Munich Re Unterwegs ins Hightech-Zeitalter

Die 137 Jahre alte Munich Re stellt auf ihrem Investorentag das Thema Digitalisierung in den Mittelpunkt. Ziel ist, die Nummer eins unter den Versicherern zu werden. Doch solche Pläne hat die Konkurrenz auch.
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Munich Re: Unterwegs ins Hightech-Alter Quelle: Reuters
Joachim Wenning

Der Munich Re-Chef gibt eine neue Marschroute vor.

(Foto: Reuters)

Dem Anlass entsprechend hat Munich Re-Chef Joachim Wenning die geballte Digital-Kompetenz seines Hauses anrücken lassen. Unter den Motto „Driving Digital Transformation“ kamen am Dienstag – wie jedes Jahr um diese Zeit – Analysten und Großanleger in München zum Investorentag zusammen. Die Stoßrichtung war jedoch völlig anders als noch unter seinem Vorgänger Nikolaus von Bomhard: Keine Diskussion über die Preisentwicklung in der Rückversicherung oder hohe Schäden wie nach den Hurrikans im Golf von Mexiko im Spätsommer.
Stattdessen sollte der Blick auf eine Munich Re gerichtet werden, wie sie sich in den Augen des neuen Vorstandschefs in der Zeit ab dem Jahr 2020 präsentieren soll. Nämlich an der Spitze des digitalen Fortschritts. In der breiten Öffentlichkeit dürfte der sich natürlich zuallererst bei der Tochter Ergo zeigen.

Der Düsseldorfer Erstversicherer, in Deutschland die Nummer zwei am Markt hinter der Allianz, will den Online-Anteil im Endkundengeschäft bis zum Jahr 2020 auf rund 25 Prozent steigern. Das kündigte Mark Klein, der Chief Digital Officer, an diesem Tag an. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2005 waren es verschwindend geringe zwei Prozent.

Den Trend forcieren soll dabei die gerade gestartete Online-Tochter Nexible, die mit all den Attributen wirbt, die es heute braucht, um in der Branche als jung und attraktiv zu gelten. Digital, intuitiv und transparent will man sein. Das Ziel von Digital-Chef Klein bei Ergo ist damit auch entsprechend hoch, wie er an diesem Tag betont. Die Nummer eins bei Thema Digitalisierung will er werden in Deutschland. Dafür investiert die Ergo allein 140 Millionen Euro in neue Software.

Aber auch die Konkurrenz hat längst erkannt, wie wichtig es ist, hier vorne mit dabei zu sein. Bei Allianz, Huk, Talanx und Co. fließen seit geraumer Zeit ebenfalls hohe Millionenbeträge. Der Kampf um Kunden, Verträge und Margen wird in den kommenden Jahren somit nicht nur, aber doch in immer höherem Maße auf technischer Seite entschieden. Da droht dann auch so manche Enttäuschung, sollten solche Pläne nicht aufgehen.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Es sind aber nicht nur die nach außen sichtbaren Produkte, die der 137 Jahre alten Munich Re auch im nächsten Jahrzehnt die Position als einer der führenden Versicherer der Welt sichern sollen. Seine Ankündigung von Netto-Investitionen über eine Milliarde Euro bis ins Jahr 2020 hat Vorstandschef Wenning am Dienstag noch einmal wiederholt.

Das Spektrum dabei reicht von der Beteiligung an jungen Start-Ups bis hin zu Kooperationen mit unterschiedlichen Partnern aus der Technologiewelt wie der Deutschen Telekom oder SAP. Von Projekt zu Projekt und frei von Berührungsängsten arbeiten die Dax-Konzerne immer häufiger zusammen.

Eine Stufe tiefer bei den Start-Ups hat die Munich Re bisher mehr als 60 Millionen Euro in mittlerweile mehr als zehn Firmen investiert. „Sie haben die Erfahrung im Front-Office, aber nicht in Versicherungsdingen“, schildert Munich Re-Chef Wenning die unterschiedliche Herangehensweise, wenn beide Welten aufeinander treffen.

Beide kommen insofern nur dann zusammen, wenn jeder den anderen mit seiner Expertise unterstützt. Das war bisher aber nie ein Problem. Dass die Münchener jederzeit offen sind, sollten sich weitere Möglichkeiten ergeben, hat Wenning schon in der Vergangenheit mehrmals erwähnt. Vor den Investoren am Dienstag betont er es trotzdem noch einmal.

Die Investoren hörten das alles offensichtlich gerne. Die Aktie der Munich Re stieg am Dienstag um mehr als ein Prozent und damit stärker an der Dax.

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