Medienbericht
UBS-Spitze streitet über schärferen Sparkurs

Topmanager des Geldhauses UBS sind sich offenbar uneins über die geplanten Sparmaßnahmen. Insider berichten von einem weit größeren Stellenabbau als erwartet, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
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ZürichGrabenkämpfe im UBS-Top Management erschweren es Konzernchef Sergio Ermotti laut Insidern, einen verschärften Sparkurs insbesondere im Investmentbanking durchzusetzen. Bankkreisen zufolge könnte das größte Geldhaus der Schweiz vor einem Abbau von weit mehr als den bisher angekündigten 3500 Stellen stehen.

Vor diesem Schritt bemüht sich Ermotti, dessen Führungsstil weit mehr auf Kooperation angelegt ist als das bei seinem kämpferischen Vorgänger Oswald Grübel der Fall war, die Führungsmannschaft der größten Schweizer Bank hinter sich zu scharen. „Ermotti hat seine Macht noch nicht konsolidiert und er ist von seinem Naturell her viel mehr auf Zusammenarbeit ausgerichtet als Grübel das war. Das hat zwangsläufig zu internen Grabenkämpfen geführt“, sagt ein Spitzenbanker der UBS.

Während Ermotti seit der Übernahme des Ruders vor rund einem Jahr außerhalb der Bank kaum in Erscheinung getreten ist, verhält es sich beim neuen Verwaltungsratspräsidenten Axel Weber genau umgekehrt. Während er sich in der Öffentlichkeit öfter zur Eurokrise äußert, wird er intern für seine mangelnde Präsenz kritisiert - und das zu einer Zeit, in der sich Spitzenbanker über den strategischen Kurs in den Haaren liegen. „Das Top Management ist überhaupt nicht geeint, und das ist jetzt die große Herausforderung für Weber und Ermotti“, sagt ein ranghoher UBS-Banker.

Verschiedenen Quellen zufolge kommt Kritik an Ermotti von Jürg Zeltner, dem Chef der Private Banking, der im vergangenen Herbst ebenfalls Interesse zeigte, Grübels Nachfolger zu werden. Auch Schweiz-Chef Lukas Gähwiler zähle zur Gruppe der Ermotti-Kritiker, heißt es. Die beiden stemmten sich zwar nicht gegen einschneidendere Kostensenkungsmaßnahmen, bei Einzelheiten liegen sie sich aber untereinander und auch mit Ermotti in den Haaren.

Insbesondere Plänen für eine weitergehende Zentralisierung, die die Macht der Divisionschefs einschränken würde, stehen sie ablehnend gegenüber. „Es stimmt, dass Sergio für Verärgerung gesorgt hat, insbesondere bei Leuten, die eine Beschneidung ihrer kleinen Reiche befürchten“, sagt der ranghohe UBS-Banker. Weder Zeltner, Gähwiler, Ermotti noch Weber wollten sich äußern.

Analysten gehen davon aus, dass die UBS schon bei der Ende Oktober anstehenden Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal weitere Kostensenkungsmaßnahmen ankündigen könnte. Handlungsbedarf hat auch der Abschluss des zweiten Quartals offenbart. Mit einem Einbruch um mehr als die Hälfte auf 425 Millionen Franken verfehlte der Reingewinn die Markterwartungen deutlich. Insbesondere im Investmentbanking lief es schlecht.

Die letzten Äußerungen Ermottis lassen denn auch auf einen weiteren Aderlass schließen. „Ich will niemanden auf bessere Zeiten vertrösten, sondern das Geschäftsmodell an die neue Realität anpassen“, sagte der Manager der Zeitung „Finanz und Wirtschaft“ Mitte September. „Die Aufgabe besteht darin, das Geschäftsmodell so auszurichten, dass die angestrebten zwölf bis 17 Prozent Eigenkapitalrendite zustande kommen.“ In der ersten Jahreshälfte lag die Eigenkapitalrendite bei lediglich 4,7 Prozent.

Der derzeit laufende Prozess gegen den früheren UBS-Händler Kweku Adoboli, der der Bank 2011 mit unzulässigen Geschäften einen Milliarden-Verlust eingebrockt hatte, scheint Ermottis Bemühungen zur Zähmung der Investmentbank recht zu geben. „Ermotti hat es geschafft, die Bank nach den Turbulenzen rund um den Handelsskandal in ruhigere Gewässer zu steuern, aber Tatsache ist, dass das Kostenproblem bleibt“, fasst ein externer UBS-Berater zusammen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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