Nach Cum-Ex-Deals: J. Safra Sarasin soll sich aus Deutschland zurückziehen

Nach Cum-Ex-Deals
J. Safra Sarasin soll sich aus Deutschland zurückziehen

Die Privatbank aus Basel hatte zehn Jahre versucht, hierzulande Geschäfte zu machen – vergeblich. Nun soll das Geldhaus, das vor allem mit Cum-Ex-Geschäften bekannt geworden war, Deutschland den Rücken kehren.
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Zürich/DüsseldorfKennen Sie die Bank J. Safra Sarasin? Dämmert es vielleicht bei den Begriffen Cum-Ex, Ermittlungen oder beim Namen Carsten Maschmeyer? So ging es vielen in Deutschland: Sie kannten die Bank als Skandalinstitut und weniger als anerkanntes Geldhaus. Deshalb zieht sich die brasilianisch-schweizerische Privatbank laut Medienberichten aus der Bundesrepublik zurück. Das Deutschland-Geschäft werde im Laufe des Jahres 2017 abgewickelt, zitierte das Schweizer Finanzportal finews am Dienstag zwei Quellen. Die Bank lehnte bislang einen Kommentar zu der Angelegenheit ab.

Die Bank stand im Mittelpunkt des deutschen Finanzskandals um sogenannte „Cum-Ex“-Deals. Dabei werden Aktien um den Dividenden-Stichtag mehrmals zwischen verschiedenen Insidern verkauft. Dadurch konnten sich die Beteiligten mehrfach die Kapitalertragssteuer erstatten lassen, obwohl sie diese nie gezahlt hatten. Anfangs funktionierte das Modell, weil der deutsche Fiskus noch mitspielte.

Doch schließlich verweigerte die Finanzverwaltung die Erstattung und die Fonds floppten. Im Jahr 2012 schloss das Bundesfinanzministerium schließlich die Steuerlücke. Im November desselben Jahres begann für J. Safra Sarasin eine Odyssee in Deutschland, von der sich das Institut offenbar nicht mehr erholen konnte. Damals durchsuchten über 60 Staatsanwälte, Steuerfahnder und Polizeibeamte unter anderem Büros der deutschen Niederlassung der Bank.

Zahlreiche namhafte Kunden überwarfen sich mit der Bank, unter ihnen etwa AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, Drogerieunternehmer Erwin Müller oder Fleischfabrikant Clemens Tönnies. Noch heute sind Schadensersatzklagen anhängig. Erwin Müller etwa verklagt Sarasin vor dem Landgericht Ulm auf rund 50 Millionen Euro Schadensersatz.

Im Oktober 2014 dann die nächste Razzia: Die Staatsanwaltschaft Köln startet zusammen mit Schweizer Kollegen eine Großrazzia im Umfeld der Bank gegen mehr als 30 Personen. Zu den Beschuldigten gehört auch der Steueranwalt Dr. Hanno Berger, dessen Haus in der Schweiz ebenfalls Ziel der Ermittler ist. Es ging um den Verdacht der schweren Steuerhinterziehung und des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs im Zusammenhang mit dem Vertrieb von Cum-Ex-Fonds.

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Schwerer Imageschaden für die Bank

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