Mobiles Bezahlen Der Geldbote bleibt zu Hause

Eigentlich sollte der Geldbote, das Handy-zu-Handy-Zahlsystem von Sparkassen und Volksbanken, längst gestartet sein. Jetzt aber kommt alles anders: Die Sparkassen beginnen mit einer eigenen Zahlfunktion namens Kwitt.
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Bei den Sparkassen sind bald Handy-zu-Handy-Zahlungen möglich. 4,5 Millionen Kunden nutzen die Banking-App bereits. Quelle: dpa
Sparkassen-Rot

Bei den Sparkassen sind bald Handy-zu-Handy-Zahlungen möglich. 4,5 Millionen Kunden nutzen die Banking-App bereits.

(Foto: dpa)

Frankfurt Was in einigen anderen Ländern schon üblich ist, steckt in Deutschland noch in den Anfängen: das Bezahlen mit Smartphone. Bei Handy-zu-Handy-Zahlungen wollten die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken gemeinsam aufholen und zusammen die Bezahlfunktion „Geldbote“ starten. Nun aber gehen Sparkassen und Volksbanken doch nicht gemeinsam an den Start.

Die Sparkassen haben angekündigt an, dass mit dem nächsten Update ihrer Banking-App am 28. November die Zahlfunktion „Kwitt“ kommt. Sparkassenkunden, die die Banking-App nutzen, können dann Geld über Smartphone versenden. Bei Beträgen bis zu 30 Euro funktioniert das sogar ohne Transaktionsnummer (Tan).

Dem Vernehmen nach gab es aus Sicht von Sparkassen und Genossenschaftsbanken noch kartellrechtliche Fragen, die wider Erwarten nicht endgültig geklärt wurden. Ein Sprecher des Kartellamts bestätigte, dass beide in Sachen Geldbote vorgefühlt hätten, und die Behörde noch Nachfragen gehabt habe. Das hat Sparkassen und Genossenschaftsbanken offenbar von dem geplanten Gemeinschaftsprojekt abgebracht.

Investments, Namen und Kooperationen 2017
ING startet Fintech-Fonds
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Die niederländische Bank ING hat am 25. Oktober bekannt gegeben, dass sie den 300-Millionen-Euro schweren Fonds ING Ventures gestartet hat, um damit in Fintechs zu investieren. Mit Fintechs zu kooperieren und in sie zu investieren gehöre zum Kern ihrer Innovationsstrategie. Weltweit hat die Bank nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren bereits 115 strategische Partnerschaften und Investments getätigt.

Deutsche Bank startet Digi-Venture-Fonds
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Die Deutsche Bank beteiligt sich mit knapp 25 Prozent am Fintech Dwins. Es ist das erste Investment des neuen Digi-Venture-Fonds der Privatkundensparte. Der Fonds soll in strategisch interessante Finanztechnologie-Unternehmen investieren und ist aktuell mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausgestattet. Ab Dezember sollen Deutsche Bank-Kunden den von Dwins entwickelten Finanzplaner „Finanzguru“ exklusiv nutzen können...

N26 will in die USA expandieren
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Die Smartphone-Bank N26 will ab Mitte 2018 in den US-Markt eintreten und Kunden dort ein Girokonto mit Karte, Überweisungen, Barabhebungen sowie einem speziellen Kundenbindungsprogramm anbieten. Nach Angaben des Berliner Finanztechnologie-Start-ups können sich US-amerikanische Kunden ab sofort in eine Warteliste eintragen. „Die USA sind ein spannender Markt für N26, der uns große Möglichkeiten eröffnet“, sagte Gründer und Geschäftsführer Valentin Stalf, der die Pläne am 23. Oktober in Las Vegas vorstellte...

Bux sammelt 10,6 Millionen Euro ein
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Die niederländische Börsen-App Bux hat 10,6 Millionen Euro von einem Investorengremium um den deutschen Fonds Holtzbrinck Ventures eingesammelt. Bux widmet sich einem sehr deutschen Problem: der weit verbreiteten Angst vor Aktien. Gründer Nick Bortot (Foto) will vor allem jungen Leuten die Börse spielerisch näherbringen. Das Amsterdamer Start-up soll bereits 1,2 Millionen Nutzer haben, ein Drittel davon in Deutschland und Österreich...

