Nach dem Stresstest
Österreichische Volksbank soll saniert werden

Österreich Volksbank hat den EU-Stresstest nicht bestanden - und bemüht sich nun, den Reputationsverlust gering zu halten. Mit einem Sanierungsplan soll die Eigenkapitalbasis aufgestockt werden.
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WienNach dem Scheitern im Stresstest beginnt für die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) eine sechsmonatige Bewährungsprobe. Das Kreditinstitut, an dem aus Deutschland auch die DZ Bank und die Ergo Versicherung mit zusammen etwa 33 Prozent beteiligt sind, muss innerhalb der nächsten drei Monate einen „glaubwürdigen“ Sanierungsplan vorlegen. Die tatsächliche Aufstockung der schwachen Eigenkapitalbasis muss danach in einer weiteren Drei-Monats-Frist abgeschlossen sein, fordern die österreichischen Bankenaufseher. 

Das Wiener Finanzministerium bemühte sich am Wochenende, den von der ÖVAG ausgelösten Reputationsverlust für den österreichischen Finanzmarkt so klein wie möglich zu halten. Das Finanzministerium gab der Volksbank einen Freibrief und sicherte dem angeschlagenen Institut zu, dass zur Not der Staat für die nötige Kapitalaufstockung bei der ÖVAG sorgen würde. „Die Republik Österreich ist bereit, die finanzielle Stabilität sicherzustellen“, hieß es in einer Erklärung des Finanzministeriums. 

Der Staat könnte mit Kapitalspritzen aushelfen oder würde sich unmittelbar an der Bank beteiligen. Seit der Finanzkrise hatte die ÖVAG bereits Staatshilfen im Volumen von einer Milliarde Euro erhalten; trotzdem war sie am Freitag im Stresstest durchgefallen.

Die österreichische Volksbank hatte schon vor der Bekanntgabe der Stresstest-Ergebnisse angekündigt, dass sie Tochtergesellschaften und Beteiligungen verkaufen will. Mit dem erwarteten Erlös von etwa einer Milliarde Euro soll das Eigenkapital aufgestockt und Staatsgeld zurückgezahlt werden. Die ÖVAG hat bislang jedoch nur Absichtserklärungen wie etwa zum Verkauf der Osteuropa-Tochter an die russische Sberbank vorgelegt. Einen definitiven Abschluss gibt es nicht. 

Das Stresstest-Ergebnis der ÖVAG passt zu den Warnungen von OECD und Internationalem Währungsfonds (IWF). Im Vorfeld des Stresstests hatten beide großen Organisationen darauf hingewiesen, dass das gesamte österreichische Bankensystem gerade mit Blick auf das starke Engagement in Osteuropa eine zu geringe Kapitalausstattung besitzt.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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