Nach der Parlamentswahl
Griechische Sparer bringen Geld zurück

In den vergangenen Wochen sind die Bankeinlagen in Griechenland infolge der Vertrauenskrise dramatisch gesunken. Nun zeichnet sich eine Kehrtwende ab. Doch die Institute haben noch viel gravierendere Probleme.
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AthenMittwochmorgen in der Zweigstelle einer großen Bank im Athener Villenvorort Voula: Ein Rentner geht zur Kasse, in der einen Hand das Sparbuch, in der anderen ein dickes Banknotenbündel, das er einzahlen will. Nebenan füttert eine junge Frau einen der Geldautomaten im Kassenraum geduldig mit einem 50-Euro-Schein nach dem anderen. „Solche Kunden sieht man gern“, sagt der Zweigstellenleiter.

In den vergangenen Wochen hörten seine Kassierer meist: „Ich möchte mein Geld.“ Nach inoffiziellen Schätzungen aus Zentralbankkreisen haben die Griechen rund 20 Milliarden Euro in ihren Wohnungen und in Schließfächern gebunkert. Damit ist rund die Hälfte des Bargeldbestandes, der sich in Griechenland auf etwa 40 Milliarden Euro beläuft, dem Geldkreislauf entzogen.

Wenige Tage vor der Parlamentswahl am vergangenen Sonntag hatten die griechischen Banker sogar Pläne für den Fall entwickelt, dass es nach dem Urnengang zu einem Ansturm der Kunden auf die Konten käme, wenn die Radikallinke gewänne.

Nun aber, nach der Wahl, erlebt Griechenland eine Art umgekehrten Bank-Run: Immer mehr Kunden bringen zumindest einen Teil jener Gelder zurück, die sie von ihren Konten abgehoben hatten, um sie an anderer Stelle zu verwahren. Noch gibt es keine belastbaren Zahlen darüber, wie viel Geld die Griechen wieder bei ihren Kreditinstituten anlegen, aber mehrere Banker berichten übereinstimmend von der Trendwende.

Branchenschätzungen zufolge wurden von Anfang Mai, als Griechenland auf die erste Wahl zuging, bis zum vergangenen Freitag vor der zweiten Wahl rund zwölf Milliarden Euro an Einlagen abgezogen. Offizielle Zahlen hält die griechische Zentralbank bisher zurück. Den Schätzungen Athener Banker zufolge floss etwa ein Drittel ins Ausland, vor allem nach Großbritannien. Ein weiteres Drittel wurde in ausländischen Wertpapieren wie Bundesanleihen oder Rentenfonds angelegt. Das restliche Drittel wurde in bar gehortet.

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Der Schuldenschnitt hat die Banken schwer belastet

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  • könnse machen, die griechen.
    die deutschen sollten ihre kohle langsam von der bank holen und in sicherheit bringen!

  • Ein weiteres Beispiel für das "griechische Geschäftsmodell", das von Beginn an mit dem Euro inkompatibel war.

    Schaut man sich die Geschichte der Drachme an, kannte der Kurs der griechischen Währung eigentlich immer nur eine Richtung.

    http://www.griechische-botschaft.de/wirtschaft/die-drachme/?type=98&sword_list=drachme.htm

    Zur Euro-Einführung war der größte Drachmen-Schein (5000 Drachmen) keine fünfzehn Euro wert. Gleichzeitig wurde aber durch die Fixierung der Drachme auf 1/341 Euro ein auf steigenden Fremdwährungskursen fußendes informelles Zinssystem außer Kraft gesetzt, das trotz aller Nachteile einer ständig im Wert fallenden Landeswährung für die einheimischen Griechen auch seine Vorteile hatte. Denn wenn die eigene Landeswährung abwertet, steigt im Gegenzug der Wechselkurs aller anderen Devisen.

    Deshalb wurden mit jeder Abwertung die heimlich beiseite geschafften Dollar, Deutschmark, Pfund und Francs unfreiwillig als Guthaben "verzinst". Und zwar um so höher, je heftiger die Drachme abgewertet wurde. Auch mit deutlich mehr Rendite als ein korrespondierendes Drachmenguthaben auf einem Bankkonto.

    Deshalb wurde die Drachme auch nur noch als "Münzgeld" für den täglichen Kleinkram verwendet, während größere Transaktionen mit gehorteten Devisen getätigt wurden. Man erinnere sich nur an einschlägige Schilder in den Währungen aller Herren Länder. Kulturfolgend in Drachmen zu bezahlen, war da eigentlich "verboten".

    Deshalb mußte die EU im Ersatz für entgangene Zinsgewinne ihrer abgeschafften National-Devisen unter griechischen Matratzen fürderhin mit immer höheren Hilfszahlungen einspringen. Wirtschaftshilfen um das verlorene Devisen-Zinssystem notgedrungen mit anderen Mitteln zu simulieren.

    Deshalb glaube ich nicht, daß der griechische Bank-Run im Vorfeld der zweiten Wahlen aus Angst vor dem Ende des Euro geschah. Wohl eher in Erwartung satter Gewinne an der künftigen Fremdwährung namens Euro. Wie gehabt.

    Wurde nur nichts draus...


  • "Herr schmeiss Hirn ra" möchte man denen zurufen - aber weiß eh nicht, was das auf griechisch heißen würde. Dem Artikel zur Folge muss dann wohl ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung an ein "einfach weiter wie bisher" glauben...interessant auch, dass seitens der Banken erst in den Tagen vor der Wahl über den "GAU" nachgedacht wurde, die waren ja richtig früh dran.

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