Monatsbericht der Bundesbank Weber sorgt sich um kleinere deutsche Banken

Das deutsche Finanzsystem hat sich nach Ansicht von Bundesbankpräsident Axel Weber bis in die jüngste Vergangenheit hinein weiter stabilisiert.

HB FRANKFURT. Die vier Großbanken hätten vor allem auf Grund guter Geschäfte im Investment-Banking zu den internationalen Konkurrenten deutlich aufgeschlossen, sagte Weber im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten im Vorgriff auf den nächsten Monatsbericht der Bundesbank. Bei den kleineren Kreditinstituten, die mit ihren Erträgen von der Zinsentwicklung abhingen, sei dagegen keine dauerhafte Ertragsverbesserung festzustellen. Am 18. September veröffentlicht die Bundesbank ihre jährliche Auswertung der Ertragslage der Banken.

Vor zwei Jahren seien die vier Großbanken mit einer Eigenkapitalrendite nach Steuern von durchschnittlich zwei Prozent noch stark hinter den rund 22 Prozent ihrer ausländischen Konkurrenten zurückgeblieben, erläuterte Weber. 2005 hätten sie bereits eine Eigenkapitalrendite von durchschnittlich 11,7 Prozent erzielt. Gleichwohl misstraut der Bundesbankchef der Nachhaltigkeit dieses Erfolgs. Kapitalmarkttransaktionen, einschließlich Fusionen und Übernahmen, seien ein schwankungsanfälliges Geschäft – und davon lebt das Investment-Banking.

Die Zinsen haben hingegen, weil sie so niedrig sind, keinen maßgeblichen Beitrag zur Ertragsentwicklung der Banken geleistet, berichtete Weber. Bei den kleineren Instituten sei daher auch noch keine dauerhafte Verbesserung festzustellen. Ihre Erträge hätten vor allem von einer rückläufigen Risikovorsorge profitiert. Hier gelte es, neue Ertragsperspektiven zu entwickeln. Der Bundesbankchef stellte zudem klar, dass der Zinserhöhungszyklus der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht notwendigerweise zum Jahresende abgeschlossen sei. „Es gibt keinen Beschluss, dass wir die Normalisierung der Zinsen zum Jahresende beenden werden“, sagte er. Die Konjunktur stehe zunehmend auf eigenen Beinen. Sollten sich die derzeit bestehenden Risiken materialisieren, bestehe weiterer Handlungsbedarf. Ein realer Zins (Leitzins minus Inflation) von zurzeit rund 0,5 Prozent sei immer noch Zeichen einer lockeren Geldpolitik.

Die Märkte gehen überwiegend davon aus, dass die EZB ihren Leitzins von jetzt drei Prozent im Oktober und Dezember um jeweils 25 Basispunkte auf dann 3,50 Prozent anheben wird. Viele Volkswirte bezweifeln eine weitere Straffung, weil sie die jüngste Wachstumsprognose der EZB für zu optimistisch und die Inflationsprognose für zu pessimistisch halten. Die EZB hatte kürzlich ihre Wachstumsprognose für 2006 auf 2,5 und für 2007 auf 2,1 Prozent und die Inflationsprognose für beide Jahre auf 2,4 Prozent angehoben.

Das sei nicht übermäßig optimistisch, sagte Weber. Für das zweite Halbjahr gehe die EZB unverändert von rund zwei Prozent Wachstum aus, nur das relativ starke erste Halbjahr habe zur Anhebung der Prognose 2006 geführt.

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