Nach den Aufräumarbeiten geht es nun darum, endlich wieder zu wachsen: Banken haken die Krise ab

Nach den Aufräumarbeiten geht es nun darum, endlich wieder zu wachsen
Banken haken die Krise ab

Deutschlands Banken kehren die letzten Trümmer der tiefsten Krise der Branche seit dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Gestern kündigte die Hypo-Vereinsbank (HVB) den Schritt an, den die Commerzbank bereits im Herbst tat: Sie bereinigt ihre Bilanz um milliardenschwere Altlasten und bringt zugleich ihre für eine Bank ihrer Größenordnung dünne Kapitalbasis auf ein ordentliches Niveau.

FRANKFURT/M. Sowohl Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller als auch Dieter Rampl von der HVB wollen den Schritt als Abschluss ihrer jahrelangen Sanierung verstanden wissen – und damit haben sie Recht.

Rückblick: Die erste Phase der Gesundung des Patienten „deutsche Großbanken“ war der Turn-around im operativen Geschäft, der in erster Linie durch einen massiven Stellenabbau bewerkstelligt wurde. Hinzu kam insbesondere bei der HVB der Verkauf von Beteiligungen. Mit der Bilanzbereinigung schaffen sie jetzt die Voraussetzung, um endlich wieder an Wachstum denken zu können. Möglich ist das nur, weil der Kapitalmarkt schon seit einiger Zeit an eine Genesung der Branche glaubt: Seit den Tiefständen vor einem Jahr, als die Aufregung um die Bankenkrise ihre Höhepunkte erreichte, sind die Kurse beider Banken explodiert. Ohne die Kurserholung wären die Radikalkuren nicht möglich gewesen. Jetzt nutzen Müller und Rampl die Gunst der Stunde.

Doch trotz der durchaus ermutigenden Perspektiven bleibt festzuhalten: Die vergangenen Jahre waren ein einziges Desaster. Die Zahlen sprechen für sich: Die Commerzbank verlor 2002 fast 300 Mill. Euro und 2003 noch einmal 2,3 Mrd. Euro. Bei der Hypo-Vereinsbank waren es 858 Mill. Euro in 2002 und im vergangen Jahr noch einmal 2,6 Mrd. Euro. Und auch bei der Dresdner Bank wird nach dem Milliardenverlust in 2002 nach Einschätzung von Analysten ein weiteres milliardenschweres Minus 2003 folgen. Von den vier privaten Großbanken hat sich allein die Deutsche Bank ohne rote Zahlen durch die Krise manövriert. Im öffentlich-rechtlichen Lager sieht es mancherorts nicht besser aus. Die WestLB hat in den beiden vorigen Jahren rund 4 Mrd. Euro versenkt.

Die Gründe der Misere sind bekannt. Es ist eine Mischung aus dem für alle Experten unvorhergesehenen Börsencrash der vergangenen Jahre, der zu späten Reaktion auf den Wegfall der DM und der damit verbundenen Vorteile der deutschen Banken gegenüber ausländischen Konkurrenten, der chronischen Konjunkturschwäche in Deutschland und einer teilweise schon fast an Größenwahn grenzenden Expansion im Kreditgeschäft und in vermeintlich lukrative Geschäftsfelder wie das Investment- Banking. Diese Mixtur aus unglücklichen Umständen und Managementfehlern hat die chronische Ertragsschwäche der deutschen Banken im operativen Geschäft schonungslos offen gelegt, die in den 90er-Jahren durch diverse Sonderfaktoren wie die Wiedervereinigung und den Börsenboom kaschiert wurde.

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