Milliardenbetrug: Madoff bleibt mit Fußfessel auf freiem Fuß

Milliardenbetrug
Madoff bleibt mit Fußfessel auf freiem Fuß

Der Milliardenbetrüger Bernard L. Madoff bleibt auf freiem Fuß – für eine Kaution von zehn Mio. Dollar. Ein US-Bundesgericht verwarf damit einen Antrag der Staatsanwaltschaft, den Ex-Börsenstar in Untersuchungshaft zu nehmen. Seine elektronische Fußfessel muss Madoff allerdings weiter tragen.

NEW YORK. Madoff darf wieder zurück in sein Luxus-Appartement an der New Yorker Upper East Side, wo er unter Hausarrest auf seinen Prozess warten muss. Er wird beschuldigt, Drahtzieher eines der größten Betrugsfälle der Finanzgeschichte zu sein. Die einstige Wall-Street-Ikone soll Anleger um bis zu 50 Mrd. Dollar betrogen haben. Jahrzehntelang soll er die angeblichen Gewinne, die er ausgeschüttet hatte, in Wirklichkeit nur durch die Einlagen neuer Kunden finanziert haben. Das Schneeballsystem brach zusammen, als Kunden im Zuge der Finanzkrise ihr Geld zurückforderten. Dies wäre der größte Wirtschaftsbetrug der Geschichte.

Die Staatsanwaltschaft hatte Haft beantragt, weil Madoff aus seiner Wohnung mehr als 200 Mio. Dollar an Verwandte und Freunde habe schicken wollen, nachdem seine betrügerischen Geschäfte aufgeflogen seien. Außerdem habe er Päckchen mit Wertsachen in Höhe von einer Mio. Dollar an Angehörige geschickt, um sein Vermögen in Sicherheit zu bringen, falls geprellte Investoren ihm mit Schadenersatzforderungen zu Leibe rückten wollten. Deshalb hat Madoff nach Ansicht der Staatsanwaltschaft seine Haftverschonung verwirkt. Nach Angaben seines Anwalts handelte er jedoch ohne Wissen, dass dies illegal sein könnte.

Der Richter entschloss sich jedoch lediglich dazu, Madoffs Vermögen stärker zu überwachen. So solle eine Liste von allen Wertgegenständen in seiner Wohnung erstellt werden. Eine Sicherheitsfirma werde dann alle zwei Wochen überprüfen, ob alle diese Wertsachen noch da seien. Zudem werde künftig die gesamte ausgehende Post kontrolliert. Die Ermittler hätten eine Fluchtgefahr nicht beweisen können, argumentierte der Richter.

Madoff muss bereits eine elektronische Fußfessel tragen. Zudem wird er rund um die Uhr von einer Sicherheitsfirma im Auge behalten, für deren Dienste seine Ehefrau zahlen muss.

Am Mittwoch vergangener Woche hatte die Staatsanwaltschaft weitere Details über die Juwelen-Briefe veröffentlicht. Demnach verschickte Madoff unter anderem ein Päckchen eine Kette mit Diamanten und ein Dutzend Uhren. Weitere Pakete enthielten Cartier- und Tiffany’s-Uhren sowie ein Armband und vier Broschen mit Diamanten.

Madoffs gesamter Besitz könnte letztendlich dafür verwendet werden, geprellten Anlegern wenigstens einen Bruchteil ihrer Investitionen zurückzuzahlen. Daher wertet die Staatsanwaltschaft die teuren Weihnachtsgeschenke als gravierendes Vergehen. Sie wirft Madoff vor, er habe Vermögen beiseiteschaffen wollen.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%