M&A-Tagung: Den BRIC-Staaten gehört die Zukunft bei Übernahmen

M&A-Tagung
Den BRIC-Staaten gehört die Zukunft bei Übernahmen

Neue Wettbewerber drängen mit aller Macht auf den M&A-Markt: Vor allem Brasilien sehen Experten als schlafenden Riesen. Südamerikanische Unternehmen könnten schon bald in Europa zugreifen.
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FrankfurtUnternehmen aus den  BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China greifen immer häufiger in Europa und speziell auch in Deutschland zu. Aber auch die zweite Reihe unter den Schwellenländern wie Südkorea, Mexiko aber auch Vietnam und Nigeria seien bei Übernahmen verstärkt zu sehen, beobachtet Martin Reitz, Deutschlandchef des Bankhauses Rothschild. Dabei kommt es nach seiner Ansicht zu einer Verschiebung der Kaufziele. Immer stärker rückten etwa im Fall China die verarbeitende Industrie und die Konsumgüterhersteller in den Mittelpunkt, nachdem zunächst Rohstoffunternehmen bevorzugt gekauft worden seien, so Reitz am Rande der Handelsblatt-Tagung M&A-Summit in Frankfurt.

Jüngstes Beispiel ist der Erwerb des Betonpumpenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Baumaschinenkonzern Sany Heavy Industries Anfang des Jahres. Innerhalb von zwei Jahren sei damit zu rechnen, dass eine  Firma aus dem MDax, dem Index mittelgroßer börsennotierter Unternehmen, von einem Konzern aus den BRIC-Staaten gekauft werde, sagte der M&A-Verantwortliche einer Großbank, der nicht genannt werden will. 

Besonders große Chancen für mehr Übernahmen sieht Reitz durch Firmen, die aus dem schlafenden Riesen Brasilien stammen. Angesichts einer Finanzindustrie, die gut durch die Krise gekommen sei, könnten die brasilianischen Großkonzerne schon bald in Europa zugreifen. Russland sei dagegen angesichts der bevorstehenden Wahlen von Unsicherheit geprägt. Und das Übernahmetempo durch indische Unternehmen sei wegen einer Wirtschaft, die unter Druck stehe, und Korruptionsskandalen etwas gebremst worden. Hoffnung gebe die rund 20-prozentige Anstieg der Aktienkurse seit Jahresbeginn, was Zukäufe unterstütze. Bei der zweiten Reihe der Schwellenländer wie Südkorea, Mexiko, Indonesien oder etwa Nigeria gebe es verstärkt grenzüberschreitende Transaktionen. Sie konzentrierten sich aber zunächst auf die eigene Region, etwa Asien, so Reitz.

In den Schwellenländern werde bei Übernahmen in Europa manchmal die Komplexität überschätzt, die etwa durch Regulierung, Kartell- und Steuerrecht geprägt seien, betont Helmut Zodl, Manager beim chinesischen Computerhersteller Lenovo. 

Gerade potenzielle chinesische Käufer müssten frühzeitig eingebunden werden, rät Marc Oliver Klemm, der den Bereich Fusionen und Übernahmen beim Handelskonzern Metro leitet. Rainer Langel, Deutschlandchef des Investment-Banking von Macquarie mahnt, bei Verkaufsverhandlungen den Druck hoch zu halten auf die Interessenten aus Schwellenländern. Gerade indische Unternehmen versuchten durchaus in der letzten Verhandlungsrunde noch Preiszugeständnisse herauszuschlagen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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