Milliarden falsch verbucht Die absurden Zahlenspiele der HRE

Die Bilanzierungspanne bei der Hypo Real Estate zeigt, wie absurd viele der Zahlenspiele sind, mit denen Unternehmen und Staaten die Öffentlichkeit beglücken. Wir müssen unsere Kennziffern verbessern. Ein Kommentar.
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Mal schnell nachgerechnet: Bei der HRE wurden 55,5 Milliarden Euro falsch verbucht. Quelle: dpa

Mal schnell nachgerechnet: Bei der HRE wurden 55,5 Milliarden Euro falsch verbucht.

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Im Fall der Hypo Real Estate (HRE) scheint es sich um eine echte Panne gehandelt zu haben. Der Beweis: Während sich zum Beispiel der griechische Staat lange Zeit zum eigenen Vorteil verrechnet hat und einige, vor allem amerikanische Banken, mit zweifelhaften Tricks ihre Bilanzen schönen, hat die HRE sich nicht geschönt, sondern gehässlicht, wenn man das so sagen will.

Einer der Gründe dafür, Bad Banks zu bilden, war der Wunsch, problematische Wertpapiere nicht mehr nach internationalen Standards, sondern nach dem deutschen HGB bilanzieren zu können. Das erspart der Bad Bank, zu schnell Abschreibungen vornehmen zu müssen, und verzögert damit, dass diese Verluste in die staatlichen Haushalte durchschlagen. Auch eine Art Trick.

Eines ist aber beim HGB wie auch bei den in Europa gebräuchlichen internationalen Standards ganz ähnlich: Im Vergleich zu amerikanischen Bilanzen wird werden hier Aktiv- und Passiv-Positionen nur in Ausnahmefällen in der Bilanz gegeneinander aufgerechnet. Bei dem Rechnungsfehler der HRE-Bad-Bank handelte es sich aber um so einen Ausnahmefall, was offenbar die Buchhalter und ihre Prüfer übersehen haben. In Amerika wäre das nicht passiert, weil dort ohnehin sehr großzügig saldiert wird.

Das Beispiel zeigt aber auch, wie gefährlich es ist, die offiziellen Verschuldungsquoten der Staaten allzu ernst zu nehmen. Dabei bilden unterschiedliche Bilanzierungsregeln von angehängten Unternehmen nur eine kleine Quelle der Unsicherheit. Weitaus größer sind andere Unterschiede - etwa die Frage, ob den Schulden des Staates Vermögen gegenüber steht, zum Beispiel in Form von Pensions- oder Staatsfonds. Auf der kommunalen Ebene in Deutschland hat man vor einigen Jahren, mit mäßigem Erfolg, eine Buchführung eingeführt, bei der neben Schulden auch Vermögenswerte erfasst werden.

Bei so einer Buchhaltung hätte der Rechenfehler bei HRE letztlich keinen großen Unterschied gemacht. Im Fall von Griechenland ist auch immer wieder behauptet worden, den hohen Schulden des Landes stünde auch ein großes Vermögen, zum Teil in Form von Immobilien gegenüber. Möglicherweise werden wir also in einigen Jahren gar nicht mehr allein von Verschuldung in Prozent des Bruttoinlandprodukts reden, sondern Staaten und ihre finanzielle Stabilität ähnlich wie bei Unternehmen bewerten. Nachdenken sollte man darüber - auch unabhängig von peinlichen Buchungspannen.

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15 Kommentare zu "Milliarden falsch verbucht: Die absurden Zahlenspiele der HRE"

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  • bedeutet denn "tatsächliche Bewertungen" nicht auch Validität zum Zeitpunkt der Bewertung?...

  • Wem so etwas in 500 000 tausenfach kleinerem Maße in der freien Wirtschaft passieren würde, der wäre wohl für immer weg von dieser Position. Von daher klingt das nicht nach Panne und wenn ja, dann sollten die Verantwortlichen auch 500 000 tausendfach mehr zur Rechenschaft gezogen werden und nicht auch noch bis in alle Ewigkeit mit Steuergeldern belohnt werden.

  • BWL Studium sollte schon mal bestanden sein + Praxiserfahrungen - ansonsten lohnt sich keine Diskussion!

    ENRON - war ein Skandal - dies wäre nach HGB genauso verlaufen.

    Bankenkriese in Deutschland - IFRS-verursacht??? M.E. waren alle Stützungsfälle Landesbanken (HGB), die IKB (HGB) und die HRE. Führten hier etwa die (nach HGB zulässigen) fehlenden Abschreibungen auf die Wertpapiere zu einem "plötzlichen und unerwarteten Verlust"? Wenn dies so wäre, dann hätte man das nach internat/amerikan Bilanzierungsregeln schon in den Jahren davon erkannt. Wo gibt es also einen Vorteil des HGB - außer in den "Wahlmöglichkeiten" / wünsch Dir was Ausweisen?

  • Ich bin mir nicht sicher, ob Sie tatsächlich so HGB-gläubig oder einfach nur anti-amerikanisch geprägt sind.

    In jeder Bilanz nach HGB weise ich das Ergebnis aus, welches ich zeigen möchte! Egela ob ich an Wert verloren / Verluste gemacht habe (ähnlich bei Gewinnen) oder nicht. Wer sich auf ein HGB-Ergebnis verlässt ist verlassen!

