Michael Geoghegan: HSBC steht vor einem Führungswechsel

Michael Geoghegan
HSBC steht vor einem Führungswechsel

Europas größte Bank HSBC steht voraussichtlich vor einem dramatischen Führungswechsel. Laut einem Zeitungsbericht wird Vorstandschef Michael Geoghegan aller Wahrscheinlichkeit nach das Institut Ende dieses Jahres verlassen. Seine Nachfolge dürfte der bisherige Chefinvestmentbanker von HSBC Stuart Gulliver antreten.
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LONDON. Nach Informationen der Zeitung "Financial Times" und der Nachrichtenagentur Bloomberg soll der bisherige Finanzvorstand Douglas Flint auf den Posten des Chairman aufrückten. Damit würde die Führungskrise des britischen Geldhauses ein überraschendes Ende finden. Das Chaos bei HSBC begann vor 14 Tagen als sich der charismatische Chairman Stephen Green entschloss, in die Politik zu wechseln und als Staatsekretär für den Handel in das Kabinett des neuen konservativen Premierministers David Cameron einzutreten. Als ranghöchstes unabhängiges Boardmitglied machte sich der 69jährige Veteran der Londoner City Simon Robertson auf die Suche nach einem Nachfolger.

Doch das gestaltete sich weitaus schwieriger als gedacht. Ursprünglich ging John Thornton, der derzeit die Sanierung des US-Geschäfts von HSBC beaufsichtigt, als Favorit ins Rennen um den Posten des Chairman. Aber offensichtlich tat sich Vorstandschef Geoghegan schwer damit, die Ernennung der ehemaligen Nummer zwei der US-Investmentbank Goldman Sachs zu akzeptieren. Geoghegan will selbst auf den Posten des Chairman rücken, so wie es der Tradition von HSBC entsprechen würde.

Dagegen wehrten sich allerdings einflussreiche Großinvestoren, weil es den Regeln der verantwortungsvollen Unternehmensführung widerspricht, wenn ein Vorstandschef zum Chefkontrolleur des eigenen Hauses aufsteigt. Deshalb brachte Robertson Finanzvorstand Flint als Kompromisskandidaten ins Gespräche. Doch glaubt man dem Medienbericht, ist Geoghegan nicht bereit, seinen Untergebenen als künftigen Vorgesetzten zu akzeptieren.

HSBC ist bislang ohne größere Probleme durch die Finanzkrise gekommen und schrieb dank der Ausrichtung auf die wachstumsstarken Emerging Markets durchweg schwarze Zahlen. Die Bank wollte die Spekulationen um den Rücktritt des Vorstandschefs nicht kommentieren und teilte lediglich mit, dass noch keine offizielle Entscheidung gefallen sei. Am Dienstag trifft sich das Board von HSBC in Schanghai zur entscheidenden Sitzung. Mit dem Führungswechsel bei HSBC, setzt sich die Wachablösung bei den britischen Großbanken fort. Derzeit sucht das viertgrößte Institut auf der Insel, Lloyds, nach einem Nachfolger für den scheidenden Vorstandschef Eric Daniels. Barclays, die Nummer zwei auf dem britischen Markt wird ihren Chef John Varley 2011 durch den Investmentbanker Bob Diamond ersetzen.

Die Ernennung von Diamond sorgte in der britischen Politik für Empörung. Der Amerikaner ist in der britischen Öffentlichkeit zum Symbol für gierige Investmentbanker geworden, weil er auch während der Finanzkrise ein millionenschweres Gehaltspaket kassiert hat. Allerdings kam Barclays vor allem Dank der Gewinne aus dem Investment-Banking auch ohne direkte Staatshilfen durch die Krise. Sollte jetzt tatsächlich auch HSBC-Investmentbanker Gulliver an die Spitze seiner Bank rücken, dürften die hitzigen Diskussionen in der britischen Öffentlichkeit neue Nahrung bekommen.

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