Milliarden-Zocker Adoboli
„Ich wollte nur der UBS helfen“

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Milliarden-Zocker Kweku Adoboli wehrt sich der Angeklagte gegen die Betrugsvorwürfe. Der ehemalige UBS-Händler sagt vor Gericht, er habe mit seinen Aktionen die Bank retten wollen.
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London„Alles was ich getan habe, habe ich für die Bank getan, auf die ich so stolz war“: Kweku Adoboli kann die Tränen nicht zurückhalten, die Stimme versagt, der mutmaßliche Milliardenbetrüger wird von den eigenen Gefühlen übermannt, als er am Freitagvormittag in einem der spektakulärsten Strafprozesse, die der Finanzplatz London in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat, zum ersten Mal in den Zeugenstand tritt.

„Niemand kann sich vorstellen, was es heißt, neun Monate in Untersuchungshaft zu sitzen, nach all der harten Arbeit, die man für diese Bank geleistet hat“, schluchzt der ehemalige Derivatehändler, der mit seinen illegalen Geschäften der Schweizer Großbank UBS Verluste von 2,3 Milliarden Dollar bescherte.

Sechs Wochen dauert der Prozess gegen Adoboli bereits. Sechs Wochen, in denen die Anklage ihren Fall darlegte, am Freitag hatte der 32-Jährige zum ersten Mal die Möglichkeit seine Sicht der Dinge darzulegen – und die fiel für seinen ehemaligen Arbeitgeber wenig schmeichelhaft aus.

Die Frage, ob Adoboli aus persönlicher Gier die Regeln brach, oder um mehr Gewinn für seinen Handelsdesk und die Bank herauszuholen, könnte zentral für das Urteil sein, das die zwölf Geschworenen im November fällen werden. Adoboli muss sich sechs Anklagepunkten stellen: Vier Mal wird ihm Bilanzfälschung vorgeworfen, zwei Mal Betrug. Ihm drohen maximal zehn Jahre Gefängnis. Um eine Verurteilung wegen Betrugs zu erreichen, muss ihm die Anklage aber nicht nur Vorsatz, sondern auch die Absicht sich persönlich zu bereichern nachweisen.

Für die Staatsanwältin Sasha Wass besteht kein Zweifel, dass der Diplomatensohn mit ghanaischen Wurzeln ein „Meisterbetrüger“ ist, der die UBS mit seinen Verbrechen an den Rand des Kollapses brachte. Ein Mann mit jeder Menge krimineller Energie, ein gewiefter Lügner, der seine Kollegen und seine Chefs jahrelang hinters Licht führte, um auf der Karriereleiter schneller voran zu kommen und höhere Boni zu kassieren. Die Staatsanwältin zeichnete das Bild eines hemmungsloser Spielers, der sich mit seiner Zockerei an den Märkten auch privat hoch verschuldete.

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  • Das was der Junghändler hier beschreibt ist nicht unbekannt, typisch für eine Schweizer Bank, typisch für das Verhalten der Führungskräfte.

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