Mehrheitsbeteiligung
BNP Paribas kauft HVB die DAB ab

Erst vermeldet BNP Paribas einen Milliardenverlust, dann den Kauf der DAB Bank: Mit dem bisherigen Mehrheitseigner HVB sind sich die Franzosen einig geworden. Stimmen die Behörden zu, werden 354 Millionen Euro fällig.
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Düsseldorf, München, ParisDie DAB Bank dürfte in Kürze einen neuen Mehrheitseigner finden. Wie am Abend aus einer Pflichtmitteilung des Münchener Finanzinstituts hervorging, haben sich die französische Großbank BNP Paribas und der bisherige Inhaber, die Hypo-Vereinsbank (Unicredit Bank AG), auf einen Verkauf der DAB verständigt. 81,4 Prozent der Anteile sollen an die BNP gehen, die Zustimmung von Kartellbehörden und Bafin vorausgesetzt.

Als Preis pro Aktie stehen 4,78 Euro im Raum, was sich auf ein Gesamtvolumen von etwa 354 Millionen Euro summiert. Der DAB-Vorstand signalisierte seine Zustimmung. Wenn auch die Kartellbehörden das Vorhaben billigen, erhalten die Kleinaktionäre der DAB ein Übernahmeangebot. Insgesamt könnte der Zukauf BNP damit bis zu 435 Millionen Euro kosten. Der französische Konzern besitzt auch die Direktbank Cortal Consors.

DAB und Consors, jeweils vor 20 Jahren gegründet, waren die Pioniere im Online-Banking in Deutschland und profitierten vom Aktien-Boom um die Jahrtausendwende. Anders als die Rivalen ING-Diba und Comdirect konzentrierten sich beide immer auf private Aktienbroker.

Die Idee, die beiden Online-Banken zusammenzuschließen, ist laut dem früheren DAB-Chef und heutigen Fidor-Leiter Matthias Kröner nicht neu: Schon um die Jahrtausendwende hätten er und der damalige Cortal-Consors-Chef Karl Matthäus Schmidt darüber nachgedacht – das sei jedoch an den Anteilseignern gescheitert:

Consors und die etwas kleinere DAB kommen künftig zusammen auf 1,4 Millionen Kunden, wie BNP erklärte. Beide zusammen wickelten im ersten Halbjahr sechs Millionen Transaktionen ab. Zum Vergleich: Die Comdirect hat auf 1,85 Millionen Privatkunden. Die Standorte in Nürnberg und München sollen erhalten bleiben, das Firmenkunden- und Investmentbank-Geschäft von BNP sitzt in Frankfurt.

Im ersten Halbjahr hat die DAB Bank ihren Gewinn kräftig gesteigert. Das Vorsteuerergebnis kletterte um fast ein Drittel auf 12,5 Millionen Euro, wie der Online-Broker am Montag mitteilte. Dabei profitierte die DAB unter anderem davon, dass die Kunden wieder mehr handelten. Im Gesamtjahr peilt das Institut einen Gewinnanstieg um 20 Prozent an, nachdem 2013 gut 19 Millionen Euro zu Buche gestanden hatten.

Die französische Großbank BNP Paribas steckt aktuell tief in den roten Zahlen. Die Rekordstrafe wegen US-Sanktionsverstößen hat das Ergebnis belastet, unter dem Strich stand im zweiten Quartal ein Minus von 4,3 Milliarden Euro, wie Frankreichs größtes Geldhaus am Donnerstag mitteilte. Es ist der erste Quartalsverlust seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008.

BNP will das Thema nun aber abhaken und nach vorne schauen. Das Tagesgeschäft laufe solide, betonte Finanzchef Lars Machenil. „Die Kunden haben uns die Treue gehalten. Sie erkennen an, dass wir bedauern, was passiert ist.“ Die Bank habe aus ihren Fehlern gelernt und interne Kontrollen verschärft.

BNP hatte sich im Frühjahr schuldig bekannt, etwa zehn Jahre lang gegen US-Sanktionen gegen den Sudan, Kuba und den Iran verstoßen zu haben. Die Behörden brummten dem Institut eine Strafe von knapp neun Milliarden Dollar auf (rund sechs Milliarden Euro) – die bislang höchste für eine europäische Bank überhaupt. Die wichtige US-Banklizenz dürfen die Franzosen behalten. BNP konnte aber nicht verhindern, dass ihr 2015 Dollar-Abwicklungsgeschäfte untersagt werden, die vor allem den boomenden Öl- und Gassektor betreffen. Zudem wird gegen Einzelpersonen weiter ermittelt. Dass BNP wegen der Strafe einen hohen Verlust verbuchen würde, hatte sich abgezeichnet. Denn die Rückstellungen dafür reichten bei weitem nicht aus. Das Geld ist nach Konzernangaben inzwischen überwiesen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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