JP Morgan übernimmt WePay
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JP Morgan hat den Zahlungsdienstleister WePay übernommen. Wie am 18. Oktober bekannt wird, will die größte US-Bank damit wohl rund vier Millionen kleine Unternehmen besser in den hauseigenen Zahlungsverkehr integrieren...

Compeon erhält zwölf Millionen Euro
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Der auf Firmenkunden spezialisierte Kreditvermittler Compeon sammelt zwölf Millionen Euro ein. Wie die Vermittlungsplattform für Unternehmensfinanzierungen am 12. Oktober meldet, stammt das Geld von seinen Altinvestoren. Angeführt wurde die zweite Finanzierungsrunde von Tengelmann Ventures. Beteiligt sind daneben auch btov Partners und Dieter von Holtzbrinck Ventures – letztere gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt. Compeon bezeichnet sich selbst als Marktführer unter den digitalen Plattformen für gewerbliche Finanzierungen und kooperiert mit mehr als 220 Banken, Fördermittelanbietern und Spezialfinanzierern. Gegründet wurde das Fintech von Nico Peters, Frank Wüller und Kai Böringschulte (Foto: von links). Die Plattform ging Mitte 2013 an den Markt.

Element bekommt Bafin-Lizenz
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Das von dem Berliner Company-Builder Finleap gegründete Start-up „Element“ hat für sein Versicherungsgeschäft eine Lizenz von der Finanzaufsichtsbehörde Bafin erhalten. Wie das Fintech am 11. Oktober meldet, gilt die Erlaubnis für Schaden- und Unfallversicherungen, was Sach-, Haftpflicht-, Unfall- und Rechtsschutzversicherungen sowie das Reisegeschäft einschließt. Als möglichen Partner nennt Element neben anderen Start-ups aus der Versicherungsbranche – sogenannten InsurTechs – auch etablierte Marken und Händler sowie klassische Versicherungen und Vermittler. Geschäftsführer Sascha Herwig (links im Bild, mit Wolff Graulich und Henning Groß) war zuletzt Bereichsleiter bei der Nürnberger Versicherung.

Die Genossenschaftsbanken basteln ihrerseits an einer Geldtransferfunktion in ihrer Banking-App und testen diese derzeit. Spätestens im ersten Quartal 2017 solle sie allen Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken verfügbar sein, sagte eine Sprecherin des genossenschaftlichen IT-Dienstleisters Fiducia & GAD. Mittelfristig solle es auch eine Verbindung zu anderen Handy-zu-Handy-Bezahlverfahren geben.

Daran halten auch die Sparkassen fest: „Wir wollen dieses System auch für andere Finanzdienstleister und deren Kunden öffnen und damit zum allgemeinen Marktstandard machen, nachdem eine Kooperation mit den Genossenschaftsbanken rechtlich zurzeit nicht möglich scheint“, sagte Joachim Schmalzl, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.

Das sind die zehn größten Fintech-Firmen
Platz 10: OurCrowd
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Die Finanzdienstleistungsbranche steht infolge der Digitalisierung im Wettbewerb mit Start-ups aus der Internetwelt. Sieben der 50 erfolgreichsten Fintech-Firmen kommen aus China. Dies geht aus dem Ranking „Fintech 100“ hervor, das die Unternehmensberatung KPMG und die Investmentgesellschaft H2 Ventures für das Jahr 2015 erstellt haben. Doch auch deutsche Unternehmen sind vertreten.

Den Reigen der Top Ten eröffnet demnach OurCrowd, der weltweit führende Wagniskapitalgeber mit Sitz in Jerusalem. Das Unternehmen, das 2013 gegründet wurde, ermöglicht Investoren auf der ganzen Welt den Zugang zu und das Investment in vielversprechende Start-ups. Gründer Hon Medved zufolge haben bislang rund 1.500 Geldgeber insgesamt 170 Millionen Dollar in 80 Technologiefirmen investiert.

