Milliardendeal
Deutsche Börse verkauft amerikanische Optionsbörse ISE

Börsenchef Kengeter weiß zu überraschen: Mitten im Fusionspoker um die Londoner LSE verkauft er die ISE. Der Deal bringt der Deutschen Börse frisches Geld. Insgesamt war der Kauf der Optionsbörse ein Verlustgeschäft.

BerlinCarsten Kengeter bleibt seinem Ruf als Dealmaker treu: Der Vorstandschef der Deutschen Börse verkauft die amerikanische Optionsbörse ISE für 1,1 Milliarden US-Dollar an den amerikanischen Wettbewerber Nasdaq. Der Börse winkt durch den Deal ein Gewinn im oberen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich – und Kengeter sorgt mitten im Fusionspoker mit der London Stock Exchange (LSE) für positive Schlagzeilen.

Für die Nasdaq bedeutet der Verkauf vor allem eine Verstärkung im Bereich der Aktien-Optionen, außerdem ist sie an der Technik der ISE interessiert. Der Wettbewerb ist hart: Es gibt insgesamt 14 Plattformen für den Handel mit Optionen in den USA, davon gehören je drei der ISE und der Nasdaq. Durch den Zusammenschluss kann die Nasdaq hier eine relativ starke Position aufbauen. Die ISE ist in New York in unmittelbarer Nachbarschaft der NYSE, der berühmten Aktienbörse, angesiedelt. Sie ist nicht zu verwechseln mit der ICE, der Muttergesellschaft der NYSE, die möglicherweise ein Gebot für die LSE abgeben will.

Größerer finanzieller Spielraum

Gemeinsam wollen Deutsche Börse und LSE eine europäische Superbörse bilden. Die Konkurrenz aus den USA hat aber bereits durchblicken lassen, dass sie sich ebenfalls für die LSE interessiert. Mit dem Verkauf der Optionsbörse ISE erhält die Deutsche Börse mehr finanziellen Spielraum. Bei der drohenden Übernahmeschlacht um die LSE dürfte ihr der Deal aber nur wenig helfen - dafür ist der Erlös schlicht zu gering.

Wenn die Aufseher dem Verkauf der ISE zustimmen, soll der Deal noch in der zweiten Jahreshälfte unter Dach und Fach gebracht werden. Das wäre für Deutsche Börse und ISE der Schlussstrich unter eine Liaison mit überzogenen Erwartungen: Kurz vor der Finanzkrise im Jahr 2007 hatte die Deutsche Börse die ISE für 2,8 Milliarden US-Dollar gekauft – nun erhält sie nur einen Bruchteil ihres Einsatzes zurück. Trotzdem entsteht beim Verkauf buchhalterisch ein Gewinn. Sie hatte einen Teil des Wertes schon abgeschrieben.

Außerdem wird die ISE zusammen mit der Eurex, der Terminbörse des Konzerns, bilanziert. Der Wertverlust der Eurex durch den Abgang der ISE liegt nach Meinung der Wirtschaftsprüfer niedriger als der Verkaufswert.

Schon Kengeters Vorgänger Reto Francioni hatte erfolglos versucht, sich von der Optionsbörse zu trennen. Nun wurde sich Kengeter mit der Nasdaq einig. Die ISE sei ein „hochattraktives Asset, das sich im Besitz einer amerikanischen Börse ausgezeichnet weiterentwickeln kann“, sagte Kengeter. Der Börsenchef hat es sich zum Ziel gesetzt, in jedem Geschäftsbereich die Nummer eins oder zwei zu werden – beim Optionsgeschäft in den USA war dieses Ziel für die Börse nicht erreichbar. So versteht man den Verkauf in Eschborn denn auch als „aktive Steuerung des Portfolios“.

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