Mittelständler und Bürger klagen
Eine Prozesswelle überrollt die Banken

Fehlberatung und Manipulation lassen die Zahl der Klagen gegen Banken explodieren. Mittelständler und Bürger fordern ihr Recht ein. Und die Banken klagen sogar untereinander. Doch es fehlen Richter und Staatsanwälte.
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FrankfurtDie Banken sorgen für Turbowachstum: nicht in ihrer Domäne, dem Geldgeschäft, sondern beim Anstieg der Gerichtsverfahren. Allein die Zahl der neuen Verfahren, die Anleger wegen möglicher Beratungsfehler der Banken anstrengten, hat sich in den vergangenen zwei Jahren beim Frankfurter Landgericht auf 2284 knapp verdoppelt.

Gerichtspräsident Klaus Scheuer berichtet: „Nur am Silvestertag 2011 erreichten uns zehn Pakete mit insgesamt mehr als 200 Klageschriften.“ Die Bürger und ihre Anwälte fürchteten die Verjährung. Das Landgericht Frankfurt hat drei neue Bankenkammern mit jeweils drei Richtern eingesetzt. Die bereits bestehenden sieben Kammern konnten die dramatisch steigende Zahl von Zivilklagen gegen Banken nicht mehr bewältigen.

Der Trend zur gerichtlichen Aufarbeitung von Finanzkrise und Bankerexzessen überlastet nicht nur die Justiz in der Finanzmetropole Frankfurt. Alle großen Gerichte in Deutschland hätten ihre Kapazitäten massiv ausgeweitet, weil die Zahl der Klagen von Anlegern sprunghaft ansteige, sagt Wolf Bussian von der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells. „Die Zahl der Verfahren hat sich seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 vervielfacht“, sagte er.

Vielerorts kommt es zum Prozessstau. Derzeit fehlen der Justiz nach Einschätzung des Deutschen Richterbundes bundesweit 3000 Richter und Staatsanwälte - nicht zuletzt aufgrund der langwierigen Wirtschaftsverfahren. Das sagt Christoph Frank, der Vorsitzende des Richterbundes, im Handelsblatt-Interview.

Auf der Anklagebank sitzen fast alle namhaften Banken. Die Deutsche Bank etwa hat es mit Klagen von Kommunen und Mittelständlern wie der Ille Papierservice GmbH zu tun, die bei Zinswetten Millionen verloren haben und sich fehlberaten fühlen.

Kommentare zu " Mittelständler und Bürger klagen: Eine Prozesswelle überrollt die Banken"

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  • Ich halte es seit ca. 20 Jahren so, lasse mich von keiner Bank beraten. Ich hatte natürlich auch schon Lehrgeld bezahlt.

  • @ Schweinchenschlau

    Leuten wie dir sollte man gleich aufs maul hauen und wegsperren...
    Ihr seid die Schmarotzer die nicht zu eigenen Fehlern stehen können und deshalb andere in die scheiße reinreiten.
    Schäm Dich!

  • Die Belastung der Gerichte ist hoch. Die causa Lehman aus 2008 ist auch nicht voll abgearbeitet. Klagen wegen der offenen Immobilienfonds stehen vor der Tür. [...] Mit freundlichen Grüßen RA Matthias Schröder
    +++Beitrag von der Redaktion editiert+++

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