Medienbericht
Schlappe für Deutsche Bank im Kirch-Streit

Im Streit mit den Erben des Medienmagnaten Leo Kirch muss die Deutsche Bank offenbar eine Niederlage einstecken. Die Justiz gewährte einem Medienbericht zufolge den Kirch-Anwälten Einblick in Ermittlungsakten.
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MünchenDie Deutsche Bank hat im Streit mit den Erben des Medienmagnaten Leo Kirch nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) eine weitere Niederlage erlitten. Die Justiz habe den Kirch-Anwälten umfassenden Einblick in Ermittlungsakten gewährt, heißt es in dem Bericht. Den Kirch-Erben könnte das helfen, Schadenersatz in Milliardenhöhe durchzusetzen.

Der damalige Vorstandssprecher der Deutsche Bank, Rolf Breuer, hatte 2002 in einem Fernsehinterview Zweifel an der Bonität von Kirchs Unternehmen geäußert. Kurz danach brach das Medienimperium zusammen. Kirch warf der Deutschen Bank vor, seinen Konzern damit in den Ruin gerichtet zu haben. Die Bank weist das zurück.

Die Kirch-Kanzlei Bub, Gauweiler und Partner in München habe am Freitag zahlreiche Akten der Münchner Staatsanwaltschaft erhalten, die aufschlussreiche Dokumente aus Deutschen Bank zu diesem Fall enthalten würden, schreibt die SZ. Die Unterlagen seien bei Durchsuchungen beschlagnahmt worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, sowie gegen seine beiden Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer und zwei weitere Ex-Manager wegen versuchtem Prozessbetrug. Die Beschuldigten weisen den Verdacht zurück.

Kirchs Erben hatten als mutmaßlich Geschädigte schon vor längerem Einsicht in die Strafakten gefordert. Das Geldinstitut wehrte sich und legte Widerspruch beim Münchner Amtsgericht ein. Doch das wies nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Beschwerde nunmehr zurück und machte so den Weg frei für die Akteneinsicht. Die Kanzlei wollte sich der SZ zufolge dazu nicht äußern.

Die Kirch-Anwälte werden der SZ zufolge jene Akten, die ihre Schadensersatzforderungen stützen könnten, schnell dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe vorlegen. Der BGH entscheidet im nächsten Jahr, ob ein Urteil des Oberlandesgerichts München von Ende 2012 gegen die Bank Bestand hat. Die Münchener Richter hatten das Geldinstitut grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Über die Höhe wird noch entschieden. Die Deutsche Bank will das Urteil beim Bundesgerichtshof aber abwehren.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

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