Platz 9: Klarna
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Das schwedische Unternehmen Klarna bietet Zahlungslösungen für Onlineshop-Betreiber in 18 Ländern an. Auch in Deutschland ist es möglich über „Klarna“ zu bezahlen. Das im Jahr 2005 gegründete Unternehmen ist derzeit 2,25 Milliarden Dollar wert.

Platz 8: Atom
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Im Jahr 2014 gegründet, hat sich die britische Atom Bank zur Aufgabe gemacht, die Bankenbranche zu verändern. Das Ziel könnte bald erreicht werden: Bereits jetzt wird der Finanzdienstleister mit dem Online-Vermittlungsdienst Uber verglichen, der die Taxibranche aufmischte. Erst kürzlich hat die spanische BBVA 68 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert.

Platz 7: Avant
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Der im Jahr 2012 gegründete Finanzdienstleister AvantCredit bietet seinen Kunden Privatdarlehen an. Das Unternehmen konnte im Jahr 2014 Investitionen in Höhe von 75 Millionen Dollar verbuchen.

Platz 6: Kreditech
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Die Aufbauleistung der Kreditech-Gründer ist beachtlich: Sebastian Diemer und Alexander Graubner-Müller haben in nur drei Jahren eines der wenigen deutschen Startups hochgezogen, das auch international wahrgenommen wird. Ende September verkündete das Unternehmen, im Rahmen der dritten Finanzierungsrunde bislang umgerechnet 85 Millionen Dollar eingesammelt zu haben. Das Startup gilt als heißer Börsenkandidat, doch das Geschäftsmodell ist umstritten. Zuletzt räumte Diemer seinen Posten als CEO.

Platz 5: Funding Circle
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Die Internet-Konkurrenz der Banken wächst rasant. Neben der US-amerikanischen Plattform Lending Club zählt Funding Circle zu den bedeutenden internationalen Spielern. Seit Oktober steht fest, dass das Unternehmen zudem den schnell wachsenden deutschen Online-Marktplatz für Unternehmenskredite, Zencap, übernimmt. Funding Circle wurde 2010 gegründet und hat nach eigenen Angaben in fünf Jahren Kredite in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vermittelt.

Platz 4: Qufenqi
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Die Kreditvergabe-Plattform bietet monatliche Ratenzahlungslösungen für Studenten und Berufstätige in China – und das mit Erfolg. Die meisten Investments in Asien flossen im vergangenen Jahr unter anderem in Qufenqi: 100 Millionen Dollar.

Auf dem Markt für Handy-zu-Handy-Zahlungen tummeln sich bereits mehrere Finanz-Start-ups, auch Fintechs genannt. Wie schwierig es aber ist, sich hier zu behaupten, zeigt das Beispiel Cookies. Das Berliner Fintech, das mit seinem Angebot erst im August gestartet war, hat einen Insolvenzantrag gestellt.

Neben Cookies gibt es mit Cringle, Avuba und Lendstar weitere Fintechs, über deren Apps man an Handykontakte Geld senden kann. Auch der Online-Bezahldienst Paypal hat eine entsprechende Funktion.

An der Ladenkasse wird in Deutschland bisher noch fast gar nicht mit dem Smartphone gezahlt, es geht in vielen Geschäften auch gar nicht. Ein Grund dafür, dass Handy-Zahlungen so wenig populär sind und es auch kaum Angebote gibt, ist die Bargeldliebe der Deutschen. Mehr als die Hälfte aller Umsätze im Einzelhandel werden mit Scheinen und Münzen beglichen. Zudem kann man relativ bequem mit der EC-Karte zahlen.

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1 Kommentar zu "Mobiles Bezahlen: Der Geldbote bleibt zu Hause "

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  • Total sinnvoll wieder ein neues Bezahlsystem starten zu wollen. Beim Bezahlen geht es um Einheitlichkeit und Einfachheit - nicht um viele verschiedene Systeme. Die bekommen nie die kritische Masse.
    Wenn die deutschen Banken nicht aufpassen, macht Apple Pay oder Google Pay das Rennen. ! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich !

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