Megafusion Großbank Intesa plant Übernahme von Generali

Gerüchte über die Zukunft des italienischen Versicherungskonzerns Generali unter dem Dach der Bank Intesa scheinen sich zu bewahrheiten. Das eröffnet auch dem deutschen Branchenriesen Allianz neue Chancen.
Update: 25.01.2017 - 11:20 Uhr 3 Kommentare
Der Versicherer könnte bald zur Bank Intesa gehören. Quelle: Reuters
Generali-Logo in Mailand

Der Versicherer könnte bald zur Bank Intesa gehören.

(Foto: Reuters)

MailandSpekulationen beflügeln die Börse in Mailand: Auch am dritten Tag in Folge hielt der Höhenflug von Generali am Mittwoch an. Die Gerüchte um eine Übernahme des italienischen Versicherers durch die Großbank Intesa Sanpaolo steigerten das Interesse der Händler. Der Übernahmekampf ist nach tagelangen Spekulationen konkret geworden, seit Intesa Sanpaolo am Dienstagabend nach Börsenschluss mitteilte, man bewerte von Seiten des Managements „mögliche Zusammenschlüsse“ im Rahmen des Strategieplans 2014-2017. Erstmals war am Sonntag in einem Zeitungsbericht von einer möglichen Übernahme berichtet worden.          

Und in dem Zusammenhang kommt die Allianz ins Spiel, Marktführer in Europa und dreimal größer als Generali. Erst hieß es, Intesa und Allianz wollten gemeinsam den Versicherer aus Triest übernehmen. Dann kam die Spekulation auf, Intesa wolle nach einer erfolgreichen Übernahme Generali neu aufstellen, umbauen und Geschäftsfelder ins Ausland verkaufen, die für die Allianz interessant seien. Offizielle Bestätigungen dafür gab es in Italien nicht. Die einzige konkrete Äußerung ist die Mitteilung der Großbank.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Der Versicherer Generali, der an der Börse 22 Milliarden Euro wert ist, gilt seit Monaten als Übernahmekandidat. Immer wieder taucht die Spekulation auf, die französische Axa sei interessiert an dem italienischen Versicherer, dem größten des Landes. Seit vergangenem März steht an der Spitze von Generali der Franzose Philippe Donnet, der in der Vergangenheit bei Axa gearbeitet hat. In Italien wird der Vorstoß von Intesa Sanpaolo interpretiert als Versuch, einen Verkauf von Generali an Axa und damit einen weiteren „Ausverkauf“ italienischer Unternehmen zu verhindern. Erst im Dezember hatte der Versuch des französischen Medienunternehmens Vivendi, beim italienischen Mediaset einzusteigen, für Schlagzeilen gesorgt.    

Generali jedenfalls verteidigt sich. Am Montag nach Börsenschluss wurde bekannt, dass die Versicherung über eine Aktienleihe mit 3,01 Prozent bei Intesa Sanpalo eingestiegen ist. Damit erhöhen sich für Intesa die Hürden für eine Übernahme, denn nach italienischem Übernahmeregeln müsste Intesa ein Übernahmeangebot für mindestens 60 Prozent an Generali abgeben. Intesa überlege, den Aktionären von Generali eigene Aktien anzubieten, berichten Medien.

Der „Stellungskrieg“, wie die Medien titelten, geht nun in eine neue Runde: Am Donnerstag tritt der Verwaltungsrat von Generali zusammen. Marktgerüchten zufolge soll Finanzchef und Generaldirektor Alberto Minali abgesetzt werden. Er habe Differenzen mit CEO Donnet und sei gegen ein Abtreten der Versicherung. Und am Freitag tritt in Mailand der Verwaltungsrat von Intesa zusammen.

Die Börsenaufsicht Consob beobachtet die Manöver genau und hat Vertreter von Intesa, Generali und auch Unicredit einberufen. Nach Einschätzung eines Analysten könnte die Übernahme die Kartellwächter auf den Plan rufen. Auch in der Politik ist Generali ein Thema - der Versicherer 70 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen.

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3 Kommentare zu "Megafusion: Großbank Intesa plant Übernahme von Generali"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Prima, wieder sollen Unternehmenskulturen zerstört, Arbeitsplaätz vernichtet und Teile eines Versicherungskonzerns verkauft werden.

    Ausverkauf in der EU zum Schaden der Meisten und nur zum Nutzen von einigen Wenigen ...

  • Brauchen die keine Staatsknete, haben die noch Geld über für Mergers and Aquisitions?? Oder haben die die Staatsknete schon bekommen und übernehmen damit nun?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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