Monte dei Paschi
EZB verschärft italienische Bankenkrise

Die Krisenbank Monte dei Paschi will mehr Zeit für ihren Rettungsplan – darauf pochen auch potenzielle Investoren. Doch die EZB lehnt ab. Die Aktie rauscht in den Keller. Jetzt könnte es wirklich eng werden.
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MailandDer italienischen Krisenbank Monte dei Paschi rennt die Zeit davon. Die EZB-Bankenaufsicht lehnte nach Informationen einer mit den Vorgang vertrauten Person vom Freitag die Anfrage des Instituts ab, ihr mehr Zeit zu geben, bei Investoren Geld für eine nötige Kapitalspritze einzusammeln. Monte dei Paschi hat wegen der Regierungskrise in Italien um eine Fristverlängerung bis zum 20. Januar gebeten. Die Rettung soll bis Jahresende erfolgen. Die EZB wollte die Berichte nicht kommentieren. Eine Bestätigung gab es auch von MPS nicht.

Mit der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) nimmt nun der Druck auf die Regierung in Rom zu, selbst einzugreifen und die drittgrößte Bank des Landes zu retten. Denn es besteht die Gefahr, dass das Geldhaus aus der Toskana sonst abgewickelt werden müsste.

Solch ein Eingreifen des Staates könne sehr schnell erfolgen - dies sei innerhalb von Tagen denkbar, sagten Insider aus der Finanzbranche und Regierungskreise. Am Freitag traf sich Regierungskreisen zufolge Monte-Paschi-Chef Marco Morelli mit Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan sowie Vertretern der Banken JP Morgan und Mediobanca. Verwaltungsratschef Alessandro Falciai sagte, er sei überhaupt nicht besorgt angesichts der aktuellen Lage der Bank.

Die Aktien gaben bis zum frühen Nachmittag um bis zu 14 Prozent nach, der Handel wurde zeitweise ausgesetzt. Der Kurs notierte am Nachmittag bei 19,31 Euro. Vor zwei Wochen hatte das Unternehmen die Aktien 100:1 zusammengelegt. Ohne diesen Schritt würde die Aktie bei 19 Cent notieren.

Italienische Banktitel lagen flächendeckend über vier Prozent im Minus. Auch die Deutsche Bank kann sich dem nicht entziehen und notiert drei Prozent im Minus – wie viele europäische Bankwerte. Der Gesamtmarkt hingegen notiert weiter leicht im Plus.

Potenzielle Investoren der schwer angeschlagenen Bank hatten auf mehr Zeit gedrängt. Mehrere Investmentbanken halten den Fahrplan für zu knapp bemessen. Auch mangele es an interessierten Investoren. Ein Konsortium von Investmentbanken muss darüber entscheiden, ob es bei der Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro mitmachen will. Die Führung von Monte dei Paschi hat sich Regierungsvertretern zufolge inzwischen mit dem italienischen Wirtschaftsminister sowie Vertretern der Banken JPMorgan und Mediobanca getroffen.

Das Geldhaus aus der Toskana ächzt unter einem Milliardenberg fauler Kredite und braucht dringend frisches Kapital. Der Rettungsplan war ursprünglich bis Ende Dezember angelegt und setzte auf eine privatwirtschaftliche Lösung: Die älteste Bank der Welt wollte am Markt fünf Milliarden Euro einsammeln – über eine Kapitalerhöhung und einen Anleihetausch. Doch die Suche nach neuen Ankerinvestoren gestaltete sich zuletzt wegen der Regierungskrise schwieriger als erwartet.

Möglich ist jetzt eine Teilverstaatlichung. Spielraum für eine solche Lösung gibt es: Die Verordnungen der Europäischen Union lassen prinzipiell eine „vorsorgliche Rekapitalisierung“ einer Bank durch den Staat zu, um eine drohende Schieflage abzuwenden.

Insidern zufolge könnte das Finanzministerium in Rom Nachrang-Anleihen von etwa 40.000 Kleinanlegern aufkaufen und diese Bonds dann in Aktien umwandeln. Damit würde der Staatsanteil an der Bank von derzeit vier auf bis zu 40 Prozent steigen. Bis zum Wochenende sei eine solche Transaktion - insgesamt zwei Milliarden Euro schwer - durchaus möglich, hatte es zuletzt geheißen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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