Nach Datenkauf-Affäre

Bafin kritisiert Datenschutzmängel bei Debeka

Der Vorwurf des illegalen Datenhandels brachte die Debeka Ende 2013 in die Schlagzeilen. Nach ihrer Prüfung bemängelt die Finanzaufsicht Bafin den Umgang mit Daten potenzieller Neukunden. Die Debeka gelobt Besserung.
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Die Hauptverwaltung des Versicherungsunternehmens Debeka in Koblenz: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Versicherung. Quelle: dpa

Die Hauptverwaltung des Versicherungsunternehmens Debeka in Koblenz: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Versicherung.

(Foto: dpa)

KoblenzDie Finanzaufsicht Bafin hat nach Angaben der Debeka-Versicherung Mängel in deren Umgang mit Daten potenzieller Neukunden kritisiert. Die Debeka werde der Forderung zügig nachkommen, die Fehler zu beseitigen, teilte die Versicherung am Dienstag in Koblenz mit. Sanktionen seien jedoch nicht verhängt worden.

Hintergrund der Überprüfung waren Vorwürfe des illegalen Datenhandels. Das ebenfalls in den Fokus geratene System sogenannter Tippgeber, die gegen Provision Kontakte zwischen der Versicherung und Interessenten herstellen, sei nicht infrage gestellt worden. Die strafrechtliche Seite der Vorwürfe werde nach wie vor geprüft, sagte ein Debeka-Sprecher.

Die Bafin kritisiert laut Debeka besonders, dass die Herkunft personenbezogener Daten nicht immer nachvollzogen und deren Rechtmäßigkeit nicht ausnahmslos aufgezeigt werden könne. Verdachtsfälle von Verstößen im Umgang mit solchen Daten seien nicht gründlich aufgearbeitet worden, Mitarbeiter nicht genug für Datenschutz sensibilisiert und deren Vertriebstätigkeit nicht ausreichend kontrolliert worden.

Wie die Debeka Beamte beackert – alles im Original
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Der Debeka-Außendienst kann im Computer auf Knopfdruck abrufen, wie viel Provision ein Schulleiter, Polizist oder Finanzbeamter als Provision erhalten würde, wenn er eine bestimmte Versicherung vermittelt. In diesem Beispiel immerhin 310,72 Euro.

Eine Chronologie der Ereignisse im November 2013 gibt es hier.

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Hier eine Gesprächsanleitung für die Suche nach VM – also Vertrauensmitarbeitern. Sie liest sich wie eine Anleitung zur Bestechung – jedenfalls wenn der so Angesprochene ein Beamter ist.

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Die Debeka ist gut sortiert. Hier eine Übersicht aller Empfehlungsschreiben, welche die Versicherung für die verschiedenen Beamtenberufe bereithält. Werbebriefe für Gewerkschaften von Polizisten, Kriminalbeamten, Zollbeamten, Lehren und vielen anderen sind alle kodiert und schnell abrufbar.

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Bei der Debeka kümmert sich die oberste Führungsspitze sich um das VM-Geschäft, also die Motivation von Vertrauensmitarbeitern, von denen rund die Hälfte in der Beamtenschaft zu finden ist. Hier ein Vorstandsschreiben vom Januar 2013, in dem erklärt wird, was die Voraussetzungen für Teilnahme am „Club der Top-VM“ ist.

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2009 veranstalte Debeka für seine Vertrauensmitarbeiter (VM) einen Wettbewerb zum Verkauf von Riester-Versicherungen. Zitat: „Als Anreiz erhält jedes Vereinsmitglied in der 33. Kalenderwoche ein persönliches Anschreiben von Herrn Generaldirektor Uwe Laue.“ Es locken schöne Reisen: „Der VM nimmt mit der Einreichung der Postkarte automatisch an der Verlosung von fünf Reisegutscheinen für jeweils zwei Personen auf einem Clubschiff der AIDA teil.“

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Die internen Arbeitslinien für den Vertrieb zeigen, dass Debeka bei der Wortwahl für die Suche nach Vertrauensmitarbeitern nicht zimperlich ist. Zitat: „Ziel muss es sein, mindestens einen VM in jeder Behörde bzw. Firma zu installieren.“

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Wenn die Vertrauensmitarbeiter gefunden sind, werden sie säuberlich in Listen eingetragen und überwacht. Der Debeka-Außendienst soll dann den Zeitpunkt der „Aktivierung“ festhalten, sowie dessen Leistung in Euro. Dabei dürfen Beamte laut Gesetz bei ihrer Nebentätigkeit „keine Gewinnerzielungsabsicht haben“.

