Nach Handelsskandalen
Banken wollen Händler von Chat-Räumen abklemmen

Mehrere Großbanken erwägen, ihren Händlern in Chat-Räumen Funkstille aufzuerlegen. Einem Zeitungsbericht zufolge wollen Finanzinstitute wie JP Morgan oder Credit Suisse damit neue Manipulationsskandale verhindern.
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DüsseldorfNach den Preisabsprachen bei wichtigen Leitzinsen und dem Verdacht auf Manipulationen von Devisenkursen wollen mehrere Großbanken offenbar ihren Händlern den Zugang zu Chat-Räume sperren. Das US-Geldhaus JP Morgan und die Schweizer Credit Suisse beraten einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge, ihren Angestellten den Zugang zu den virtuellen Konferenzräumen zu verbieten. Dies würde die Abläufe an den Finanzmärkten erheblich verändern.

Börsenhändler mehrerer Geldhäuser, darunter auch der Deutschen Bank, hatten über die Chatfunktion ihrer Handelssysteme die Manipulation wichtiger Leitzinssätze wie Libor und Euribor abgesprochen. Der Skandal weitete sich zuletzt auch auf Preisabsprachen bei Devisenkursen aus. Die Banken stehen unter wachsendem Druck der Aufseher, das Treiben ihrer Angestellten einzudämmen und weitere Betrugsfälle zu verhindern.

Dem Bericht zufolge überprüfen neben den britischen Instituten Royal Bank of Scotland (RBS) und Barclays auch die Schweizer UBS sowie die Cititgroup, wie sie die Diskussionen in den Chat-Räumen besser überwachen und kontrollieren können. Händler von Banken, Vermögensverwaltern und Versicherern nutzen die Chat-Funktion ihrer Handelsterminals, um abseits des Börsenparketts Angebote für den Kauf- oder Verkauf von Wertpapieren einzuholen.

Die Ermittlungen von Bankaufsehern weltweit rücken das Treiben in den Chat-Räumen immer mehr in den Fokus. Im Zentrum der Untersuchungen steht die Chat-Funktion der Bloomberg-Terminals. Über diesen Dienst wickeln weltweit viele Banken, Fondsgesellschaften, Pensionskassen oder Versicherungen ihre Finanzgeschäfte ab.

Die Ermittler entdeckten Mitteilungen, in denen Händler widerrechtlich Informationen an Konkurrenten weiterreichten oder darüber scherzten, wie sie Wechselkurse beeinflussen können. Eines der Diskussionsforen trug den treffenden Namen „Das Kartell“, berichtet das „Wall Street Journal“. Die verbotenen Kursabsprachen sollen einen Schaden in mehrstelliger Milliardenhöhe verursacht haben. Allein auf dem Libor-Satz basieren Finanzprodukte im Wert von mehr als 300 Billionen Euro.

Die Schwatzhaftigkeit ihrer Händler kommt die Banken teuer zu stehen. Fünf Institute haben zusammengenommen mehr als 2,6 Milliarden Euro Strafe berappen müssen. Weitere Zahlungen stehen noch aus. Auch die Deutsche Bank verhandelt noch mit den Behörden über die Höhe von Strafen.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

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