Milliarden-Bedarf
Sparkassen machen Spanien große Sorgen

Spaniens Sparkassen, die Cajas, haben bereits eine radikalen Konzentrationsprozess hinter sich - inklusive hartem Sparkurs. Doch es fehlen Milliardenbeträge. Und auch mit den Börsenplänen tut man sich schwer.
Madrid

Der spanische Staat muss mindestens sieben Milliarden Euro in seine Sparkassen stecken. Das ergibt sich aus den Rekapitalisierungsplänen der Finanzinstitute, die diese am Montagabend bei der Zentralbank einreichen mussten.
Es handelt sich um die acht Cajas und vier Banken, die bisher die neuen Mindestkernkapitalauflagen nicht erfüllen: Mindestens acht Prozent Kernkapital müssen in Spanien operierende Geldhäuser jetzt aufweisen. Geldinstitute, deren Kapital nicht zu mindestens 20 Prozent in Händen privater Investoren ist, brauchen sogar zehn Prozent.

Mit rund 15 Milliarden Euro hatte die Zentralbank den zusätzlichen Bedarf des Sektors beziffert. Davon entfällt mit 14 Milliarden Euro der größte Teil auf die acht Cajas, obwohl die Sparkassen des Landes bereits einen radikalen Konzentrationsprozess hinter sich haben. Die zuvor 45, meist winzigen Institute, die die Hälfte des Bankenmarktes ausmachten, fusionierten bereits zu 17 Gruppen.

Mit den Plänen der Institute hat sich die Hoffnung von Finanzministerin Elena Salgado, dass der Löwenanteil des Kapitals aus privaten Quellen stammt, nicht erfüllt. Der staatliche "Fonds zur geordneten Bankenrestrukturierung" (FROB) muss nun rund die Hälfte der Summe bereitstellen.

Gelder vom FROB brauchen zunächst die vier Cajas Banco Base, Novacaixagalicia, Catalunyacaixa sowie Unnim. Catalunyacaixa wird 1,7 Milliarden Euro beantragen. Novacaixagalicia hofft, zumindest einen Teil der benötigten 2,6 Milliarden Euro von privaten Investoren zu bekommen.

Das größte Problemkind jedoch ist Banco Base. Der Zusammenschluss aus fünf Sparkassen will mit 2,8 Milliarden Euro doppelt so viel vom FROB beantragen, als die Zentralbank zuvor angegeben hat - es gilt die europäischen Stresstests zu bestehen. Weitere 1,5 Milliarden Euro hatte Banco Base bereits im Zuge seiner Fusion vom FROB bewilligt bekommen. Insgesamt belaufen sich die erforderlichen Staatshilfen auf rund 4,6 Milliarden Euro.

Drei der acht Problem-Cajas wollen das nötige Kapital an der Börse auftreiben. Am weitesten damit ist die Gruppe Bankia, das derzeit drittgrößte Finanzinstitut Spaniens. Die Gruppe will an der Börse drei Milliarden Euro aufnehmen. Schwierig sind dagegen die geplanten Börsengänge der kleineren Kandidaten Mare Nostrum und Banca Civica. "Die Pläne zu den Börsengängen finden in einem aktuell sehr ungünstigen Umfeld statt, geprägt von den Krisen in Libyen, Japan, und Portugal", warnt Analyst Guido Zimmermann von der LBBW.

Sollten ihre Börsengänge scheitern, bräuchten sie rund 1,5 Milliarden Euro vom Rettungsfonds. Private Schätzungen, etwa von der Ratingagentur Moody's und Unicredit, sehen ohnehin den Kapitalbedarf der Banken in Spanien mit 40 bis 50 Milliarden Euro viel höher als die Zentralbank .

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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