Mögliche Verwicklung
Deutsche-Bank-Mitarbeiter stolpern über CO2-Verfahren

Eine Handvoll Mitarbeiter soll laut Finanzkreisen vom deutschen Bankhaus freigestellt worden sein. Den Bankern wird vorgeworfen bei einem groß angelegten Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten beteiligt gewesen zu sein.
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FrankfurtDie Deutsche Bank hat Finanzkreisen zufolge gut eine Handvoll Mitarbeiter wegen deren mutmaßlicher Verwicklung in einen groß angelegten Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten suspendiert. Von ihnen gehörten zumindest einige zu den sieben Beschäftigten des Bankhauses, gegen die seit mehr als zwei Jahren in der Sache ermittelt wird, sagte ein Insider Reuters am Donnerstag. Auch die "Süddeutsche Zeitung" hatte über den Vorgang berichtet.

Die Deutsche Bank äußerte sich nicht zu den Informationen. Ein Sprecher verwies auf den von der neuen Führungsspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen proklamierten "Kulturwandel". Für die Bank sei nicht alles legitim, was nicht verboten sei. Wann die Mitarbeiter freigestellt wurden, blieb unklar. Entlassen worden seien sie nicht, hieß es in den Kreisen.

Sechs CO2-Händler waren in einem Mammutverfahren im Dezember 2011 vom Frankfurter Landgericht zu teilweise langjährigen Haftstrafen wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. In vier Fällen sei Revision zum Bundesgerichtshof eingelegt worden, sagte ein Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. In der Verhandlung hatten die Angeklagten zum Teil schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank erhoben. Die Bank hatte den Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten zur Luftverschmutzung aktiv gefördert, obwohl früh klar war, dass er von vielen Händlern für Steuerbetrügereien missbraucht wurde. Oberstaatsanwalt Thomas Gonder hatte gesagt, die Deutsche Bank habe es den Betrügern zu einfach gemacht. Zwei Beschäftigte hatten in dem Verfahren die Aussage verweigert.

Bei den Steuerkarussellen wurden die Zertifikate zwischen Deutschland und dem Ausland hin- und hergeschoben, um ungerechtfertigte Steuer-Erstattungen zu erhalten. Dabei wurden die Papiere regelmäßig über die Deutsche Bank ins Ausland transferiert. Die Bank hatte bereits im vergangenen Jahr auf Umsatzsteuerforderungen von 310 Millionen Euro vorläufig verzichtet.

Weitere Anklagen gibt es bisher nicht, obwohl auf der Liste der Staatsanwaltschaft immer noch 170 Beschuldigte stehen. "Die Ermittlungen gegen die weiteren Beschuldigten, darunter sieben von der Deutschen Bank, gehen weiter", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde. "Sie sind umfangreich und nicht einfach, werden aber massiv vorangetrieben." Die Ermittlungsergebnisse hatten sich schon im ersten Prozess auf 200.000 Blatt Papier summiert. Der Sprecher betonte, Führungskräfte der Deutschen Bank seien nicht im Visier der Staatsanwaltschaft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Mögliche Verwicklung: Deutsche-Bank-Mitarbeiter stolpern über CO2-Verfahren"

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  • Warum regt sich eigentlich jemand darüber auf? Schließlich wurde der Klimalügen-industrielle Komplex extra von der Finanzindustrie erfunden und finanziert - um damit die Monetarisierung von Luft (aka CO2) zu ermöglichen.
    In den USA haben sie diese Idee übrigens inzwischen weitgehend aufgegeben, auch die Deutsche Bank hat kürzlich ein entsprechendes Team aufgelöst (vielleicht das selbige). Nur die Qualitätsjournalisten in Deutschland haben noch keinen Wink bekommen.

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