Morgan-Stanley-Chef
Kritik an Notheis reißt nicht ab

Vor der Sitzung des Untersuchungsausschusses zur EnBW-Affäre steht Dirk Notheis weiter unter Beschuss. FDP- und CDU-Politiker halten sein Verhalten für nicht akzeptabel. Auch Schäubles Schwiegersohn meldet sich zu Wort.
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BerlinDer politische Druck auf den Deutschland-Chef von Morgan Stanley, Dirk Notheis, hält an. FDP-Finanzexperte Frank Schäffler sagte dem Handelsblatt: „Morgan Stanley muss aus diesem Geschäftsgebaren seine eigenen Schlüsse ziehen. Solche Methoden sind aber nicht akzeptabel.“ Um den Ruf der Bankenbranche sei es ohnehin nicht gut bestellt ist, deshalb sollte man hier handeln, sagte Schäffler.

In den vergangenen Tagen waren neue Details aus dem Mailverkehr von Notheis mit dem damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) während des Übernahme von Aktien des Energieunternehmens EnBW im Herbst 2010 bekannt geworden.

Heute müssen die damaligen Mitarbeiter von Notheis vor dem Untersuchungsausschuss im Stuttgarter Landtag aussagen. Sie sollen unter anderem weiteres Licht in die umstrittene Kaufpreisfindung bringen. Ohne tiefere Buchprüfung hatte das Land dem französischen EdF-Konzern 4,7 Milliarden Euro für den Rückkauf der Aktien bezahlt.

„Die Mails zeigen die zentrale Rolle von Dirk Notheis im EnBW-Deal. Sie geht über die übliche Beratung einer Investmentbank weit hinaus sowohl in politischen wie juristischen Fragen“, sagt selbst Volker Schebesta, Obmann der CDU im Untersuchungsausschuss. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Diskussion darüber bei Morgan Stanley gut ankomme. Mappus betonte in der Pforzheimer Zeitung, er sei nicht von Notheis gesteuert worden.

Baden-Württembergs Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) sagte: „Die Mails zeigen, dass Dirk Notheis ein sehr zynisches Verhältnis zur Politik hat. Er dirigiert seinen Ministerpräsidenten fast nach Belieben. Dass so etwas vor kurzem noch möglich war, erschüttert mich.“

Nach den Enthüllungen zum Rückkauf der Aktien hat sich selbst Baden-Württembergs CDU-Vorsitzender Thomas Strobl von Mappus distanziert. Dass sich Mappus fast ausschließlich von Notheis beraten ließ, sei ein Fehler gewesen, sagte der Schwiegersohn von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

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