Milliarden falsch verbucht
Die absurden Zahlenspiele der HRE

Die Bilanzierungspanne bei der Hypo Real Estate zeigt, wie absurd viele der Zahlenspiele sind, mit denen Unternehmen und Staaten die Öffentlichkeit beglücken. Wir müssen unsere Kennziffern verbessern. Ein Kommentar.
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Im Fall der Hypo Real Estate (HRE) scheint es sich um eine echte Panne gehandelt zu haben. Der Beweis: Während sich zum Beispiel der griechische Staat lange Zeit zum eigenen Vorteil verrechnet hat und einige, vor allem amerikanische Banken, mit zweifelhaften Tricks ihre Bilanzen schönen, hat die HRE sich nicht geschönt, sondern gehässlicht, wenn man das so sagen will.

Einer der Gründe dafür, Bad Banks zu bilden, war der Wunsch, problematische Wertpapiere nicht mehr nach internationalen Standards, sondern nach dem deutschen HGB bilanzieren zu können. Das erspart der Bad Bank, zu schnell Abschreibungen vornehmen zu müssen, und verzögert damit, dass diese Verluste in die staatlichen Haushalte durchschlagen. Auch eine Art Trick.

Eines ist aber beim HGB wie auch bei den in Europa gebräuchlichen internationalen Standards ganz ähnlich: Im Vergleich zu amerikanischen Bilanzen wird werden hier Aktiv- und Passiv-Positionen nur in Ausnahmefällen in der Bilanz gegeneinander aufgerechnet. Bei dem Rechnungsfehler der HRE-Bad-Bank handelte es sich aber um so einen Ausnahmefall, was offenbar die Buchhalter und ihre Prüfer übersehen haben. In Amerika wäre das nicht passiert, weil dort ohnehin sehr großzügig saldiert wird.

Das Beispiel zeigt aber auch, wie gefährlich es ist, die offiziellen Verschuldungsquoten der Staaten allzu ernst zu nehmen. Dabei bilden unterschiedliche Bilanzierungsregeln von angehängten Unternehmen nur eine kleine Quelle der Unsicherheit. Weitaus größer sind andere Unterschiede - etwa die Frage, ob den Schulden des Staates Vermögen gegenüber steht, zum Beispiel in Form von Pensions- oder Staatsfonds. Auf der kommunalen Ebene in Deutschland hat man vor einigen Jahren, mit mäßigem Erfolg, eine Buchführung eingeführt, bei der neben Schulden auch Vermögenswerte erfasst werden.

Bei so einer Buchhaltung hätte der Rechenfehler bei HRE letztlich keinen großen Unterschied gemacht. Im Fall von Griechenland ist auch immer wieder behauptet worden, den hohen Schulden des Landes stünde auch ein großes Vermögen, zum Teil in Form von Immobilien gegenüber. Möglicherweise werden wir also in einigen Jahren gar nicht mehr allein von Verschuldung in Prozent des Bruttoinlandprodukts reden, sondern Staaten und ihre finanzielle Stabilität ähnlich wie bei Unternehmen bewerten. Nachdenken sollte man darüber - auch unabhängig von peinlichen Buchungspannen.

Kommentare zu " Milliarden falsch verbucht: Die absurden Zahlenspiele der HRE"

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  • bedeutet denn "tatsächliche Bewertungen" nicht auch Validität zum Zeitpunkt der Bewertung?...

  • Wem so etwas in 500 000 tausenfach kleinerem Maße in der freien Wirtschaft passieren würde, der wäre wohl für immer weg von dieser Position. Von daher klingt das nicht nach Panne und wenn ja, dann sollten die Verantwortlichen auch 500 000 tausendfach mehr zur Rechenschaft gezogen werden und nicht auch noch bis in alle Ewigkeit mit Steuergeldern belohnt werden.

  • BWL Studium sollte schon mal bestanden sein + Praxiserfahrungen - ansonsten lohnt sich keine Diskussion!

    ENRON - war ein Skandal - dies wäre nach HGB genauso verlaufen.

    Bankenkriese in Deutschland - IFRS-verursacht??? M.E. waren alle Stützungsfälle Landesbanken (HGB), die IKB (HGB) und die HRE. Führten hier etwa die (nach HGB zulässigen) fehlenden Abschreibungen auf die Wertpapiere zu einem "plötzlichen und unerwarteten Verlust"? Wenn dies so wäre, dann hätte man das nach internat/amerikan Bilanzierungsregeln schon in den Jahren davon erkannt. Wo gibt es also einen Vorteil des HGB - außer in den "Wahlmöglichkeiten" / wünsch Dir was Ausweisen?

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