    Jahrelang habe ich dieses Spiel bei meinem vorherigen Arbeitgeber mitgemacht und wäre froh, wenn nach dem tatsächlichen Ergebnis / internationalen Standards bewertet worden wäre! Nach dem HGB kann jeder sich nur halbwegs auskennende ein "wünsch Dir was" Ergebnis - egal mit welchen tatsächlichen Zahlen - kreieren! Beim Grundstudium BWL sollte man jedoch nicht stehengeblieben sein...

  • Soso, "einige Meter voraus" also... Angefangen bei ENRON bis in die aktuelle Bankenkrise gibt es diverse Beispiele, bei dem die sogenannte internationale Bilanzierung jämmerlich versagt hat.
    "Wünsch Dir was" in der HGB-Welt? Ich empfehle vor dem Verfassen von Kommentaren das Studium eines einschlägigen Lehrbuchs BWL 1.Semester...

    Und auch die IFRS stammen übrigens aus dem vorigen Jahrhundert.

    In einem gebe ich Ihnen allerdings Recht: Inhaltlich wäre der Artikel in der Bild-Zeitung wohl besser aufgehoben.

  • verehrter Kommentator,
    ich bin mir nicht so sicher, ob sie konkret wissen von was sie da reden.
    Bilanzierung nach HGB ist nun mal kein Wunschkonzert, sondern richtet sich nach strengen, vorsichtigen Regeln.
    Bilanzierung nach IFRS und US-GAAP hat einen sehr großen Spielraum nach oben und ermöglicht es Ergebnisse deutlich besser darzustellen als dies nach HGB möglich wäre.
    Möglicher weise fehlt es Ihnen etwaa an Erfahrung, weil Ihnen solche facts wohl nicht bekannt sind.

  • Das spricht mal wieder einer, der keine Ahnung oder keine Berührungspunkte mit der Bilanzierung hat und sich gerne "reden hört".

    Nach HGB ist es ja kein Betrug, sich das Periodenergebnis so auszuwählen und darzustellen, wie man möchte - es ist eben Standard! Die "Bad Bank" bilanziert so die Griechenanleihen zum Kaufkurs (über 100%) statt zum aktuellen Kurs (meist 4ß-50%), obwohl sie die Wahl hätte "richtig" zu bilanzieren.

    Bei der internationalen / amerikanischen Methode muss hingegen der tatsächliche Wert ausgewiesen werden! Diese ist daher eindeutig richtiger.

    Und was dort so bemängelt wird: Wenn sich eine Bank im Zinstief Geld leiht und die Zinsen steigen, dann kann der Kredit auch billiger zurückgezahlt werden - die Kredite sinken also im Wert - dies ist auch richtig so - es muss nur konsequent angewandt werden! Griechenland könnte momentan ja auch seine Schulden zu tlw. 25% zurückkaufen - dort, wo intelligente Leute am Steuer sitzen, kann damit regelmäßig ein guter Zusatzertrag erwirtschaftet werden!

    ...aber ich Zweifen leider am Bildungs-Niveau der HB-Kommentatoren...

  • Das Volk wird regelmäßig getäuscht und für dumm verkauft.
    Wer hat eigentlich den Überblick, wer sich welche Summen in diesem EURO Chaos abgezweigt hat?
    Bernie Maddoff ist überall. Auch in der Bayern LB und anderswo.
    Die HRE Verantwortlichen, ihre Helfershelfer sowie diejenigen, die die Dresdner Bank und andere in den Abgrund geritten haben - alle gehören sie hinter Gitter, bis einwandfrei geklärt wurde, was sie getrieben haben.

  • Bilanzierung ist bekanntlich die Kunst, den unternehmerischen Gesamterfolg periodengerecht zuzuordnen. Wie alle Kunst setzt auch dies Können voraus und die Bewertung von Kunstwerken ist (manchmal - oft - immer) wiederum eine andere Kunst! Ob IFRS oder HGB Bilanzierungsregeln angewandt werden ist einerlei, wenn das Publikum von der Unbestechlikeit der Akuratesse der Algebra überzeugt ist ... . Eine Bilanz ist auch nur eine modellhafte Abbildung der Wirklichkeit - warum ist dies im ingeneurtechnisch dominierten Deutschland so schwer zu verstehen? Die Algebra zu verstehen, verlangen wir allerdings bereits Grundschulkindern ab - der Fehler läßt tiefe Einblicke in den Ausbildungsstand den wir seit Jahrzehnten erzeugen zu.

  • Wer sich ein wenig mit den Bilanzierungsstandards auskennt muss wohl oder übel zugeben, dass das HGB aus dem letzten Jahrhundert eindeutig ausgedient hat.

    Die tatsächlichen Bewertungen fließen hier bspw. nicht ein und das Ergebnis ähnelt eher einem "Wünsch Dir was" als einem Periodenausweis.

    Daher sind die internationalen / amerikanischen Standards eindeutig einige Meter voraus!

    Das Handellsblatt ist inzwischen absolut auf "Bild"-Niveau angekommen. Fachpublikum ist in den Kommentaren genausowenig zu erkennen wie qualitativ hochwertiges in den Artikeln.

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