Michael Diekmann im Interview Allianz meidet Staatsanleihen

1,65 Billionen Euro muss die Allianz sinnvoll anlegen. Nun ändert Europas größter Versicherer seine Strategie: Vorstandschef Diekmann will keine Euro-Staatsanleihen mehr und nennt im Handelsblatt-Interview Alternativen.
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Michael Diekmann, Vorstandschef der Allianz, stemmt sich gegen eine Aufspaltung von Großbanken. Quelle: DAVIDS/Goerlich

Michael Diekmann, Vorstandschef der Allianz, stemmt sich gegen eine Aufspaltung von Großbanken.

(Foto: DAVIDS/Goerlich)

MünchenDie Allianz als einer der größten Kapitalanleger kauft kaum noch Staatsanleihen. „Wir versuchen in der Neuanlage, Staatsanleihen zu vermeiden“, sagte Allianz-Chef Michael Diekmann dem Handelsblatt. Deutsche Staatsanleihen seien nicht attraktiv, weil die Rendite unter der Inflation liege. In anderen europäischen Ländern habe sich das Anlagerisiko durch den Schuldenschnitt in Griechenland deutlich erhöht. „Daher ziehen sich alle aus europäischen Staatsanleihen zurück und gehen in Schwellenländer, in Firmenanleihen, in Infrastruktur, in Immobilien.“

Die Allianz will ihre Anlage daher weiter diversifizieren. Besonders attraktiv für die Versicherer als Langfristanleger sind dabei unter anderem die erneuerbaren Energien und Infrastrukturprojekte. Dabei hat die Allianz auch Stromnetze im Visier. In Deutschland reguliere die Bundesnetzagentur die Preise, was Sicherheit gebe, sagte Diekmann. „Für die Erzeuger ist es nicht so attraktiv, weil die Rendite unter ihren Kapitalkosten liegt. Für uns ist es für die Anlagegelder aber sehr attraktiv.

Die Staatsschuldenkrise in Europa ist nach Einschätzung Diekmanns nicht allein durch Wachstum lösbar. In Deutschland seien Berechnungen zufolge vier Prozent Inflation und vier Prozent Wirtschaftswachstum notwendig, um die Schulden in den Griff zu bekommen, so der Allianz-Chef. Das sei aber nicht realistisch. In der Vergangenheit seien größere Zuwächse durch riskante Hebelung erreicht worden, die jetzt nicht mehr erwünscht sei. „Große Wirtschaftssprünge in der Form von früher können daher nicht mehr stattfinden.“ Es gebe Grenzen des Wachstums. Daher müssten die Ansprüche an den Staat gesenkt werden. „Das heißt nichts anderes als die hohen Staatsquoten zu senken.“ Vor dem Hintergrund der Gesellschaft seien auch längere Lebensarbeitszeiten notwendig.

Es droht eine Destabilisierung
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22 Kommentare zu "Michael Diekmann im Interview: Allianz meidet Staatsanleihen"

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  • @Nexus

    "Demnächst werden wir aber wieder hören, wie toll das Weihnachtsgeschäft läuft."

    Klar, wenn die Leut' glauben, dass bei den Leut' der Geldbeutel locker sitzt, dann sitzt bei den Leut' der Geldbeutel locker. So ist das Kalkül. Je weniger darauf reinfallen desto unwahrscheinlicher wird's.

  • "Als Selbststängiger muss man in der Regel auch mit 70 noch arbeiten. Was ist denn daran so schlimm?"

    Im Grunde nichts, auch mit 90 kann das noch ganz einträglich sein, es sei denn die Erben lauern schon :)
    Aber wenn man nach 45 Jahren 8-Stundenjob zum Beispiel in der Pflege mit kaputtem Rücken nicht mal in Ruhe in Rente gehen kann/könnte/dürfte, ist das schon was anderes, oder?
    In ein paar Jahren wird extra für die Renten bei den Notenbanken Geld gedruckt werden müssen, schauen Sie einfach mal in die demografische Entwicklung. Dann braucht es auch keine Allianz mehr. Keine Finanzwirtschaft wird das leisten können, ohne den Leuten, die tatsächlich noch zum Bruttosozialprodukt beitragen, die Luft zum Miete zahlen zu nehmen.
    Ist ja nicht so das in Deutschland eine Rentenkasse wie z. B. in den Niederlanden von jetzt 800 Millarden existieren würde.

  • Mal ernsthaft, wir haben kein demografisches Problem: Nur wegen der einseitigen Fixierung der Rentenfinanzierung auf Lohneinkommen und stagnierende Reallöhne gibt es ein Problem. Der Staat erhebt aus gutem Grund zusätzlich zur Lohnsteuer weitere direkte und indirekte Steuern und hat zufällig in den letzen Jahren die indirekten Steuern erhöht. Niemand prognostiziert eine Staatspleite, bloß weil wir immer mehr Rentner werden.

    Und den vielfach zitierten Arbeitskräfte- oder Fachkräftemangel sieht man außerhalb der Lobbyabteilungen der Industrieverbände auch gelassener: Einerseits macht unsere Wirtschaft weiterhin Produktivitätsfortschritte, andererseits könnte man die Erwerbsbeteiligung von Frauen weiter erhöhen. Das ginge schlagartig, indem das Ehegattensplitting gestrichen und die 25 Mrd. Euro jährlich in Kindergartenplätze, Ganztagesschulen und gute Qualifizierungsmaßnahmen für Wiedereinsteigerinnen in den Beruf nach der Kinderpause investiert würden.

