Nach 13 Übernahmen
Russische VTB-Bank stoppt Einkaufstour

13 Institute hat sich die russische Bank VTB bereits einverleibt - doch nun soll erst einmal Schluss sein. Denn die Übernahme der Bank of Moscow hielt laut VTB-Chef Kostin eine böse Überraschung parat.
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Während der russische Branchenführer Sberbank mit der Übernahme von Österreichs Volksbank International vorige Woche einen Akquise-Erfolg feiern konnte, muss Wettbewerber VTB den zuletzt aggressiven Akquise-Kurs stoppen: „Die nächsten ein bis anderthalb Jahre sind weitere Zukäufe eher schwierig“, so VTB-Chef Andrej Kostin gegenüber dem Handelsblatt. Russlands zweitgrößte Bank, die unter Kostins Regie 13 Institute aufgekauft hatte, wird sich nach Aussagen des CEOs auf die Integration konzentrieren.

Nötig wurde die Enthaltsamkeit des ehrgeizigen Top-Bankiers durch den Einstieg bei der Bank of Moscow. In deren Büchern will Kostin schwarze Löcher in Höhe von zehn Milliarden Dollar gefunden haben, eine Kapitalerhöhung um 100 Milliarden Rubel (2,5 Milliarden Euro) belastet die Bank zusätzlich.

Dem früheren Moskauer Management um Bankchef Andrej Borodin wirft VTB-Chef Kostin „gaunerische Aktivitäten“ vor, die zum Abfluss von Krediten auf schwarze Offshore-Konten geführt hätten. Der Fall weitet sich in Russland zum handfesten Bankenskandal aus, zumal Kritiker die Notwendigkeit des größten Bail-Outs in Russland bezweifeln.

Kostin verteidigt im Handelsblatt die Nothilfe der russischen Zentralbank: „Ich bin froh, dass die Zentralbank so schnell und klug gehandelt hat“, so Kostin. „Eine Insolvenz der Bank wäre für Russland so schlimm gewesen wie es der Zusammenbruch von Lehman Brothers für die Weltwirtschaft war.“ Die Kritiker-Ansicht, dass die Übernahme der Moskauer Bank von Anfang an als Verstaatlichung geplant war, weist VTB-Chef Kostin zurück:

Derweil meldet der Bankier Fortschritte bei der Übernahme einer Mehrheit an der Bank of Moscow, deren 46,5-Prozent-Paket VTB diesen Februar für 3,7 Milliarden Dollar der Stadt Moskau abgekauft hatte. Bis Ende des Monats soll der Kauf eines knapp 20-prozentigen Pakets abgeschlossen sein, das der Eigentümer der deutschen Wadan-Werft, Vitalij Jussufow, zuvor vom ehemaligen Bank of Moscow-Chef Borodin übernommen hatte: „Vitalij Jussufow hat er mir angeboten, das Paket im Interesse der VTB zu erwerben“, so Kostin. „Es ist offensichtlich, dass er damit Geld verdienen will.“

Wadan-Sanierer Jussufow war in deutschen Medien in die Schlagzeilen gekommen, da er dem im Exil lebenden Ex-Bankchef Borodin die Anteile gegen einen Kredit der Bank of Moscow abkaufte – besichert mit der insolventen deutschen Werft.

Florian Willershausen
Florian Willershausen
Handelsblatt / Korrespondent

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