Mysteriöser Geldscheinfund in Genf
Wer spülte 100.000 Euro die Toilette herunter?

Als Mitarbeiter der UBS in Genf auf eine verstopfte Toilette stoßen, trauen sie ihren Augen nicht: Jemand hat versucht, gerollte 500-Euro-Scheine wegzuspülen. Aber wieso? Der Fall lässt manche Krimi-Komödie alt aussehen.
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ZürichZwei mysteriöse Damen aus Spanien, ein geheimnisvolles Bankschließfach – und eine Toilette, aus der Geldscheine quellen. Was sich in Genf abgespielt haben soll, lässt manche Krimi-Komödie alt aussehen. Offenbar hat jemand versucht, auf den Klos einer Genfer Bank und verschiedenen Lokalen insgesamt rund 100.000 Euro herunterzuspülen. Die kuriose Entsorgungsaktion sorgt für internationale Schlagzeilen. Zuerst hatte die Genfer Zeitung „Tribune de Genève“ über den Vorfall berichtet, der sich schon im Sommer ereignet haben soll.

Die Bankiers aus der UBS-Filiale an der Rue de la Corraterie müssen ziemlich überrascht gewesen sein, als sie die Ursache für die Verstopfung der Toilette im Schließfachbereich entdeckten: Offenbar hatte jemand versucht, mehrere gerollte 500-Euro-Noten zu entsorgen.

Kurz darauf wurden die Wirte von drei umliegenden Lokalen im Umkreis der Bank stutzig. Auch ihre Toiletten waren verstopft – und wieder waren Geldscheine die Ursache. „Es war an einem Juniabend gegen 18.30 Uhr“, erinnert sich ein Wirt in der „Tribune“. „Die Herrentoiletten waren völlig verstopft.“ Die Polizei rückte an, um die Geldscheinstücke einzusammeln und Fingerabdrücke zu nehmen. Danach kam der Klempner, um die Rohre frei zu machen. Aufgeklärt ist der Fall noch nicht – die Genfer Staatsanwaltschaft ermittelt, was es mit dem Geld auf sich hat. Die UBS will den Fall nicht kommentieren.

Insgesamt stellte die Polizei rund 100.000 Euro sicher. Wohlgemerkt kein Falschgeld, sondern echte Banknoten. Banker und Restaurantmitarbeiter rätseln seitdem, was es mit dem kuriosen Fund auf sich hat: Handelte es sich vielleicht um Geld aus illegalen Geschäften, das entsorgt werden sollte? Oder fürchten die Besitzer den automatischen Datenabgleich der Schweiz mit ausländischen Steuerbehörden, der im kommenden Jahr in Kraft tritt? „Bargeld auf diese Weise zu entsorgen, ist vielleicht merkwürdig, aber nicht illegal“, sagt ein Sprecher der Genfer Staatsanwaltschaft auf Handelsblatt-Anfrage. „Aber wir müssen klären, ob das Geld aus einer kriminellen Aktivität stammt.“

Die Spur führt nach Spanien. Das Geld soll aus dem Schließfach spanischer Bankkundinnen stammen. Die aber haben offenbar ein Alibi: Überwachungskameras zufolge haben sie die Bank seit dem Frühling nicht mehr besucht. Die Spülung betätigte wohl jemand anderes: Videoaufnahmen eines Restaurants sollen einen Mann zeigen, der mit Taschen voller Geldscheinen aufs Klo ging. Das würde auch erklären, weshalb die Herrentoilette verstopft war. Die Staatsanwaltschaft will sich dazu nicht äußern.

Im August tauchte dann ein Anwalt der Damen auf, um mit der Polizei zu sprechen. Dabei soll der Jurist aber keine Erklärung für die merkwürdige Geldscheinentsorgung präsentiert haben. Warum spaziert ein Mann mit den Taschen voller Banknoten auf die Toilette? Dazu soll sich der Anwalt nicht geäußert haben.

Immerhin: Die Kosten für den Klempnereinsatz hat der Anwalt übernommen. Zumindest für die Handwerker hat sich die Sache also ausgezahlt.

Kommentare zu " Mysteriöser Geldscheinfund in Genf: Wer spülte 100.000 Euro die Toilette herunter?"

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  • Soweit mir bekannt wird in den Ministerien in Deutschland minütlich mehr Geld die Toilette hinunter gespült. Insofern wüsste ich nicht was daran so ungewöhnlich ist.

    Der Grund ist, dass sich die Menschen in Deutschland mit extremen Steuersätzen sehr wohl fühlen. So müssen sich die Politiker ständig neue Ausgaben, bis hin zum Einladen von Millionen Mitmenschen aus Afrika und dem Mittleren Osten ausdenken um dieses Geld auszugeben.

  • Besonders wenn man sich die Kaufkraftverluste seit der Immoblienkrise in 2008 zu Gemüte führt, die aktuellen und die noch lang anhaltenenden zukünftigen durch die niedrige Zinsphase der EZB.

    Den Rest erledigt die Versteuerung und die Abgaben. Nicht umsonst wird man in Zukunft über den verschwundenen Mittelstand reden oder feststellen, dass dieser nicht mehr existent ist.

    Wir wissen es schon heute. Gesicherte Armut in Deutschland, Vergreisung, mehr Geld in Pflege und..und..und...

    Tolle Perspektiven für die jungen Menschen.

    Flüchtlingsströme, der IS, Anschläge und Terror werden in Zukunft Deutschland auch nicht für ein Kuschelland erscheinen lassen.

    Unbestritten dürfte es eher mehr Probleme als weniger geben.

    Zum Glück haben wir Politiker, die selbst glauben und uns Hoffnung geben.


  • Vermutlich wusste der ehemalige Eurobesitzer, dass man sich in Zukunft mit den Euroscheinen nur noch den Allerwertesten abputzen kann.

    Man sollte ihn ermitteln und dszu befragen.

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