Moody's Herabstufung
Sein oder nicht sein - ist für Landesbanken die Frage

Die Zukunft der Landesbanken stirbt nicht an einem Tag, sondern an mehreren. Heute ist so einer. Die Institute verlieren politischen Rückhalt, sagt die Ratingagentur Moody's. Die Folgen ihres Urteils sind dramatisch.
  • 5

FrankfurtDie deutschen Landesbanken und ihre Gläubiger können sich nach Auffassung der Ratingagentur Moody's nicht mehr wie bisher auf den finanziellen Rückhalt von Ländern und Sparkassen verlassen.

Die Finanzexperten bewerten die Kreditwürdigkeit von elf Instituten aus dem Landesbankensektor nun um bis zu drei Rating-Stufen schlechter als vorher. „Die künftige Unterstützung des Staates für die öffentlichen Banken ist unsicherer geworden“, erklärte Ratinganalystin Katharina Barten.

Rating der LandesbankenMoodysFitch
neualt
Deka BankAa3Aa2-
HelabaA1Aa2A+
Landesbank BerlinA1A+
LBBWA2Aa2A+
Nord LBA2Aa2A
Bremer Landesbank A2Aa2A
Saar LBA3A1A
West LBA3A-
Norddeutsche Landesbank LuxembourgA3Aa3-
Bayern LBBaa1A1A+
Deutsche HypothekenbankBaa1A1-
HSH NordbankBaa2A3A-

Die Gründe dafür sind: Die EU schränkt durch ihr Beihilferegime die Möglichkeiten staatlicher Eingriffe ein. Und das deutsche Restrukturierungsgesetz lässt zunächst die Gläubiger von Banken bluten, bevor sie von ihren Eigentümern aufgefangen werden sollen.

„Dauerhaft niedrige Ratings können die Banken nicht durchhalten. Wir sind in einer labilen Situation“, warnt der Finanzprofessor Christoph Kaserer von der TU München. Allerdings kommt für Kaserer die Herabstufung durch Moody’s nicht überraschend. „Das ist letztlich eine Reaktion auf das Restrukturierungsgesetz der Bundesregierung, mit dem die Haftung des Steuerzahlers für den Bankensektor reduziert werden soll“, so Kaserer.

In einer Studie kommt der Finanzexperte zu dem Schluss, dass das Restrukturierungsgesetz zu steigenden Refinanzierungskosten von 35 Basispunkten führt. Die Schuldverschreibung einer Bank würde dann nicht mehr beispielsweise fünf Prozent, sondern 5,35 Prozent kosten. Allerdings dürfe man die Landesbanken nicht über einen Kamm scheren. Landesbanken mit einem direkten Zugang zu Privatkunden mit Bankeinlagen hätten weniger Probleme als andere.

Abdoulaye Aboubakar, Finanz-Analyst bei der DZ Bank, ergänzt: „Das Margengeschäft der Landesbanken funktioniert seit dem Wegfall der Gewährträgerhaftung schon nicht mehr. Am besten stehen daher jene Landesbanken, die Zugang zum Retail-Geschäft haben wie etwas die NordLB, Landesbank Berlin, Helaba oder LBBW.“ Das niedrigere Rating bedeute aus seiner Sicht aber nicht, dass die Landesbanken nun weniger mit öffentlicher Unterstützung rechnen können.

Seite 1:

Sein oder nicht sein - ist für Landesbanken die Frage

Seite 2:

Grund für Moody's Maßnahme

Seite 3:

Kritik an der Herabstufung

Kommentare zu " Moody's Herabstufung: Sein oder nicht sein - ist für Landesbanken die Frage"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Genau DAS sind. die Landesbanken: einträgliche Pfründen für abgehalfterte Politiker, die man nicht mal mehr nach Brüssel abschieben kann ...

  • Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Ich denke wir sind uns alle einig, dass die Landesbanken in den letzten Jahren keine gute Figur abgegeben haben. Jedoch frage ich mich, warum wird eine Commerzbank nich so in den Medien zerrissen wie die Landesbanken, da sieht es ja fast noch schlimmer aus? Sicherlich braucht nicht jedes Bundesland seine eigene Landesbank, jedoch würde der Mittelstand in Deutschland sicherlich nicht so gut da stehen, wenn es die Finanzierer nicht gäbe. Die ein oder andere Fusion ist sicherlich kein schlechter Gedanke, jedoch nur wo es eben Sinn macht.
    Daher sehe ich Aussagen wie sofort liquidieren als nicht zu Ende gedachte Aussage.

  • Alt-Politiker Abschiebebahnhöfe privatisieren und konkursfähig machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%