Monte Paschi
Neue Sorgen um Krisenbank

Obwohl die Aktionäre einer Kapitelerhöhung zugestimmt haben, gibt es bisher keine verbindlichen Zusagen von Investoren. Die Aktien sackten daraufhin um sechs Prozent ab – die weltälteste Bank kämpft weiter ums Überleben.
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MailandAuch nach dem grünen Licht der Aktionäre für eine Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe halten sich Zweifel an der Rettung der italienischen Krisenbank Monte Paschi. Die Aktien der ältesten Bank der Welt fielen an der Mailänder Börse am Freitag um rund sechs Prozent auf knapp 22 Cent.

Der neue Vorstandschef Marco Morelli hatte am Donnerstag auf der Hauptversammlung eingeräumt, er habe bei Gesprächen mit rund 250 Investoren keine festen Zusagen für eine Teilnahme an der fünf Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung bekommen. Für Unsicherheit sorgt das Verfassungsreferendum in Italien am kommenden Sonntag, an das Ministerpräsident Matteo Renzi seine Zukunft geknüpft hat.

Scheitert Renzi, sehen Investoren auch die Kapitalerhöhung bei der drittgrößten Bank des Landes in Gefahr. Die Emission soll am 7. oder 8. Dezember - also nach der Abstimmung - starten und vor Weihnachten abgeschlossen sein. Doch die italienische Notenbank hat bereits vor Marktturbulenzen nach dem Referendum gewarnt.

Den maximalen Preis für die neuen Aktien setzte das Geldhaus nun auf 24,90 Euro fest. Vorher plant es einen Kapitalschnitt, bei dem je 100 Monte-Paschi-Aktien zu einer zusammengelegt werden sollen. Im Zuge dessen ist ein Tausch von bis zu 5,3 Milliarden Euro Verbindlichkeiten in Eigenkapital vorgesehen, mit dem die Traditionsbank aus der Toskana ihren Kapitalbedarf senken will. Die Anleihegläubiger müssen sich also vor der Abstimmung entscheiden - ein großer Unsicherheitsfaktor, wie Analyst Luca Comi von ICBPI sagt.

Die Bank braucht frisches Kapital, um die Verluste aus dem Verkauf fauler Kredite im Volumen von 28 Milliarden Euro auszugleichen. Wenn das nicht klappt, braucht sie Staatshilfe - doch dann müssten nach den neuen Vorschriften der EU zunächst die Anleger bluten. Ein sensibles Thema - denn 55 Prozent an Monte Paschi halten rund 150.000 Kleinanleger. Ihr größter Anteilseigner ist der Staat mit vier Prozent, seit er der Bank in der Finanzkrise Geld geliehen hatte.

Ihr einstiger Großaktionär, die Monte-Paschi-Stiftung, die noch 0,7 Prozent besitzt, hält sich nach eigenen Angaben offen, ob sie bei der Kapitalerhöhung mitziehen wird. Gleiches gilt für den neuen Verwaltungsratschef Alessandro Falciai, der knapp zwei Prozent hält. Der Versicherungsriese Generali hatte dagegen signalisiert, er wolle an einer Lösung mitwirken.

Nur mit Mühe hatte die Bank mehr als die nötigen 20 Prozent der Aktionäre zusammengebracht, um die Kapitalerhöhung auf der Hauptversammlung in Siena durchzuwinken. 22,4 Prozent des Kapitals waren am Ende vertreten 96,1 Prozent davon stimmten zu.

Es ist die dritte Kapitalerhöhung der Banca Monte dei Paschi di Siena in den vergangenen drei Jahren. Doch die bisher eingesammelten acht Milliarden Euro sind schon wieder weg. Allein in diesem Jahr ist der Aktienkurs um 80 Prozent eingebrochen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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