass sie andererseits eine implizierte Staatsgerantie erhält, kann man der Bank nicht zum Vorwurf machen!

  • wenn sie denken, alles sei nur "Bashing", dann liegen sie nicht richtig. Warum unterstützt die Deutsche Bank indirekt Draghi, indem sie der Inflation das Wort redet? Warum gründet die Deutsche Bank eine "Bad Bank" (ist eine Bad Bank ein Anfang für das Vertrauen in der Werbung)? Warum wird Fitschen oberster Lobbyist der Bankenbranche? Haftungsunion für unsere Sparbücher? Alles Themen, die speziell auch diese Bank betreffen. Dazu mehr unter www.fortunanetz.de ... bin da drauf gestoßen. Ist die Kritik nicht doch berechtigt????

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