Meyer hat keinen leichten Stand: Zwischen den Welten

Meyer hat keinen leichten Stand
Zwischen den Welten

Ergo, Deutschlands zweitgrößte Versicherungsholding, kämpft um ihre Existenzberechtigung.

DÜSSELDORF. Lothar Meyer hat den Weitblick. „Bei klarem Wetter können Sie von hier aus den Kölner Dom sehen“, sagt der Chef der Versicherungsholding Ergo und schaut von dem gläsernen, runden Turm herab auf den Rhein, den Landtag und die Altstadt. Er hat das Gebäude, eines der höchsten Düsseldorfs, von seiner Tochtergesellschaft, der Victoria, gemietet.

In München sieht Meyer die Welt aus einer ganz anderen Perspektive. Wenn dort die Muttergesellschaft, die Münchener Rück, zur Bilanzpressekonferenz lädt, sitzt Meyer artig lächelnd unten zwischen den Journalisten. Denn er gehört nicht zum Münchener Vorstand. Thorsten Wenzel, Analyst der DZ Bank, findet das „schon verwunderlich“ – und steht damit nicht allein.

Lothar Meyer hat keinen leichten Stand. Er lenkt die – nach der Allianz – Nummer zwei im deutschen Erstversicherungsgeschäft. Aber die breite Öffentlichkeit kennt Ergo nicht, und die mächtige Mutter mag die Tochter nicht recht. Denn die Zahlen der Holding waren 2002 und 2003 verdammt schlecht, wie Meyer offen eingesteht. Die Münchener Rück begutachtet Ergo mit der distanzierten Miene des Großaktionärs, der sich nicht in die Niederungen des Geschäfts begibt. Der scheidende Chef Hans-Jürgen Schinzler betonte noch in seinem letzten Interview: „Wir mischen uns ins Tagesgeschäft nicht ein.“ Und sein Nachfolger Nikolaus von Bomhard äußerte sich so zwiespältig zu Ergo, dass er sich dort gleich eine Menge Sympathien verscherzte.

Die schwache Börse beutelte vor allem die beiden Lebensversicherer seines Konzerns. Besonders peinlich wirkte es, dass die traditionsreiche Victoria Leben ihre Gesamtverzinsung für die Kunden auf magere 3,3 Prozent zusammenstreichen musste, was kaum mehr ist als die Garantieverzinsung. Als sei dies nicht schlimm genug, demütigte ein Münchener-Rück-Vorstand die Kollegen in Düsseldorf noch zusätzlich, indem er das Debakel per Zeitungsinterview öffentlich machte. Dies empfinden Ergo-Mitarbeiter als Ohrfeige.

Ohnehin haben sie derzeit das Gefühl, dass die Muttergesellschaft Ergo den Analysten zuliebe schlecht redet. „Das wird sich erst ändern, wenn Erstversicherungsaktivitäten wieder positiver vom Markt bewertet werden“, gibt sich ein Ergo-Manager kleinlaut.

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