Millionen-Deal
Finanzinvestor wildert unter Lebensversicherern

Niedrige Zinsen und schrumpfende Ausschüttungen für Lebensversicherungen schrecken den Finanzinvestor Cinven nicht ab. Das Unternehmen kauft den Anbieter Heidelberger Leben. Und damit soll nicht Schluss sein.
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FrankfurtDer Finanzinvestor Cinven will in Deutschland groß in das Geschäft mit Lebensversicherungen einsteigen. Nach der am Mittwoch verkündeten Übernahme der Heidelberger Leben hält Cinven Ausschau nach weiteren Beständen von Lebensversicherungs-Policen. Zusammen mit dem Rückversicherer Hannover Rück zahlt Cinven 300 Millionen Euro für die frühere MLP Lebensversicherung, die noch der britischen Großbank Lloyds gehört.

Die mit fondsgebundenen Policen groß gewordene Heidelberger Leben soll nun ihr ohnehin schleppendes Neugeschäft - 2012 waren es 41 Millionen Euro - zurückfahren und stattdessen weitere Bestände von Lebensversicherern kaufen, die keine neuen Kunden annehmen oder ihr Neugeschäft einstellen wollen.

Gerade ein Bestand von fondsgebundenen Lebensversicherungen verspricht langfristige stetige Provisionseinnahmen von den Fondsanbietern - ohne das Kapitalmarktrisiko, das Lebensversicherer normalerweise zu tragen haben. "Die neuen Anteilseigner unterstützen die Zukunftspläne der Heidelberger Leben mit zusätzlichem Kapital", erklärte Heidelberger Leben. 25 Millionen Euro sollen als erstes in den Ausbau der Informationstechnik (IT) fließen. Cinven verfolgt damit eine ähnliche Strategie wie zuvor in Großbritannien. Dort hatte die Beteiligungsgesellschaft 2011 den Altersvorsorge-Anbieter Guardian Financial Services vom niederländischen Versicherer Aegon übernommen und den Bestand wenige Monate mit der Übernahme von Pensionsplänen von Phoenix deutlich erweitert.

In den vergangenen Jahren haben mehr als ein halbes Dutzend der über 100 Lebensversicherer in Deutschland das Neugeschäft eingestellt, weil sie keine kritische Masse erreichten oder so schlecht gewirtschaftet hatten, dass sie keine attraktiven Renditen mehr bieten konnten. Dazu gehören die Victoria Leben, die in der Ergo Leben aufgegangen ist, die deutsche Tochter von Delta Lloyd (Hamburger Leben, Berlinische Leben) und die Auffanggesellschaft Protektor, die den Bestand der in Schieflage geratenen Mannheimer Leben übernommen hatten.

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  • Mit diesem M&A-Deal wird die britischen Großbank Lloyds nicht glücklich. Denn bei diesem M&A-Deal wird die britische Bank einen Verlust von ca. 386 Mio. Euro verbuchen. Der M&A-Deal soll vor dem vierten Quartal 2013 abgeschlossen werden und muss noch von der BaFin genehmigt werden. [Quelle: http://www.finance-magazin.de/strategie-effizienz/ma/ma-deals-deutsche-wohnen-cinven-omv/ ]
    Heidelberger Leben gibt es seit 1991 und wurde vom Finanzdienstleister MLP gegründet.

    Gruß,
    W

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