Monte dei Paschi
Atempause für die Krisenbank

Monte dei Paschi bekommt angeblich einen Monat mehr Zeit für den Sanierungsplan plus Kapitalerhöhung. Der Euro-Rettungsfonds ESM dementiert einen Bericht über eine Anfrage aus Rom für einen Milliardenkredit.
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Rom/MailandDer Krimi um die angeschlagene italienische Krisenbank Monte dei Paschi geht in eine neue Runde. Am Mittwochnachmittag trifft sich in Mailand der Verwaltungsrat der Bank. Bankchef Mario Morelli wird dort von seiner Reise nach Frankfurt zur Europäischen Zentralbank (EZB) berichten.

Die Sanierungspläne der Bank, die am schlechtesten beim EBA-Stresstest im Sommer abgeschlossen hatte und die am Markt fünf Milliarden Euro an frischem Kapital einsammeln muss, sind durch die politische Krise in Rom in Trudeln geraten. Entscheidungen hängen davon ab, wann es eine neue Regierung gibt nach dem Rücktritt von Matteo Renzi, der für Donnerstag oder Freitag erwartet wird.

Bei der EZB habe Morelli am Dienstag einen Monat Aufschub erhalten für Rettungsplan und Kapitalerhöhung, schreiben italienische Medien. Eine Bestätigung gibt es nicht. An der Sitzung habe auch Danièle Nouy teilgenommen, die Chefin der europäischen Bankenaufsicht (SSM). An der Börse in Mailand schnitt Monte dei Paschi erstaunlich gut ab. Die gesamte Branche konnte ein Plus verzeichnen.

Aber in Ermangelung von Fakten wuchern Gerüchte. Gleich doppelt dementiert wurde eine Meldung, dass Italien einen Milliardenkredit beim Euro-Rettungsfonds (ESM) beantragen will zur Stützung des Bankensektors.  Italien bereite keine solche Anfrage vor, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Rom am Mittwoch. Und auch aus Luxemburg meldet der Rettungsfonds postwendend, es gebe keine Anfrage aus Italien und keine Diskussion.

Die Turiner Tageszeitung „La Stampa“ hatte berichtet, die Regierung in Rom stehe kurz davor, beim ESM einen Kredit zu beantragen – nicht nur für Monte dei Paschi, sondern für den gesamten Sektor und das in einer Höhe von 15 Milliarden Euro.

„Wir sehen die Entwicklung jetzt als eine Atempause, sagte Marcello Clarich, Präsident der Stiftung Monte dei Paschi, die einen Anteil von 0,7 Prozent an der Bank aus Siena hält. Großaktionär ist seit dem Sommer nach dem Rückzug des Fonds Fintech Advisory das römische Wirtschafts- und Finanzministerium mit 4,02 Prozent. Und ausgerechnet  Ressortchef Pier Carlo Padoan ist als Übergangspremier im Gespräch. Der Löwenanteil der Anteilseigner von Monte dei Paschi sind die Kleinsparer, die das politische Rom verschonen will.  

Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass der Plan für das so genannte „burden sharing“ im Finanzministerium in der Schublade liege, um die seit Jahresbeginn geltende Gläubigerbeteiligung zu vermeiden. Es wäre das erste Mal, dass in Europa der Hilfsmechanismus der Bankenabwicklungsrichtlinie (BRRD) angewandt wird. Paragraph 32 sieht vor, dass der Staat eingreifen kann, wenn die Stabilität des Finanzsystems eines Landes gefährdet ist.

Nur eine der drei Säulen des Rettungsplans der Bank aus Siena ist bislang definitiv: Der Aktientausch hat 1,028 Milliarden Euro eingebracht, wie Monte dei Paschi der Bankenaufsicht offiziell mitgeteilt hat. An dem Tausch hatte sich auch der Versicherer Generali beteiligt.

Ankerinvestoren wie der Staatsfonds von Katar, die mit einer Milliarde Euro einsteigen wollen, stehen bereit und warten, wie sich die politische Lage in Italien entwickelt – an der das Schicksal der Bank hängt.

Regina Krieger
Regina Krieger
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Monte dei Paschi: Atempause für die Krisenbank"

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  • es gibt viele Beispiele, dass es doch "anders" kam:

    z.B. (was mir gerade spontan einfällt):
    Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten
    Der €uro wir so stabil wie die DM
    Mit mir wird es keine PKW-Maut geben
    Niemandem wird wegen der "Flüchtlinge" etwas weggenommen - der Staat hat gut gewirtschaftet

    Die Realitäten werden früher oder später nicht aufzuhalten sein......

  • EURO (Dauer) Krise, Brexit Krise, Flüchtlingskrise.

    Im Krisen erschaffen sind diese EU und die Berliner Bande ein Naturtalent.

    Wer soetwas noch mit seiner Wahlstimme unterstützt, dem sollten die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen werden.

  • Italien dementiert. Also istdie Meldung wahr.

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