Monte-Paschi-Chef Ermittlungen gegen Fabrizio Viola?

Bilanzfälschung und Marktmanipulation: Die italienische Justiz ermittelt Insidern zufolge gegen den Chef der angeschlagenen italienischen Bank Monte dei Paschi, Fabrizio Viola. Ob es zur Anklage kommt, ist noch unklar.
Viola steht im Verdacht, Marktmanipulationen und Bilanzfälschungen begangen zu haben. Ob die Indizien für eine Anklage reichen, steht noch nicht fest. Quelle: Reuters
Viola auf einer Pressekonferenz

Viola steht im Verdacht, Marktmanipulationen und Bilanzfälschungen begangen zu haben. Ob die Indizien für eine Anklage reichen, steht noch nicht fest.

(Foto: Reuters)

FlorenzDer Chef der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena, Fabrizio Viola, ist Insidern zufolge ins Visier der Justiz geraten. Gegen den Manager werde wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und der Marktmanipulation im Zuge von Derivate-Geschäften ermittelt, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Donnerstag. Dieselben Vorwürfe seien auch gegen den ehemaligen Verwaltungsratschef Alessandro Profumo erhoben worden. Die Ermittlungen seien bereits 2015 in Siena aufgenommen worden und hätten fallengelassen werden können. Stattdessen seien sie im Juli an die Behörden in Mailand übergeben worden. Diese hätten nun 18 Monate Zeit zu entscheiden, ob sie Anklage erheben wollen.

Sprecher von Monte Paschi und Profumo erklärten, die Untersuchungen gingen auf zwei Aktionäre zurück, die die übrigen Eigner nicht von Entschädigungsforderungen an Viola und Profumo überzeugen konnten. Weil die Anzeige vorliege, müssten die Behörden aber per Gesetz ermitteln. Dabei geht es dem Insider zufolge um den Verdacht, dass zwei Derivate-Geschäfte zwischen 2011 und 2014 nicht korrekt verbucht wurden. Die Justizbehörden in Siena und Mailand waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Riskante Derivate-Handelsgeschäfte gehörten zu den Faktoren, die Monte Paschi schon vor Jahren in Schwierigkeiten brachten. Die 1472 gegründete Bank ächzt unter faulen Krediten und bemüht sich derzeit um eine rund fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung, nachdem sie beim Stresstest der EU-Bankenaufseher so schwach abgeschnitten hatte wie kein anderes Institut in Europa.

Gute Banken, schlechte Banken
Dunkler Himmel über den Banken in Frankfurt
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Europas Banken stecken in der Krise – das wussten Marktbeobachter schon vor dem großen Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere. Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Das KBV liegt bei fast allen Geldhäusern unter 1. Das bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen als von der Fortführung des Geschäfts – oder dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 2. Quartal 2016.

Platz 8: Deutsche Bank
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Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

Platz 9: Credit Suisse
3 von 11

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

Platz 10: Commerzbank
4 von 11

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

Platz 6: Unicredit
5 von 11

Nettogewinn: 975 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 8,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 12,8 Prozent

KBV: 0,70

Platz 6: UBS
6 von 11

Nettogewinn: 943 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 7,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 15 Prozent

KBV: 0,88

Platz 5: Barclays
7 von 11

Nettogewinn: 992 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,8 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,6 Prozent

KBV: 0,41

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