Mitgeschnittene Telefongespräche Der Fall Fazio(s)

Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat Telefongespräche mitgeschnitten, die den italienischen Zentralbankchef, Antonio Fazi, in Bedrängnis bringen.

MAILAND. "Ich habe gerade unterschrieben.“ - „Ah Tonino, ich bin gerührt, ich habe Gänsehaut, ich danke dir, ich danke dir. Tonino, ich würde dir in diesem Moment einen Kuss auf die Stirn geben ...“ Auszüge aus einem Gespräch nach Mitternacht zwischen dem Chef der italienischen Zentralbank, Antonio Fazio, und dem Chef der Volksbank Banca Popolare Italiana, Gianpiero Fiorani. Antonio Fazio – Kosename Tonino - informiert seinen Freund Gianpiero, dass er das Gegenangebot der Volksbank für die Banca Antonveneta genehmigt hat.

Fioranis Angebot hat dazu geführt, dass die niederländische Offerte der ABN Amro für die Banca Antonveneta am vergangenen Freitag erfolglos ausgelaufen ist. Der Fall hat Signalwirkung für die Branche: Ausländische Bieter sind in Italien nicht willkommen.

Die von der Mailänder Staatsanwaltschaft mitgeschnittenen Telefonate, die in mehreren Zeitungen veröffentlicht wurden, lesen sich wie ein Krimi. Fazio, der dem Bankchef Fiorani nahe legt, den Hintereingang zu nehmen. Die Ehefrau des Zentralbank-Gouverneurs, die Fiorani beruhigt und ermuntert, weiterzumachen. Umstrittene Investoren wie Emilio Gnutti und Stefano Ricucci, die mit Fiorani ihre Strategie für die Aktienkäufe bei Banca Antonveneta besprechen.

Für die Mailänder Staatsanwaltschaft waren die Mitschriften Beweis genug, um insgesamt 40 Prozent der Antonveneta-Aktien in den Händen der Banca Popolare und weiterer Investoren zu beschlagnahmen. Die Behörde ermittelt wegen Marktmanipulation, Insider-Trading und Behinderung der Börsenaufsicht im Zusammenhang mit der gesetzeswidrigen Absprache unter Aktionären.

Mit der Veröffentlichung steigt der politische Druck auf den italienischen Zentralbankchef, der in seiner Funktion Chef der Notenbank, der Kreditaufsicht und der Wettbewerbsbehörde für den Finanzsektor in einem ist. Der Anführer der Mitte-Links-Parteien Romano wirft Fazio vor, „nicht als neutraler Schiedsrichter“ gehandelt zu haben und kritisiert die unbefristete Amtszeit des Zentralbankchefs. Auch andere Oppositionspolitiker werfen dem Zentralbankchef Parteilichkeit vor. Der Verbraucherverband der Bankkunden Adusbef sammelt Unterschriften für die Absetzung des Gouverneurs. Auch die Gewerkschaft der Mitarbeiter der Banca d’Italia, Falbi, hat gestern den Rücktritt ihres Chefs gefordert. „Die Mitarbeiter der Banca d’Italia sind bestürzt über die Nachrichten, die sie aus den Zeitungen erfahren“, sagte der Falbi-Vorsitzende Luigi Leone. Von den Regierungsparteien kommt bisher nur vereinzelt Kritik. „Wir haben hier eine äußerst delikate Untersuchung vor uns. Warten wir ab und urteilen dann“, sagte der Landwirtschaftsminister Gianni Alemanno von der Alleanza Nazionale.

Bei Antonveneta haben die beschlagnahmten Aktien schon Wirkung gezeigt: Obwohl der Übernahmeversuch gescheitert ist, konnten die ABN-Amro-Vertreter in Abwesenheit der Fiorani-Anhänger erneut die Mehrheit im Verwaltungsrat stellen.

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