Milliardenverluste: Ackermann stellt Eigenhandel weitgehend ein

Milliardenverluste
Ackermann stellt Eigenhandel weitgehend ein

Nach Milliardenverlusten zieht sich die Deutsche Bank weitgehend aus dem Eigenhandel zurück. Das Geschäft mit Kreditpapieren auf eigene Rechnung werde komplett eingestellt, sagte ein Sprecher von Deutschlands größtem Geldhaus am Wochenende. Indes erwägt die Ratingagentur Fitch eine Herabstufung der Bonitätsnote.

FRANKFURT. Der Eigenhandel mit Aktien sei ebenfalls bereits um etwa vier Fünftel zurückgefahren worden. Hier sei allerdings kein vollständiger Ausstieg geplant.

Mit den harten Einschnitten reagiert Bank-Chef Josef Ackermann auf die jüngsten Hiobsbotschaften aus seinem Haus. Vergangene Woche hatte das Institut angekündigt, in Folge der Finanzkrise für 2008 erstmals in der Nachkriegsgeschichte einen Jahresverlust ausweisen zu müssen. Nach vorläufigen Berechnungen liegt er bei 3,9 Mrd. Euro. Alleine im vierten Quartal lief vor Steuern ein Fehlbetrag von 4,8 Mrd. Euro auf. Als wesentliche Ursache hierfür gilt der Eigenhandel, der der Bank in besseren Zeiten Milliardengewinne beschert hat. Nach Informationen des Magazins „Der Spiegel“ sollen alleine der Co-Chef des globalen Kredithandels, Boaz Weinstein, und sein Team eine Mrd. Dollar Schaden verursacht haben. Zu Jahresanfang war öffentlich geworden, dass er die Bank verlässt. Bereits im November war bekannt geworden, dass im Eigenhandel rund 900 Stellen gestrichen werden.

Ackermann musste angesichts des Milliardenverlusts 2008 einräumen, dass die Krise Schwächen der Bank offengelegt hat. „Wir haben Handelsstrategien, die durch die Marktturbulenzen am meisten betroffen waren, zurückgefahren oder vollständig eingestellt“, erklärte er. Auch die Konkurrenten JP Morgan, Morgan Stanley und Credit Suisse haben zum Teil harsche Einschnitte in ihren Eigenhandelsbereichen angekündigt.

Ackermann kämpft offensichtlich um das Vertrauen der Investoren. Am Freitag musste die Aktie erneut Verluste hinnehmen und ging mit einem Abschlag von 3,6 Prozent aus dem Handel. Mit 20,02 Euro lag sie nur noch knapp über ihrem im November erreichten Allzeit-Tief von 18,59 Euro.

„Unsere Sorge ist, dass es nur wenig Puffer für weitere negative Überraschungen gibt und dass umfangreichere Zweifel hinsichtlich der Risikomanagement-Fähigkeiten der Deutschen Bank erwachsen“, gaben sich die Analysten von Sal. Oppenheim skeptisch. Sie sind mit ihren Bedenken nicht alleine: Die Ratingagentur Fitch setzte die Bonitätsnote der Deutschen Bank am Freitag auf die Beobachtungsliste für eine Absenkung. Hauptgrund sei die Sorge um die langfristige Profitabilität der Bank, teilten die Bonitätswächter mit. Es deute aber einiges darauf hin, dass das Geldhaus im Investment-Banking künftig geringere Renditen erwirtschaften werde.

Mit einem „AA-“ Langfristrating kommt die Deutsche Bank aktuell noch auf die viertbeste Note der insgesamten 22-stufigen Fitch-Skala. Das Individualrating, das externe Stützungsmaßnahmen außen vorlässt, stufte Fitch bereits von „B“ auf „B/C“ zurück.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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