  • Herrn Dieckmanns Ausführungen sind nur nur zum Teil zutreffend. Das Meiden europäischer Staatsanleihen mag angebracht sein. Was aber seine Forderungen an das Zurückschrauben des Sozialstaates angeht, gilt es ihm
    -der als Besserverdienender in seiner Einschätzung vielleicht auch nicht ganz so unvoreingenommen ist- zu widersprechen. Rentner, Arbeitslosen und Geringverdienern wird schon heute nicht die tatsächliche! Geldentwertung ausgeglichen. Da kann man nicht noch weitere Einschnitte in diesen Bereich vornehmen. Stattdessen gilt es in Deutschland, die 50-60 Milliarden Euro jährliche Steuerhinterziehung der Besserverdienenden einzuschränken.
    Für Länder wie Griechenland gilt dies noch viel mehr.
    Auch bedarf es eines erhöhten Luxusmehrwertsteuersatzes für Güter wie Luxusimmobilien, Luxuskleidung und Luxusfahrzeuge. Zu guter letzt, müssen Länder wie Irland und Zypern ihre Körperschaftssteuersätze endlich auf mindestens 20 Prozent anheben anstatt immer nur ihre Sozial Schwachen zu belasten. Das ganze sollte am besten europaweit abgestimmt sein, um Kapitalflucht von einem EU-Land in ein anderes zu vermeiden. Wir brauchen endlich eine Überwindung des neoliberalen Zeitalters, das die Mehrheit der Menschen immer mehr ins Abseits zu drängen droht.

  • Deshalb Einkommen und Vermögen umverteilen, sonst wrd das nie was.

  • netshadow
    Als Selbststängiger muss man in der Regel auch mit 70 noch arbeiten. Was ist denn daran so schlimm?

  • Der Boykott von Staatsanleihen ist der richtige Weg. Denn nur so werden die Staaten gezwungen, endlich keine Schulden mehr zu machen. Das gilt ganz besonders für Deutschland, da sie erhöhte Staatseinnahmen vorweisen können und trotzdem immer wieder Schulden machen.

  • Zitat: Zuwanderung setzt voraus, dass die Arbeitsbedingungen attraktiv sind. Das hat Auswirkungen auf die Löhne. Wer keine attraktiven Löhne bietet – wie im Sozialbereich häufig – wird keine Arbeitskräfte finden. Wer will denn schon für diesen Lohn als Erzieher/in in München arbeiten?


    Das setzt voraus, dass es Zuwanderer sind, die perfekte Sprachkenntnisse haben und auch die nötigen Qualifikationen, um eben eine gute Erziehungsarbeit leisten zu können. Erziehung bedeutet nämlich, dass ich den Kindern lerne, sich an das jeweilige System anzupassen. Um das zu können, muss ich selbst mit dem System umgehen können, also bestens integriert sein.

    Somit ist das Argument in einigen Bereichen ein total unlogisches, dumm idealistisches Argument, da es in der Praxis zum Scheitern verurteilt ist und ziemlich viel Schaden anrichten kann bei Kindern und Jugendlichen. Oder wollen Sie etwas Kinder, die radebrechend in die Schule kommen (immerhin sind Kinder im Schnitt 1/3 ihrer Zeit im Kindergarten über Jahre hinweg). Ausserdem sollten darüberhinaus Inhalte vermittelt werden, die vorgegeben sind und die den Erziehern geläufig sind.

    Zuwanderung ist NICHT IMMER die Lösung. Warum kann man das nicht endlich mal einsehen und dafür das Logischere machen, nämlich das Potential, das VOR ORT vorhanden ist, fördern.
    Ausnahme, wenn man zum Beispiel gezielt wählt, um eine andere Sprache im Kindergarten anzubieten wie zB. Chinesisch oder Englisch. Da würde ich auf jeden Fall Muttersprachler nehmen, da die den Kindern diese Kenntnisse in der Regel wesentlich besser vermitteln können.
    Und bitte jetzt nicht mit dem Vorwurf kommen, dass dies faschistisch ist. Bin ich wirklich nicht, aber Realist bin ich schon.

    Dass Allianz nicht mehr in Staatsanleihen investieren will, ist verständlich. Immerhin haben sie den auftrag, das Geld ihrer Kunden bestmöglichst anzulegen. Befürchte jedoch, dass es dadurch zu grossen Preissteigerungen im Immobiliensektor etc. kommen wird.

  • Höhere Löhne...

    ...auch nur so Geschwurbel. Oder Gewerkschaft?

    Wenn die "erzieherin" mehr Lohn bekomt, steigen die Preise für deren zweifelhafte Bemühungen. Wie soll das die Frau, die ihr Kind zu dieser Anstalt bringt, aus ihrem Gehalt als Aldi-Frau oder als Packe bezahlen? Richtig, auch die braucht mehr Lohn. Der auch wiederum von der Kundschaft...

    So geht es nicht. Das System muß auf Null gestellt werden. Nach den verlorenen Kriegen hatten wir gewaltige Aufschwünge und Fortschritte zu verzeichen. Ohne harte Arbeit bleibt alles nur Geschwätz und Stillstand.

  • Zuwanderung können sie sich in Deutschen Städten anschauen...

    wenn Sie eine andere Art der Zuwanderung meinen, dann müssen Sie Leute handverlesen aus Osteuropa anwerben. Ein paar Norweger, Engländer und Dänen wären auch hilfreich. Ganz schön rassistisch, nicht wahr? Aber anders geht nix.

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