Muhammad Yunus
„Banken sind schuld an der Euro-Krise“

Geht es um die Euro-Krise, so hat Muhammad Yunus, Nobelpreisträger und Erfinder der Mikrokredite, die Schuldigen bereits gefunden - die Banken. Er findet: Die Institute hätten früher auf die Bremse treten sollen.
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WienHerr Yunus, die Regierung in Ihrem Heimatland Bangladesh hat Sie aus der Grameen Bank hinausgedrängt. Sind Sie seitdem arbeitslos geworden?

Ganz im Gegenteil: Ich habe immer noch genug zu tun. Ich engagiere mich intensiv bei den Social-Business-Projekten. Wir gründen weiterhin neue Unternehmen, außerdem werbe ich für neue Projekte. Dazu gehört auch, dass man die Grundprinzipien dieser Art des Wirtschaftens immer wieder erklärt – wie etwa jetzt bei meiner Reise nach Europa.

Und während Sie jetzt hier in Wien sitzen, geht es mit der Grameen Bank zu Hause in Bangladesh zu Ende?

Sie sprechen ein echtes Problem an. Die Zukunft unserer Mikrofinanz-Bank macht mir echte Sorgen. Die Regierung hat sich in die Bank hineingedrängt, weil sie behauptet, es sei ein staatliches Institut. Dabei halten private Anteilseigner mehr als 90 Prozent, nur ein kleiner Rest wird vom Staat gehalten.

Wenn Sie noch dabei wären, gäbe es keine Probleme mit der Bank?

Auch ohne die Einflussnahme der Regierung würde ich jetzt nicht mehr an der Spitze der Bank sein, weil man mit 70 Jahren dann doch den Schlussstrich ziehen muss. Aber ohne die Einflussnahme der Regierung wäre die Unabhängigkeit der Bank viel eher gewährleistet.

Weshalb interessiert sich Ihre Regierung so stark für die Grameen Bank?

Es ist einfach ein interessantes Institut, das eine große Bedeutung in meinem Land hat. Die Grameen Bank hat Millionen von Kunden, das lockt den Staat an.

Sie werben jetzt in Europa für Social Business. Kann man hier am ehesten Unternehmen für diese Projekte gewinnen?

Frankreich war das erste Land, das sich dafür eingesetzt hat. Dann hat es nicht lange gedauert und Deutschland kam dazu. Die Otto-Gruppe, BASF und Adidas sind die bekanntesten Beispiele aus der Bundesrepublik. Man kann hier also einiges erreichen. Aber auch in anderen Teilen der Welt wie Japan sind Unternehmen sehr aktiv in dieser Sache.

Aus Schwellenländern wie etwa Indien kommt weniger für das Social Business?

Sie zielen mit Ihrer Frage auf die Einkommensverhältnisse ab. Aber ganz ehrlich, Geld spielt bei den Social-Business-Projekten eine untergeordnete Rolle. Es geht viel mehr darum, dass man eine Idee hat, dass es Klick macht. Und dann muss man diese Idee einfach nach ökonomischen Prinzipien umsetzen. Der Ein-Euro-Schuh von Adidas etwa war so eine Idee, die in die ärmeren Länder passt. Außerdem muss ich Ihnen widersprechen: Es sind viele große indische Konzerne dabei. Diese Unternehmen sind in Europa aber einfach nicht bekannt. Eines, das man hier auch kennt, ist ArcelorMittal, der große Stahlkonzern.

Kommentare zu " Muhammad Yunus: „Banken sind schuld an der Euro-Krise“"

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  • @ ZERBRECHTdieGROSSBANKEN

    Richtig ! Die FINANZBRANCHE muss sich SELBST RETTEN !

    Ihre Manager sind allein ist für ihre desolate Lage verantwortlich. Dafür haben sie sich bisher horrende Gehälter und Boni genehmigt. Wir Steuerzahler wurden nie gefragt. Warum sollen wir bezahlen? Wer kann nur auf so eine hirnrissige Idee kommen außer IIF-Ackermann und seine Kollaborateur/innen ?

    Wenn die EZB in krimineller Weise weiter Großbanken zu Lasten aller Europa-Bürger rettet, dann scheitert wirklich die Stabilität des Euro zu Lasten aller Europa-Bürger.

    Jedes Euroland muss jetzt schleunigst nachholen, was seit Lehman NICHT gemacht wurde, nämlich die Sanierung, Stabilisierung, Konsolidierung und Gesundschrumpfung der Europäischen Finanzindustrie, incl. Landesbanken und Versicherungs-Konglomeraten. Die Allianz AG hat inzwischen eine verfilzte, undurchschaubare Struktur, schlimmer als AIG zu schlimmsten Zeiten. Diekmann und Heise haben vermutlich schon lange in ihrem Laden den Durchblick verloren. Da können auch Theo Waigel und seine CSU-EU-Abgeordneten nicht mehr helfen. Es ist aus mit ihren Intrigenspielchen gegen den Europa-Freund und Europa-Retter Peter Gauweiler.

    Weg mit den Investmentsparten. Ihr Verkaufserlös soll in die Eigenkapitalerhöhung ihrer Geschäftsbanken auf mind. 10% einfließen. Erst wenn das nicht ausreicht, können die Privaten auch Geschäftsanteile dem Steuerzahler zum Kauf anbieten. WIR werden dann bestimmen, ob die Konditionen stimmen.

    In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass Josef Ackermann aus dem Verkehr gezogen wird wegen seines für D schädlichen Einflusses auf seine Kollaborateure in Berlin, voran die Finanzminister, die ihm bisher den Schlüssel zu unserem Volksschatz/vermögen gegeben haben.

  • @ doc.ex: Es ist totaler Schwachsinn zu sagen: Zerbricht der Euro, zerbricht Europa.

    Richtig: Zerbrecht die Großbanken, sonst zerbricht Europa !

  • Der Kreditgeber ist grundsätzlich systemisch verantwortlich, wenn er sein Geld nicht zurückbekommt oder sich nicht ausreichend gegen Kreditausfälle versichert.

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