Mo, 15.09.2008, 13:05
Neuer Höhepunkt der Finanzkrise: «Schwarzer Montag» für US-Banken

Die Finanzkrise in den USA hat sich am Montag dramatisch zugespitzt und Schockwellen an den weltweiten Börsen ausgelöst. Zwei der größten und traditionsreichsten US- Investmentbanken sind gescheitert.
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Mo, 15.09.2008, 13:05Die Finanzkrise in den USA hat sich am Montag dramatisch zugespitzt und Schockwellen an den weltweiten Börsen ausgelöst. Zwei der größten und traditionsreichsten US- Investmentbanken sind gescheitert. Nach vergeblichen Rettungsversuchen ist die über 150 Jahre alte Bank Lehman Brothers insolvent. Die drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch wurde von der Bank of America aufgekauft. Weltweit gingen die Börsen auf Talfahrt. Notenbanken und Finanzbehörden standen bereit, zur Stabilisierung der Märkte einzugreifen. Zehn internationale Bankkonzerne, darunter die Deutsche Bank, legten einen 70 Milliarden Dollar schweren Unterstützungsfonds auf, um sich gegenseitig auszuhelfen.

Der Deutsche Aktienindex DAX fiel am Montag auf den tiefsten Stand seit Oktober 2006. Der Leitindex sackte kurzzeitig unter die wichtige Marke von 6000 Punkten, noch vor gut einem Jahr hatte er bei knapp über 8150 Punkten einen Rekordstand erreicht. Besonders Banken- und Versicherungstitel sackten ab. Die Aktienmärkte in Frankreich, Großbritannien und Russland verbuchten am Montag herbe Verluste, in Asien reagierten die Börsen ebenfalls mit einem kräftigen Minus. Als «schwarzer Montag für US-Banken» werteten Commerzbank-Analysten die Zuspitzung der Finanzkrise.

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss laut Notenbankchef Jean- Claude Trichet angesichts der derzeitigen Lage an den Finanzmärkten «außergewöhnlich wachsam» sein. Man werde alles tun, um ein ordentliches funktionieren der Finanzmärkte sicherzustellen. Mehrere Notenbanken, darunter die Bank of England, versuchten am Montag mit milliardenschweren Liquiditätsspritzen, die Geld- und Finanzmärkte zu beruhigen. Die Europäische Zentralbank (EZB) versorgte die Geschäftsbanken des Euroraums am Montag kurzfristig mit liquiden Mitteln von 30 Milliarden Euro.

Das Gesicht der amerikanischen Finanzbranche hat sich auf einen Schlag komplett verändert: An der Wall Street gibt es mit Goldman Sachs und Morgan Stanley nur noch zwei unabhängige Investmentbanken statt fünf vor einem halben Jahr.

Lehman Brothers, die viertgrößte amerikanische Investmentbank, beantragte Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts. In dem Verfahren kann sie zunächst einmal ihre Geschäfte weiterführen, ohne von ihren Geldgebern überrannt zu werden. Die verzweifelten Rettungsbemühungen für Lehman Brothers scheiterten letztlich daran, dass die US-Regierung in anderen Fällen geleistete Staatshilfen ausschloss und die Branche nicht bereit war, die milliardenschweren Risiken zu übernehmen. Das Problem von Lehman waren vor allem vom Ausfall bedrohte Kreditpapiere aus dem Immobiliensektor.

Die drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch wurde in der Nacht zum Montag von der Bank of America aufgefangen. Die Lage bei Merrill war nicht so akut wie bei Lehman Brothers, sie litt jedoch auch unter Milliardenverlusten und fallenden Aktienkursen. Die Bank of America, die lange auch als Retter für Lehman umworben wurde, zahlt für Merrill Lynch rund 50 Milliarden Dollar in Aktien.

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Auswirkungen der Krise auf den deutschen Markt „verkraftbar“

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