Monte dei Paschi

Darum ist die älteste Bank der Welt so gefährlich

Die Märkte fürchten eine neue Bankenkrise. Im Mittelpunkt steht die älteste Bank der Welt: Monte dei Paschi di Siena. Dabei ist die Bank eher klein. Warum zittert Europa trotzdem vor dem Geldhaus?
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Die Monte dei Paschi ist eine kleine Bank – ungefährlich ist sie dennoch nicht. Quelle: AFP
Das Fundament bröckelt

Die Monte dei Paschi ist eine kleine Bank – ungefährlich ist sie dennoch nicht.

(Foto: AFP)

DüsseldorfDer bisherige Außenminister Paolo Gentiloni ist als Übergangs-Ministerpräsident Italiens noch nicht ganz im Amt, da droht ihm schon die Zeit davonzulaufen. Denn der Sozialdemokrat findet auf seinem Schreibtisch im Palazzo Chigi ein Dossier vor, das sein Vormieter und Mentor Matteo Renzi, der am Wochenende dort auszog, nach allen Regeln der Kunst verschleppt hat: die ungelöste Krise der Banca Monte dei Paschi – älteste Bank der Welt, drittgrößte Bank Italiens und nach allem was man zu Beginn dieser Woche weiß, der derzeit größte Krisenherd an Europas Finanzmärkten.

Gentiloni scheint zum Äußersten gehen zu wollen. Notfalls soll der italienische Staat der angeschlagenen Bank unter die Arme greifen und sie mit frischem Geld ausstatten, sagte ein Insider am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. „Es gibt Zuversicht im Wirtschaftsministerium, dass Monte dei Paschis Kapitalsuche erfolgreich sein kann“, sagte der Insider. „Sollte das Vorhaben scheitern, würde der Staat eine vorsorgliche Rekapitalisierung vornehmen. Der Fortbestand der Bank und der Spareinlagen der Kunden werden unter allen Umständen gesichert.“ Die Aktionäre jubelten. Papiere von Monte dei Paschi verteuerten sich am Montag um zeitweise mehr als zehn Prozent.

Für Gentioloni ist die Bankenkrise in Italien Wohl und Wehe zugleich: Der 62-Jährige wurde dem Vernehmen nach nur Interims-Regierungschef bis zu möglichen Neuwahlen in 2017, weil Staatspräsident Sergio Mattarella angesichts der sich zuspitzenden Bankenkrise schnell eine vertrauenserweckende Technokraten-Lösung brauchte. Der als Favorit gehandelte Finanzminister Pier Carlo Padoan sollte nicht aus seiner Rolle als oberster Troubleshooter in Italiens Bankenkrise das Amt wechseln.

Gleichzeitig ist für Gentiloni wenig zu gewinnen in der Bankenfrage: „Entweder macht er es den Europäern recht oder den Italienern – beides geht eigentlich nicht“, sagt Erik Jones, Chef des Johns Hopkins Institut Bologna und wirtschaftlicher Berater der sozialdemokratischen Regierung.

Um was geht es nochmal?

Im Sommer forderte die Europäische Zentralbank die Banca Monte dei Paschi auf, bis Jahresende fünf Milliarden Euro frisches Kapital aufzutreiben. Damit sollte dem enormen Anstieg fauler Kredite in der Bilanz Rechnung getragen werden. Von etwa 110 Milliarden Euro Kreditvolumen gelten laut EZB mindestens 47 Milliarden als akut ausfallgefährdet. Seitdem die Eurozone zu Beginn des Jahres die Regeln änderte, darf diese Kapitalerhöhung nicht mehr über den Staat erfolgen. Kriselt eine Bank, müssen zuerst private einspringen.

Ein Bankenkonsortium unter Leitung der amerikanischen Bank JP Morgan und der italienischen Mediobanca machte sich daran, einen privaten Rettungsplan umzusetzen. Es wurde nachrangige Anleihen in Aktien umgetauscht und immer mal machten Gerüchte von neuen privaten Ankerinvestoren die Runde: Mal sollte es JP Morgan selbst sein, mal der Investmentfonds aus Qatar. Fakt ist: Bisher floss kein Geld und die Zeit ist knapp. Der im Sommer neu eingesetzte Chef Marco Morelli beantragte deswegen vergangene Woche eine Verlängerung der Frist bei der Europäischen Bankenaufsicht. Die aber wurde abgelehnt. Morelli bleiben nun 18 Tage, um fast vier Milliarden Euro aufzutreiben.

Warum ist das Thema politisch so brisant?
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18 Kommentare zu "Monte dei Paschi: Darum ist die älteste Bank der Welt so gefährlich"

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  • Die Verschleppungen waren doch dazu gedacht, den Crash so lange rauszuziehen, bis die Bankenunion unter Dach und Fach ist.
    Dann hätte Merkel auch die ausländischen Banken retten können, natürlich mit deutschem Steuergeld, weil die anderen Staaten pleite sind und das Geld im Fond der Bankenunion natürlich bei weitem nicht reicht.....
    Wie war der Plan der USA seit hundert Jahren und im übrigen der Grünen, wohl auch der SPD und der CDU....
    Kapitalabfluss aus Deutschland, um jeden Preis, egal für was, Hauptsache weg. Das hat ja auch unser ehemaliger Minister Fischer mal so gesagt....das Zitat kann jeder selber im Netz suchen.

  • Diskussion um ein Problem das bereits gelöst ist !

    Mehr Buchgeld
    Euro weiter abwerten
    Bargeld abschaffen

    und gut ist !

  • Haben wir Investoren doch ein paar Schulden nicht beglichen. Nun muß gerettet werden mit fischen Steuergeld, damit wir wieder investieren können, Arbeitsplätze schaffen und natürlich Dividenden dafür bekommen. Wo bleiben die EU-Räte mit dem Steuergeld, es eilt ich brauche frisches Geld. Ha Ha Ha so läuft es rund.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • "..........das sein Vormieter und Mentor Matteo Renzi, der am Wochenende dort auszog, nach allen Regeln der Kunst verschleppt hat: die ungelöste Krise......."

    Vertuschen, verschleppen, verschleiern: die hohe Kunst der heutigen "Eliten" in Politik und Medien

    Jeder weiß, dass die Finanzkrise nicht gelöst war und ist. Mit Italien steht nun der nächste Pleitekandidat vor der Tür. Also weitere Rettungsgipfel, wo sich Mutti Merkel wieder als Krisenmanagerin "beweisen" kann. Die dürften in nicht all zu ferner Zeit ganz "überraschend" anstehen.

  • @harald trautmann

    Ich plappere generell nichts nach, was ich irgendwo gelesen habe, sondern denke selber.

  • @ Ebsel

    Hier lesen:
    http://www.finanzen.net/nachricht/private-finanzen/Deutsche-meiden-Aktien-Immer-weniger-Aktionaere-in-Deutschland-3342530

  • @harald trautmann "9 Mio. Deutsche sind in Aktien investiert! Und diese 9 Mio. ... diktieren den restlichen 73 Mio., ..., wie sie leben und arbeiten und was man denen weiter zumuten kann."
    Sorry, aber waren Sie selbst schon einmal Aktionär oder wo haben Sie ihre Weisheit gefunden?

  • Wieviele von den 82 Mio. Menschen hier im Land sind eigentlich in Aktien investiert und an den Märkten aktiv?
    Ich sags euch, knapp 9 Mio. Deutsche sind in Aktien investiert!
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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