Nach dem Downgrade: Banken blicken in den Abgrund

Nach dem Downgrade
Banken blicken in den Abgrund

Das Schicksal von Banken und Staaten ist eng miteinander verknüpft. Deshalb trifft die Herabstufung etlicher Euro-Staaten auch die Geldhäuser. Sie stecken in einer gefährlichen Klemme.
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DüsseldorfBanken halten viele Staatsanleihen, in der Regel vor allem die ihrer Heimatländer. Deshalb ist die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von neun Euro-Ländern Ende vergangener Woche durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) ein Problem für sie - auch weil der Schritt eine Reaktion auf die ausufernde Staatsverschuldung ist, die wiederum das Wirtschaftswachstum bremst und so zu umfangreicheren Kreditausfällen der Institute führt. Wenn sich, wie von S&P bereits angedroht, die Ratings der Banken verschlechtern, steigen ihre Refinanzierungskosten.

Und das in einer Situation, in der es für die Institute ohnehin immer schwieriger wird, sich Geld zu beschaffen – auch weil sie sich die untereinander immer weniger vertrauen. Das kommt darin zum Ausdruck, dass die rund 6000 bei der Europäischen Zentralbank (EZB) registrierten Banken über das Wochenende erneut eine Rekordsumme hinterlegt haben. Sie überwiesen am Freitagabend fast eine halbe Billion Euro, exakt 493,3 Milliarden Euro, um ihr Geld so zu sichern - mehr als je zuvor, wie die EZB am Montag mitteilte. 

Dieser sogenannte Angstbetrag stieg in den vergangenen Wochen kontinuierlich. Händler sehen das als Ausdruck für das Misstrauen, das die Banken gegeneinander hegen, weil sie ihre überschüssige Liquidität sonst aneinander verleihen würden. 

Zudem hatte die EZB im Dezember fast 500 Milliarden Euro für drei Jahre an Geldhäuser verliehen. Damals hatten sich offenbar vor allem italienische Banken, darunter Marktführer Unicredit, mit Geld versorgt. Italiens größte Bank hatte allein im dritten Quartal einen Rekordverlust von zehn Milliarden Euro erlitten. Das Institut hat angekündigt, bis 2015 etwa 7300 Stellen zu streichen und damit auf jeden achten Beschäftigten zu verzichten. 

Die ohnehin schlechte Lage der Bank spitzt sich dadurch zu, dass S&P am Freitag auch die Kreditwürdigkeit Italiens abermals herabgestuft hat. Unicredit muss Risiken aus fast 40 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen in ihren Büchern auffangen.

Schon Anfang Januar war bekannt geworden, dass die Mutter der Münchener Hypo-Vereinsbank (HVB) eine notwendige Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe nur mit schmerzhaften Zugeständnissen an die Investoren gestemmt bekommt. Sie muss die neuen Aktien mit einem Abschlag von rund 43 Prozent zuteilen. In der Folge stürzte die Unicredit-Aktie drastisch ab.

Die HVB steht wegen Unicredits Problemen unter verschärfter Beobachtung der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Sowohl beim Eigenkapital als auch bei der Liquidität der Bank hat die Aufsichtsbehörde Restriktionen erlassen. Ziel ist die Abschirmung gegen Zugriffe von Unicredit, wie das „Manager Magazin“ Ende Dezember berichtet hatte.

Kommentare zu " Nach dem Downgrade: Banken blicken in den Abgrund"

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  • Und ich gucke in den Abgrund dieses Verbrechersystems. Abschaffen!

  • Banken blicken nach dem Downgrade in den Abgrund
    Sie stecken in einer gefährlichen Klemme.
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    Sie stecken doch schon seit Jahren in der Klemme-- die erste "heimliche" Badbank gab es doch 2003,aber bis jetzt hat sie noch niemand abgeklemmt.
    Schäuble machts möglich, meerkel genehmigt es, die EZB erledigt es, Milch und Honig fließen für die Banken weiter. Dafür zapft man die kleinen Steuerzahler an- sie sind die Melkkühe der Nation- und die Nation ist die Melkkuh der EU.
    Die Kuh wird gemolken solange sie Milch gibt- oder am Ende tot umfällt.
    Merkt eigentlich überhaupt noch einer, wie irre das ganze Theater ist? Ist da noch ein "Normler" darunter?
    Doch wie in jedem Theater, irgenwann fällt der Vorhang- die Vorstellung ist zu Ende. Und das Puplikum jubelt klatscht Beifall- dieser gilt den hervorragenden Schauspielern.
    Haben sie uns doch eine wunderbare Vorstellung bescheert.
    Sie haben uns verschont vor der Wahrheit, es war immer alles gut, so konnten wir sorgenfrei in den Tag hineinleben.
    Was für eine heile Welt.
    Na dann, Bis zur nächsten Vorstellung.

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