Ende 2013 war der Vorwurf aufgekommen, einzelne Debeka-Beschäftigte sollen Beamte bestochen haben, um an Daten angehender Beamter zu kommen. Neben der Bafin beschäftigten sich auch die Koblenzer Staatsanwaltschaft und der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte mit dem Fall. Die Debeka hatte als Konsequenz zuletzt unter anderem Qualitätsmanager in 26 Geschäftsstellen eingesetzt. Seit April werde zudem die Herkunft der Daten potenzieller Mitglieder lückenlos dokumentiert und es gebe Pflichtschulungen für Vertriebsmitarbeiter zum Datenschutz.

  • dpa
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8 Kommentare zu "Nach Datenkauf-Affäre: Bafin kritisiert Datenschutzmängel bei Debeka"

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  • Alles klar, nun ist mir klar wie ich Sie einschätzen muss und das es nicht lohnt zu antworten.

  • Ist Ihnen der Beitrag des Richters Fahsel bekannt?

    Hier der Link dazu:
    http://www.odenwald-geschichten.de/?p=1740

    Die Einschaltung der Staatsanwaltschaft wäre zwar in einem Rechtsstaat die Stelle, der man eine Aufklärung zumuten würde, ihr Ruf ist aber nicht entsprechend (vgl. auch:
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/aerzte-abrechnungsskandal-in-bayern-seehofer-wusste-von-labor-affaere/9857348.html)

    Sie lesen selbst, dass der Gedanke an Verschwörungstheorien in diesem Zusammenhang unpassend ist.

  • Wenn Sie konkrete Beweiße für Ihr schweren Anschuldigungen haben legen Sie diese umgehend der Staatsanwaltschaft vor. Schon härter Tobak die an eine Verschwörungstheorie grenzt.

  • Wundert Sie das, wenn Mitarbeiter der BaFin möglicherweise selbst zum Kreis der Beschuldigten gehören?

    Der Vorgang zeigt, dass die Behörden nicht in der Lage sind, innerhalb der eigenen Riege aufzuklären. Ganz offensichtlich mangelt es an deren Aufsicht.

    Der Vorgang sollte uns nachdenklich in Bezug auf Systemrisiken machen.

  • Wahrscheinlich wäre es zu durchsichtig gewesen, wenn die BaFin die DIN-A4-Größe der Schreibblätter moniert hätte. Dann hätte gleich jeder gewußt, was los ist.

    Die Art und Weise der Vorgehen sweise lässt darauf schließen, dass sehr hochrangige Beamte in das Geflecht involviert waren.

    Es sollte öffentlicher Druck aufgebnaut werden, die Liste mit den gezahlten Provisionen mit den Namen der Begünstigten zu veröffentlichen. Der öffentliche Pranger würde der BaFin zeigen, welche Funktionen die Geldempfänger in den öffentlichen Verwaltungen begleiten.

    Die Öffentlichkeit kann das "Prüfungsergebnis" der BaFin nicht hinnehmen!

  • ich vermute die werden Zeitnah ab November ermittelt haben, also rund ein halbes Jahr. Fakt ist, es gibt keiner Sanktionen und das Tippgebersystem ist rechtens!

  • "Das ebenfalls in den Fokus geratene System sogenannter Tippgeber, die gegen Provision Kontakte zwischen der Versicherung und Interessenten herstellen, sei nicht infrage gestellt worden. "

    Damit fallen doch die zahlreichen Artikel des Handelsblatt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Was wurde aus dem System der geheimen Tippgeber die alles unterwandern oder aus den Millionen an Vergütungen mit denen diese bestochen wurden?

    Die Aufsicht BaFin hat daran scheinbar nichts auszusetzen!

  • Wie lange hat die Bafin bis zu dieser Erkenntnis gebraucht?

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