Merck Fink beurlaubt Berater
Sechs Richtige mit Folgen

Ein Lottomillionär verklagt die vornehme Frankfurter Privatbank Merck Finck – er fühlt sich mit seinen Millionen schlecht beraten. Die Bank zieht jetzt Konsequenzen. Doch der Prozess ist damit noch nicht ausgestanden.
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DüsseldorfDie Privatbank Merck Finck hat ihren Mitarbeiter beurlaubt, der einen Lottomillionär nach Einschätzung von Richtern nicht anlegergerecht beraten hat. Dies bestätigte ein Sprecher der Bank gegenüber Handelsblatt Online. Es seien interne Untersuchungen eingeleitet worden. „Um dem betroffenen Mitarbeiter genügend Freiraum für seine Mithilfe einzuräumen, haben wir ihn für die Dauer dieser Untersuchungen unter Fortzahlung seines Gehalts beurlaubt“, heißt es von der Privatbank, die auf eine besonders vermögende und damit auch gegenüber allen Schlagzeilen empfindliche Klientel bemüht ist.

Die Beurlaubung des Mitarbeiters ist der vorerst letzte Schritt in einem spektakulären Prozess, der sich seit mehreren Jahren hinzieht. Lottomillionärs Rolf F. hatte gegen die Privatbank geklagt und im vergangenen Monat vor dem Landgericht Münster in erster Instanz einen Teilerfolg erzielt: Demnach muss die Bank dem Stahlarbeiter aus Herne eine halbe Million Euro Schadensersatz zahlen (Az. 114 O 110/12). Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, Merck Finck kann noch in Berufung gehen.

F. hatte Anfang des Jahres 2005 zusammen mit einem Kollegen den Jackpot im Mittwochslotto geknackt, sechs Richtige und die Superzahl. 12,6 Millionen Euro. Viel Geld, das er sicher anlegen wollte. Bei Merck Fink war er damit jedoch offenbar an die falsche Adresse gelangt. Sein Geld wurde weniger und nicht mehr.

In dem Verfahren kam nicht nur der Vorwurf der Falschberatung zu Sprache. Es ging auch um eine mögliche Zusammenarbeit des Bankmitarbeiters mit einem Berater von Westlotto. Der Berater soll „nachdrücklich empfohlen“ haben, den Lottogewinn in die Hände der Privatbank zu geben. Gegen den Lottoberater ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft.  Rolf F., der Zeit seines Lebens Sparkassenkunde war, vertraute ihm und der neuen Bank. Er war sich nicht im Klaren, dass er auf Vorschlag der Bank seine Millionen in riskante Schiffsbeteiligungen sowie 600.000 Dollar in einen geschlossenen Immobilienfonds des Münchner Emissionshauses KanAM gesteckt hatte. Der spezielle Fonds stellte ging 2010 Pleite. Das Gericht sah es als unstrittig an, dass der Verkaufsprospekt, in dem alle Risiken des Fonds aufgeführt waren, Familie F. erst nach der Zeichnung der Beteiligung übergeben worden sei.

Ebenfalls irritierte das Gericht die Tatsache, dass F. offenbar jährlich 30.000 Euro als Beraterhonorar an Merck Finck überwiesen hatte. Sollte das Urteil Rechtskraft erhalten, müsste Merck Finck F. auch für dieses spezielle Investment den Schaden ersetzen.

Bereits Anfang Anfang hatte das Gericht F.s Tochter Chantal rund 180.000 Euro Schadenersatz für die Beteiligung an einem Schiffsfonds zugesprochen. Zusätzlich muss die Bank auch haften, sollte die Fondsgesellschaft bereits erfolgte Ausschüttungen vom Zeichner zurückfordern.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Merck Fink beurlaubt Berater: Sechs Richtige mit Folgen"

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  • Der Mann hat sich für jemanden, der in seinem Leben wahrscheinlich noch nie in der misslichen Lage war, nennenswerte Summen anlegen zu müssen, im Grunde sehr vernünftig verhalten: Er hat sich professionelle Beratung gesucht bei einer namhaften Bank. Leider offenbar die falsche.

  • Bin interessiert, haben Sie Target-Unternehmen?

  • Der gute Mann hat Jahrzehnte als Stahlarbeiter gearbeitet (guter, ehrlicher Job übrigens) und seine Tochter Chantal genannt. Solchen Menschen steht finanztechnisch das Wort Opfer auf die Stirn geschrieben. Dabei ist er ja gerade zu einer Privatbank gegangen, weil er sich professionelle Anlageberatung durch Dritte gewünscht hat.
    Mit Ihren Tipps zur Geldanlage kann ich aber auch nix anfangen: "Man muss doch Nichts selber machen man ist halt Investor bzw. Gesellschafter oder Aktionär. Business-Plan usw. machen doch dann Andere für einen." Klingt nach Geldanlage im Schickedanz-Stil...

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