Monte dei Paschi
Warnung vom Wirtschaftsweisen vor Staatshilfe

Der Rettungscountdown für die italienische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena beginnt. Die notwendige milliardenschwere Kapitalerhöhung soll von Montag bis Donnerstag über die Bühne gehen. Doch es geht um mehr.
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MailandDer Wirtschaftsweise Christoph M. Schmidt hat vor italienischen Staatshilfen für die Krisenbank Monte dei Paschi gewarnt. „Die Restrukturierung der Bank sollte nach den verabredeten Regeln erfolgen, sprich die Gläubiger der Bank müssen zu ihrer Rettung beitragen, nicht die Steuerzahler“, sagte Schmidt der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ laut Vorabmeldung. Halte Italien dagegen "gleich beim ersten großen Test die Regeln nicht ein, ist die Bankenunion nicht glaubwürdig“, warnte Schmidt, der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI in Essen und Vorsitzender des Sachverständigenrats der Bundesregierung ist.

Staaten wie Italien müssten endlich die notwendigen Reformen angehen, sagte Schmidt dem Blatt weiter. Geschehe das nicht, gingen von der drittgrößten Volkswirtschaft Europas große Gefahren für die Gemeinschaftswährung aus. Schmidt: „Müsste Italien unter den Rettungsschirm, könnte es für den Euro-Raum brenzlig werden.“

Monte dei Paschi di Siena gilt als älteste noch existierende Bank der Welt. Das toskanische Institut steht kurz vor einer dringend notwendigen Kapitalerhöhung, mit der es von Montag bis Donnerstag fünf Milliarden Euro bei seinen Investoren einsammeln will. Die Regierung in Rom hat bereits Unterstützung signalisiert, falls Monte dei Paschi die erforderliche Summe nicht zusammenbekommt. Allerdings müssten nach den EU-Regularien auch Privatanleger Verluste tragen, wenn der Staat einem Geldhaus zur Seite springt. Das wäre in diesem Fall politisch sehr brisant.

Monte dei Paschi braucht das frische Kapital bis zum Jahresende. Dazu sollen Anleger neue Aktien kaufen. Institutionelle Investoren, die mit 65 Prozent den Großteil der Kapitalerhöhung übernehmen sollen, haben dafür Zeit bis Donnerstag. Für Altaktionäre und Kleinanleger endet die Zeichnungsfrist bereits am Mittwoch. Parallel zur Kapitalerhöhung bietet die Bank Investoren, die Anleihen von ihr halten, einen Umtausch in Aktien an. Auch dieses Angebot läuft bis Mittwoch. Je stärker es angenommen wird, desto geringer kann das Volumen der Kapitalerhöhung ausfallen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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