Nach Abgang: Unicredit plant Doppelspitze mit Generaldirektor

Nach Abgang
Unicredit plant Doppelspitze mit Generaldirektor

Verwaltungsratspräsident Dieter Rampl drückt aufs Tempo. Bis Donnerstag soll der Nachfolger des zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Profumo feststehen. Die Namen der Neuen werden aller Voraussicht nach am kommenden Donnerstag abgesegnet werden.
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MAILAND. Die italienische Großbank Unicredit plant nach dem abrupten Abgang des Vorstandsvorsitzenden Alessandro Profumo eine baldige Doppelspitze aus einem Vorstandsvorsitzenden und einem Generaldirektor. Bisher gab es mit Profumo nur einen Vorstandschef. Der neue Generaldirektor werde dem Vorstandsvorsitzenden direkt unterstellt sein und weitreichende Befugnisse haben, hieß es am Wochenende. Die Namen der Neuen werden aller Voraussicht nach auf der Verwaltungsratssitzung am kommenden Donnerstag abgesegnet werden, verlautete aus Bankkreisen. Auf der Kandidatenliste stünden derzeit maximal vier Personen. Einer der vier amtierenden Vize-Vorstandschefs, Roberto Nicastro, gilt als heißer Kandidat für den Posten des Generaldirektors. Der 46 Jahre alte Manager, zurzeit für das Geschäft mit Privatkunden und Kleinunternehmen verantwortlich, war lange einer der Profumo-Boys.

Mit der schnellen Nachfolgesuche reagiert Verwaltungsratspräsident Dieter Rampl auch auf den Druck der italienischen Zentralbank, die in Italien auch die Bankenaufsicht innehat. Die Banca d'Italia hat Unicredit vergangene Woche in einem Schreiben dazu aufgefordert, so schnell wie möglich einen Nachfolger für Profumo zu finden. Unicredit selbst hatte nach der entscheidenden Sitzung des Verwaltungsrats in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch lediglich mitgeteilt, dass ein Nachfolger „in den kommenden Wochen“ vorgeschlagen werde. Ein Zeitraum, der der Banca d'Italia zu unpräzise war, da derzeit Rampl die Aufgaben von Profumo übernommen hat und dies nur in Ausnahmefällen und nur vorübergehend erlaubt ist. Auch die Einführung der Position des Generaldirektors kann als Zugeständnis gegenüber der Aufsicht gewertet werden. Schließlich hat die Banca d'Italia in den vergangenen Monaten mehrfach Erklärungen angemahnt, wie bestimmte Entscheidungen zustande gekommen seien, heißt es. Im Verwaltungsrat vertretene Aktionäre hatten in der Vergangenheit die Alleingänge von Profumo moniert.

Als Kandidaten für den Vorstandsvorsitz sind mehrere Italiener im Gespräch, unter anderem der Italien-Präsident von Rothschild, Giampiero Auletta Armenise, und der Zürich-Manager Mario Greco. Dem italienischen Merrill-Lynch-Banker Andrea Orcel dagegen, der sich vorige Woche mit Verwaltungsratsmitgliedern getroffen hatte, werden mittlerweile weniger Chancen eingeräumt. Er gilt als zu investmentbanklastig für eine starke Privatkundenbank wie Unicredit. Das Gleiche gilt für Vize-Chef Sergio Ermotti, der für Investment-Banking, das Geschäft mit Großunternehmen und Private Banking verantwortlich ist.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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