Medienbericht
Fahnder durchsuchen HSH Nordbank

Ein Windpark in Italien diente der Mafia zur Geldwäsche. Deutsche Geschäftsleute halfen dabei. Die HSH Nordbank finanzierte den Park. Nun durchsuchen Polizisten Geschäftsräume der Bank – und eines Windanlagenbauers.
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HamburgSeit den frühen Morgenstunden durchsuchen rund 200 Polizeibeamte die Geschäftsräume der HSH Nordbank in Hamburg und Kiel. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Beteiligt sind Beamte des Bundeskriminalamtes, der Landeskriminalämter Bayern und Niedersachsen sowie die Zentrale Polizeidirektion Hannover. Auch Wohnräume und Büros von drei verdächtigen Geschäftsleuten stehen im Visier der Fahnder. Geschäftsräume des Windanlagenherstellers Enercon in Aurich wurden ebenfalls durchsucht.

Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit einem von der HSH Nordbank finanzierten Windparkprojekt in Italien, das die Mafia dem „Spiegel“-Bericht zufolge zur Geldwäsche genutzt haben soll. Der Windpark Capo Rizzuto in Kalabrien ist einer der größten Europas. Die Anlage dreier deutscher Geschäftsmänner soll laut dem Bericht vor allem dazu gedient haben, schmutzige Gelder aus Drogenhandel und Erpressung der süditalienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta zu waschen. Die angeschlagene Landesbank stellte eine Kreditsumme von 225 Millionen Euro bereit, deren Tilgung nebst Zinsen bis zur Beschlagnahme fristgerecht bedient worden sein soll.

Bei den Ermittlungen gehe es um den Verdacht der Geldwäsche und Unterstützung einer kriminellen Vereinigung, sagte der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer. Die HSH Nordbank Institut selbst oder Mitarbeiter seien nicht Ziel der Untersuchungen, sagte ein Sprecher der HSH Nordbank der Nachrichtenagentur Reuters. Die Landesbank kooperiere mit den Behörden.

Die Durchsuchungen dienten der Beweissicherung. Betroffen waren 20 Objekte in Bayern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Aufgrund der internationalen Verbindungen gebe es außerdem auch Razzien in Österreich. Die Ermittlungen gegen die Geschäftsleute liefen seit Februar. Die 'Ndrangheta ist eine der vier großen italienischen Mafiaorganisationen. Sie besteht aus verschworenen Familien-Clans, die vom süditalienischen Kalabrien aus operieren.

Einer der Beschuldigten ist ein Geschäftsmann und Anwalt aus dem bayerischen Rosenheim, der mit mutmaßlichen Mitgliedern eines der 'Ndrangheta-Clans in Kontakt stand. Er soll sich mit weiteren Partnern zusammengetan haben, um den Windpark mit einer eigenen Firma als Generalunternehmer zu bauen und zu verkaufen. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück arbeite eng mit den italienischen Behörden zusammenarbeitet, sagte Retemeyer.

Vor über einem Jahr hatte die Staatsanwaltschaft im italienischen Catanzaro die Anlagen des Windparks beschlagnahmt. „Mit jeder Drehung der Rotoren, so der Verdacht, werde schmutziges Geld der Mafia in saubere Gewinne aus Öko-Energie verwandelt“, schreibt das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner aktuelle Ausgabe. Das Projekt sei nach den damaligen, für alle Institute verbindlichen Richtlinien geprüft worden, zitiert „Der Spiegel“ einen für Sanierung zuständigen HSH-Nordbank-Manager.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Medienbericht: Fahnder durchsuchen HSH Nordbank"

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  • Dürfen die Fahnder dies überhaupt? Hat Frau Merkel noch nicht protestiert? Sie kennt doch sonst nur Banker!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Sie Trottel, das ist ein Marienstern

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